VonGerti Reichlschließen
Der neue Bahnhalt an der Realschule wird doppelt so teuer als geplant: Statt 800.000 Euro wird die neue Haltestelle 1,6 Millionen Euro verschlingen.
Gmund – Seit der Eröffnung der Realschule 2014 steht fest: Neben der Schule soll ein eigener Bahnhalt entstehen. Lange war das Projekt nur schleppend vorangekommen, ehe es im Herbst 2016 mit einer ersten Bauphase endlich Fahrt aufnahm. Zahlreiche Vorarbeiten wurden ausgeführt. Doch dann wurden im Juli 2017 die Signale überraschend auf Stopp gestellt.
Weil bundesweit umfangreiche Bauarbeiten an der Infrastruktur von Eisenbahnen stattfanden und infolge zahlreicher Großaufträge seitdem Hochkonjunktur herrscht, explodierten die Preise. 800.000 Euro hatte sich die Tegernsee Bahn Betriebs GmbH (TBG) für den Bahnhalt Finsterwald als oberstes Limit gesetzt. Doch dieser Rahmen, das zeigte die Ausschreibung, war nicht zu halten.
In Folge hob die TBG die Ausschreibung auf und überarbeitete sie neu. „Es wäre nicht zu vertreten, wenn wir unser Budget deutlich überschreiten würden, weil es im Eisenbahnbau gerade eine Hochkonjunktur gibt“, begründete TBG-Geschäftsführer Heino Seeger damals die Entscheidung.
Wie sich jetzt aber herausstellt, brachte auch eine neue Ausschreibung, die vor allem den Bau des Fundaments, der Bahnsteigplatten und die gesamte Ausrüstung enthält, kein anderes Ergebnis. Weil der Bauboom weiter anhält, können Baufirmen immer noch höhere Preise verlangen. Die Folge: Der Bau des neuen Bahnhalts wird nicht 800 000 Euro, sondern 1,6 Millionen Euro verschlingen.
Die TBG wird dennoch an ihrem Plan festhalten und die Kostenexplosion wohl oder übel mittragen. „An den hohen Kosten der Firmen leiden derzeit alle Bauvorhaben der Schiene“, gibt Seeger zu bedenken. Immerhin wird das Gmunder Projekt zu 50 Prozent vom Staat bezuschusst.
Dennoch: Die TBG, an der die Gemeinde Gmund zu 45 Prozent beteiligt ist, steht hinter dem Projekt: „Nutznießer sind die Schüler und alle, die im Umfeld wohnen“, betont Seeger. Kritikern, die zu geringe Fahrgastzahlen und zu hohe Kosten monieren könnten, nimmt er schon jetzt den Wind aus den Segeln. „Wir machen Wirtschaftlichkeitsberechnungen für die nächsten 25 Jahren und bauen Bahnsteige für Jahrhunderte“, sagt Seeger. „Der Bahnhalt wird die Entwicklung der Gemeinde ganz klar berücksichtigen.“ Zudem soll der Bahnhalt das Umsteigen vom Auto auf die Bahn erleichtern. Ein Argument, das angesichts immer schlimmer werdender Blechlawinen im Tegernseer Tal viel Gewicht hat.
Am 2. Juli geht‘s weiter
Zum Zeitplan: Am 2. Juli soll die nächste Bauphase beginnen. Die Bodenersatzkörper, also die Betonklötze, die für einen stabilen Untergrund im schwierigen Tegernseer Terrain sorgen, sind bereits ins Erdreich eingebracht. Auch die Gleisanlage an sich, so berichtet Seeger, ist bereits stabilisiert. Zudem ist die Signaltechnik bereits für den neuen Bahnhalt umgerüstet.
Jetzt also folgt der Rest: Ein etwa 120 Meter langer Bahnsteig wird gebaut, er bekommt eine Rampe und damit einen behindertengerechten Zugang. Fahrscheinautomaten werden installiert. In Sachen Beleuchtung wird auf ein Lichtgutachten reagiert. „Es wird eine Grundbeleuchtung geben sowie eine Licht, dass sich nur dann einschaltet, wenn ein Zug fährt“, so Seeger. Von Montag 30. Juli, 1 Uhr, bis Samstag, 4. August, 5 Uhr, wird es wegen der Bauarbeiten Schienenersatzverkehr zwischen Schaftlach und Gmund geben.
Gemeinde verzichtet auf Parkplatz-Bau
Zur Parkplatzsituation: Da es sich bei den Realschul-Parkplätzen um Privatgrund handelt, ist dieser für Bahnkunden tabu. Die Gemeinde Gmund wird dennoch auf den Bau eines eigenen Parkplatzes verzichten und Bahn-Kunden auf den bestehenden Parkplatz auf der anderen Seite der Gleise an der Bernöckersiedlung verweisen. „Der sollte ausreichen“, so der Gmunder Geschäftsleiter Florian Ruml. Jetzt gibt’s kein Zurück mehr: Am 5. November, so der Plan, soll die gesamte Bahnsteiganlage fertig sein. Die verdoppelten Kosten sind für Seeger dennoch bitter: „Darunter leiden alle, die in diesen Zeiten bauen.“
Lesen Sie auch über den Lärmtest in Finsterwald im Vorfeld der Planung.
gr
