Bestürzung in Garmisch-Partenkirchen

Trauer um Rosi Mittermaier: Ein Star ganz ohne Allüren

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Zwei neue Ehrenbürger Garmisch-Partenkirchens: Rosi Mittermaier und Christian Neureuther erhalten 2019 hierfür die Urkunden.
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Garmisch-Partenkirchen trauert um Rosi Mittermaier: Der Wintersportort hat nicht nur eine Ski-Ikone verloren, sondern ebenso eine große Sympathieträgerin. Freunde und Wegbegleiter beschreiben „Gold-Rosi“, die im Alter von 72 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben ist, als einen Menschen, der bodenständig, hilfsbereit und herzlich war.

Garmisch-Partenkirchen – Bescheidenheit zeichnete Rosi Mittermaier aus. Ihr ehemaliger Trainer Heinz Mohr, der ihr 1976 bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck zu zwei Goldmedaillen in der Abfahrt und im Slalom verhalf, kann sich noch gut an diese Eigenschaft erinnern. „Sie wollte nie besonders auffallen, hat sich eher zurückgehalten“, berichtet der Ski-Alpin-Experte, der in Mittenwald lebt. „Sie hatte ein unglaubliches Talent, eine Naturkraft. Die musste man nur rauslocken.“ Und so griff der Coach schon mal in die Trickkiste, um seinem Schützling auf die Sprünge zu helfen – und feuerte beispielsweise beim alles entscheidenden Start lautstark und ewig lange an. „Wahnsinn, wie sie da explodiert ist.“

Die Karriere der Ausnahmeathletin, die schon mit drei Jahren auf Skiern stand, ist beeindruckend: Der gebürtigen Münchnerin, die auf der idyllischen Winklmoosalm oberhalb von Reit im Winkl aufwuchs und in Garmisch-Partenkirchen ihre zweite Heimat fand, gelang der Aufstieg an die Spitze des Skirennsports. Vor allem in den 1970er-Jahren war „Gold-Rosi“, wie sie von ihren Fans liebevoll genannt wird, die herausragende deutsche Skifahrerin.

Rosi Mittermaier: Natürliche und bodenständige Art bewahrt

Was viele, vor allem Sportkollegen, an ihr schätzten: Der Erfolg stieg ihr nie zu Kopf. Sie blieb sich treu, bewahrte ihre natürliche und bodenständige Art, war heimat- und naturverbunden. Ein Star, ganz ohne Allüren. Für sie zählten die Menschen. Allen voran die Familie. Sie war das Herz und die Seele ihrer Familie – und einer ganzen Skigeneration. „Sie war eine von uns“, ist in Garmisch-Partenkirchen immer wieder zu hören. Vor allem ihre soziale Ader beeindruckte die Menschen im Werdenfelser Land. Rosi Mittermaier engagierte sich mit voller Kraft für die gute Sache, sei es für den Sportnachwuchs oder die Deutsche Kinderrheuma-Stiftung, um nur zwei Beispiele zu nennen. Auch der Einsatz für Gesundheit und Bewegung war ihr eine Herzensangelegenheit.

Die Bestürzung über ihren Tod, der für viele überraschend kam, ist groß. Mit nur 72 Jahren ist die Ehrenbürgerin des berühmten Wintersportortes „nach schwerer Krankheit im Kreise der Familie friedlich eingeschlafen“. Dies teilten ihr Ehemann Christian Neureuther sowie ihre beiden Kinder Ameli und Felix Neureuther mit.

Eindringliche Worte findet Eishockey-Urgestein Franz Reindl. „Die Nachricht hat mich tief schockiert. Das lässt den Alltag stillstehen. Das bedeutet einen unglaublichen Verlust“, sagt der Garmisch-Partenkirchner, der Rosi Mittermaier gut kannte. 1976 trat er ebenfalls in der Alpenrepublik bei Olympia an – allerdings mit der Eishockey-Nationalmannschaft, die damals als Außenseiter überraschend Bronze holte. „Sie war eine großartige Person“, fährt er fort – stets heiter und hilfsbereit. Und sie habe mit ihren Erfolgen die anderen Sportler „elektrisiert“.

