Unglaubliche Diebstähle

Mann stirbt bei Motorradunfall: Kollegen stellen ihm Blumenschale ans Grab - jetzt wurde sie geklaut

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Diese Blumenschale wurde von Dirk L.s Grab gestohlen.

Gelegenheit macht Diebe: Das müssen immer wieder auch Grab-Besitzer auf Friedhöfen erleben. Gestohlen wird, was nicht niet- und nagelfest ist. Eine Witwe aus Grafrath hat es jetzt gleich zwei Mal erwischt.

Grafrath – Die Anteilnahme war groß. Blumen, Gestecke und Schleifen haben Verwandte, Freunde und Kollegen am Grab von Dirk L. abgelegt, der vor kurzem bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen war. Täglich kam Ehefrau Doris an die letzte Ruhestätte, um zu gießen – und zu trauern. Doch in die Trauer mischt sich jetzt auch Wut. Wut über einen Diebstahl, der an Dreistigkeit kaum zu überbieten ist.

Eine Woche nach der Beerdigung bemerkte Doris L., dass eine große Blumenschale fehlt. Kollegen ihres Mannes hatten sie als Zeichen der Anteilnahme und der Trauer am Grab abgelegt. Die Schleife war noch da. Die Schale aber war verschwunden. Und wenige Tage später verschwand sogar noch ein weiteres Gebinde.

Witwe: „Wer macht so etwas?“

„Wer macht so etwas“, fragt sich Doris L. immer wieder. „Und wie kann jemand an so etwas eine Freude haben?“ Der materielle Wert der Schale interessiert die Witwe nicht. Für sie war es ein Symbol der großen Anteilnahme, der Trauer und des Mitgefühls.

Der Dieb habe wohl gemeint, dass es nicht auffalle bei der Menge an Blumen. Wahrscheinlich könne sich so jemand gar nicht vorstellen, was man alles durchmache, wenn man gerade einen geliebten Menschen verloren habe. „Was sind das nur für Menschen, die einem Verstorbenen die ihm zugedachte letzte Ehre schänden und sich dann das gestohlene selbst in den Garten oder gar an das eigene Grab stellen“, fragt sich die Witwe.

Was in Grafrath passiert ist, ist kein Einzelfall. Immer wieder verschwinden Kränze, Gestecke oder Gefäße von Gräbern, weiß Wolfgang Hödl, Leiter der Friedhofsverwaltung in Fürstenfeldbruck. Besonders schlimm sei es zu Allerheiligen und an Weihnachten, wenn viele Gräber festlich geschmückt sind.

Die meisten Sachen kommen nachts weg

Seit 27 Jahren arbeitet Hödl am Waldfriedhof in Bruck. Erwischt wurde in dieser Zeit kein einziger Dieb. Sie zu ertappen sei schwierig. Man könne nicht jeden Besucher ansprechen, ob er auch tatsächlich der Eigentümer des Grabes ist. Zudem kämen die meisten Sachen nachts weg.

Ähnliches erlebt auch Roswitha Stoll von der Friedhofsverwaltung in Germering. „Das gibt es immer wieder“, bestätigt sie. Einige Grab-Besitzer würden sich mit Zetteln direkt an die Diebe wenden und sie auf die Folgen ihres Handelns aufmerksam machen. Betroffene reagierten oft sehr emotional auf einen solchen Diebstahl – auch wenn der Tod des Verstorbenen schon lange zurück liege.

Doris L. hat ihren Schmerz noch lange nicht überwunden. Für den Dieb hat sie eine klare Botschaft: „Ich hoffe, er liest diesen Artikel und macht sich Gedanken, was er einem da antut.“ 

Von Tobias Gehre

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