Rosi Mittermaier tot: Bayern trauert um Skistar – ihr Leben in Bildern

Rosi Mittermaier, der bodenständigste und vielleicht verplanteste Ski-Superstar Bayerns. Ein Leben in Bildern.
Rosi Mittermaier, der bodenständigste und vielleicht verplanteste Ski-Superstar Bayerns. Ein Leben in Bildern. © Imag/dpa/dpa
Rosi Mittermaier wächst mitten in der Winkelmoos-Alm auf, ein weit verzweigtes Almgebiet und Hochplateau im südlichen Oberbayern
Rosi Mittermaier wächst mitten in der Winkelmoos-Alm auf, ein weit verzweigtes Almgebiet und Hochplateau im südlichen Oberbayern (Gemeinde Reit im Winkl). Ihr Vater, Kaufmann und Gastwirt, ist staatlich geprüfter Skilehrer. Er verlangt früh viel von der kleinen Rosi. Bei zwei Skiunfällen mit zwölf Jahren brach sie sich erst einen Knöchel, kurz vor der Verheilung den Unterschenkel am selben Bein und konnte mehrere Monate nicht Ski fahren. Doch schon ein Jahr später nahm sie an den Jugendmeisterschaften teil und trainierte 1965 erstmals in der Nationalmannschaft. © Münchner Merkur
In Aktion: Rosi Mittermaier beim Training vor ihrem größten Triumph auf der Axamer Lizum im Stubaital 1976.
In Aktion: Rosi Mittermaier beim Training vor ihrem größten Triumph auf der Axamer Lizum im Stubaital 1976. © Münchner Merkur
Olympischen Winterspielen in Innsbruck im Februar 1976
Ihr größter Triumph: Rosie Mittermaier nach ihrer Abfahrt bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck im Februar 1976. Dort gwann Mittermaier bei allen drei alpinen Ski-Wettbewerben eine Medaille: Am 8. Februar entschied sie die Abfahrt mit einer halben Sekunde Vorsprung auf Brigitte Totschnig für sich und gewann damit als erste deutsche Skirennläuferin seit Heidi Biebl 1960 eine olympische Goldmedaille – zuvor hatte Mittermaier im Weltcup nie in einem Abfahrtsrennen gesiegt. Drei Tage später gewann sie auch im Slalom mit der Laufbestzeit im zweiten Durchgang, nachdem zunächst ihre Teamkollegin Pamela Behr in Führung gelegen hatte. Im abschließenden Riesenslalom am 13. Februar belegte sie den zweiten Rang mit zwölf Hundertstelsekunden Rückstand auf die Kanadierin Kathy Kreiner. © Münchner Merkur
Rosi Mittermaier Ski Alpin Olympia 1976 in Innsbruck 05 02 1976 Goldmedaille in Abfahrt Slalom
Zweimal Gold bei den Abfahrten und einmal Silber beim Riesenslalom: Für diese Olympischen Spiele hatte Rosi Mittermaier nach eigenen Angaben auch ausnahmsweise im Sommer intensiv trainiert, um es angesichts ihres nahenden Karriereendes „es endlich zu mehr bringen“. © Imago
Weil sie so schön strahlt, hier nochmal ein Medaillenfoto.
Weil sie so schön strahlt, hier nochmal ein Medaillenfoto.  © dpa
Mittermaier mit Mann Neureuther beim Skifahren.
Mittermaier mit Mann Neureuther beim Skifahren.  © Münchner Merkur
Die Liebe ihres Lebens, Christian Neureuther, ebenfalls Skirennläufer, hier bei der Alpinen Skiweltmeisterschaft 1974 in St. Moritz, heiratete Rosi Mittermaier 1980.
Die Liebe ihres Lebens, Christian Neureuther, ebenfalls Skirennläufer, hier bei der Alpinen Skiweltmeisterschaft 1974 in St. Moritz, heiratete Rosi Mittermaier 1980. © dpa
Rosi Mittermaier und Christian Neureuther bei ihrer Hochzeit 1980.
Rosi Mittermaier und Christian Neureuther bei ihrer Hochzeit 1980. © Imago
Hier genießen die beiden bei ihrer Hochzeitsreise in der Dominikanischen Republik. Rosi Mittermaier war leidenschaftliche Taucherin und Surferin.
Hier genießen die beiden bei ihrer Hochzeitsreise in der Dominikanischen Republik 1980. Rosi Mittermaier war leidenschaftliche Taucherin, Fallschirmspringerin und Surferin. Im Frühjahr 1973 verletzte sie sich auf Hawaii beim Surfen und verpasste dadurch den Saisonabschluss und den möglichen Sieg im Slalom-Weltcup. © Imago
Einige Jahre später bekommen Christian Neureuther und Rosi Mittermaier zwei Kinder: Felix und Amelie Neureuther.
Einige Jahre später bekommen Christian Neureuther und Rosi Mittermaier zwei Kinder: Felix und Amelie Neureuther. © Imago
Hier mit ihren Kindern Felix, der gerade die Bronzemedaille im Slalom bei der Alpinen Skiweltmeisterschaft 2017 in St. Moritz gewonnen hat und Amelie, eine erfolgreiche Modedesignerin.
Hier mit ihren Kindern Felix, der gerade die Bronzemedaille im Slalom bei der Alpinen Skiweltmeisterschaft 2017 in St. Moritz gewonnen hat und Amelie, eine erfolgreiche Modedesignerin. © Sammy Minkoff/Imago
Rosi Mittermaier mit Mann Christian Neureuther bei ihrer dritten Leidenschaft nebst Tauchen und Skifahren: dem Fallschirmspringen.
Rosi Mittermaier mit Mann Christian Neureuther bei ihrer dritten Leidenschaft nebst Tauchen und Skifahren: dem Fallschirmspringen. © Imago
Rosi Mittermaier war auch lange nach ihrem Kariereende immer geliebter Teil der bayerischen Öffentlichkeit. Hier im Gespräch mit dem damaligen Oberbürgermeister von München, Christian Ude. Das Foto mit den Garmischer Alpen im Hintergrund hat unser Merkur-Fotograf Klaus Haag aufgenommen.
Rosi Mittermaier war auch lange nach ihrem Kariereende immer geliebter Teil der bayerischen Öffentlichkeit. Hier im Gespräch mit dem damaligen Oberbürgermeister von München, Christian Ude. Das Foto mit den Garmischer Alpen im Hintergrund hat unser Merkur-Fotograf Klaus Haag aufgenommen. © Klaus Haag
Rosi Mittermaier 1997 in Bonn bei ihrer Ernennung zur ersten deutschen "Botschafterin für Sport, Toleranz und Fairplay". In ihrem anderen Leben war Mittermaier übrigens Sportlehrerin.
Rosi Mittermaier 1997 in Bonn bei ihrer Ernennung zur ersten deutschen «Botschafterin für Sport, Toleranz und Fairplay». In ihrem anderen Leben war Mittermaier übrigens Sportlehrerin. © dpa
Rosi Mittermaier und ihr Mann gehörten zu denjenigen, die Nordic Walking in Deutschland groß gemacht haben, hier bei einer Buchpräsentation am Chinesischen Turm in München.
Rosi Mittermaier und ihr Mann gehörten zu denjenigen, die Nordic Walking in Deutschland groß gemacht haben, hier bei einer Buchpräsentation am Chinesischen Turm in München. © Sigi Jantz
Den Bergen ewig verbunden: Rosi Mittermaier bei einer Tour in den Alpen.
Den Bergen ewig verbunden: Rosi Mittermaier bei einer Tour in den Alpen. © tz
Rosi Mittermaier mit ihrem Freund und Weggefährten Markus Wasmaier bei der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens im Maximilianeum.
Rosi Mittermaier mit ihrem Freund und Weggefährten Markus Wasmaier bei der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens im Maximilianeum.  © Marcus Schlaf
Für jeden Spaß zu haben: Rosi Mittermaier bei der Feier zum 70. der Firma Bogner in historischem Skioutfit inklusive Holzski.
Für jeden Spaß zu haben: Rosi Mittermaier bei der Feier zum 70. der Firma Bogner in historischem Skioutfit inklusive Holzski. © Jantz
Für jeden Spaß zu haben: Rosi Mittermaier bei der Feier zum 70. der Firma Bogner in historischem Skioutfit inklusive Holzski.
Für jeden Spaß zu haben: Rosi Mittermaier bei der Feier zum 70. der Firma Bogner in historischem Skioutfit inklusive Holzski. © Sigi Jantz
Oder wie hier beim Apfelstrudel backen in ihrem Zuhause in Raum Garmisch-Partenkirchen.
Oder wie hier beim Apfelstrudel backen in ihrem Zuhause in Raum Garmisch-Partenkirchen. © Imago
Rosi Mittermaier bäckt Apfelstrudel auf der Almhütte Christian Neureuther zu Besuch in Garmisch P
Hier mit dem Ergebnis und ihrem Mann. © Imago
Rosi Mittermaier engagierte sich für zahlreiche karitative Projekte: Hier als Schirmherrin der bundesweiten Kinder-Rheumastiftung mit rheumakranken Kindern in Garmisch-Partenkirchen.
Rosi Mittermaier engagierte sich für zahlreiche karitative Projekte: Hier als Schirmherrin der bundesweiten Kinder-Rheumastiftung mit rheumakranken Kindern in Garmisch-Partenkirchen. © dpa
Immer für ein Lächeln gut: Rosi Mittermaier zu ihrem 70. Geburtstag. Danach wurde es ruhig um den bayerischen Superstar. Rosi Mittermaier starb am 4. Januar nach langer Krankheit.
Immer für ein Lächeln gut: Rosi Mittermaier zu ihrem 70. Geburtstag. Danach wurde es ruhig um den bayerischen Superstar. Rosi Mittermaier starb am 4. Januar nach langer Krankheit. © Angelika Warmuth/dpa

„Es ist traurig, dass sie so früh sterben müsste“

„Es ist traurig, dass sie so früh sterben müsste“, sagt Dr. Hans-Wolfgang Bär aus Seehausen, Schwager der Verstorbenen. Der Orthopäde war in den 1970er-Jahren der ärztliche Betreuer der deutschen Ski-Damen-Nationalmannschaft. Rosi Mittermaier zählte ebenfalls zu seinen Schützlingen. „Sie war ein unglaublich offener Mensch“, erinnert sich der Mediziner.

Bei den beiden Skiclubs im Kreisort ist die Anteilnahme ebenfalls groß. „Rosi hat die Skiwelt im Allgemeinen und im Ort Garmisch-Partenkirchen geprägt“, erklärt Martina Betz, Vorsitzende des Skiclubs Garmisch. „Sie war eine außergewöhnliche Person.“ Ähnlich klingt es bei ihrem Amtskollegen vom Skiclub Partenkirchen, Michael Maurer. „Sie ist auf eine gute Art und Weise mit ihrem Erfolg umgegangen“, findet er.

Vergleichbare Töne sind aus der Politik zu vernehmen. „Die Rosi hat nie ein Aufhebens gemacht um ihre eigene Person“, sagte Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU) dem Bayerischen Rundfunk. „Bayern verliert eine großartige Sportlerin und eine leidenschaftliche Kämpferin für das solidarische Miteinander“, ist in einer Pressemitteilung des Oberammergauers Florian Streibl zu lesen, der Fraktionschef der Freien Wähler im Landtag ist. Und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, zu dessen Wahlkreis der Landkreis gehört, erklärt: „Sie war ein weltoffener Mensch, dessen warmherziges, gesellschaftliches Engagement wie auch ihr Einsatz für ihre Nächsten und für den Sport beispiellos waren.“

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