„Heute laufen sie auf dünnen Eisflächen umher...“

Eisdrama um Touristen-Gruppe am Eibsee: Selbst Retter können nur mit Kopf schütteln

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Nach über 20 Notrufen lief am Donnerstagnachmittag (6. März) ein Großeinsatz am Eibsee an. Rechts die Stelle, an der die Touristen einbrachen.
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Grainau/Garmisch-Partenkirchen – Am Donnerstag (6. März) wagten sich bei frühlingshaftem Wetter indische Touristen auf den zugefrorenen Eibsee. 16 Personen brachen ein – und es folgte ein aufsehenerregender Großeinsatz. Hinterher waren auch einige der Retter fassungslos.

Früher sind die Leute mit den Flip Flops auf die Berge hoch gerannt, heute laufen sie auf dünnen Eisflächen auf dem See umher“, sagte Manuel Achtner, Stellvertretender Technischer Leiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) und seit 25 Jahren bei der Wasserwacht tätig, ziemlich fassungslos gegenüber dem Münchner Merkur. Laut einem Sprecher des Bayerischen Roten Kreuzes waren kurz nach dem Unfall, der sich gegen 13.55 Uhr ereignet hatte, über 20 Notrufe bei der zuständige Leitstelle in Weilheim eingegangen.

Spielte Fahrlässigkeit eine Rolle?

Inzwischen sind auch weitere Details durchgesickert: Bei den Opfern handelte es sich um eine 16-köpfige Touristengruppe aus Indien im Alter zwischen 22 und 29 Jahren. Bilder einer Webcam, die zum einem am See gelegenen Hotel gehört, zeigten, wie die Menschen fröhlich gelaunt bei frühlingshaften Temperaturen das vermeintlich sichere Eis betraten – was sich letztlich als fataler Fehler herausstellen sollte. Die Polizei hat nach Abschluss des Großeinsatzes entsprechende Ermittlungen eingeleitet und will herausfinden, wie es zu dem Unglück kommen konnte – und ob Fahrlässigkeit eine Rolle spielte.

Der Unfall forderte nach Angaben des Roten Kreuzes insgesamt 14 Verletzte. rosenheim24.de hatte bereits ausführlich berichtet. Drei Personen wurden von zwei mutigen Helfern – ein 37-Jähriger aus Thüringen und ein 43-Jähriger aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen – mit einem Boot gerettet, darunter auch der 25-Jährige, der im Anschluss unter laufender Reanimation in ein Krankenhaus eingeliefert werden musste. Zum Gesundheitszustand des Mannes lagen am Freitagmorgen (7. März) keine weiteren Informationen vor.

Die restlichen Betroffenen hatten sich gerade noch selbst ans Ufer retten können. Laut Rotem Kreuz und Polizei waren mehrere Hubschrauber, etliche Rettungswagen und auch die Feuerwehr im Einsatz. Zur Betreuung der Retter, Zeugen und Betroffenen waren auch Experten für psychosoziale Notfallversorgung vor Ort. Die Eingebrochenen, die nicht ins Krankenhaus mussten, wurden in einem nahegelegenen Hotel betreut.

Wasserwacht warnt: „Es besteht Lebensgefahr“

Der malerische Eibsee am Fuß der Zugspitze im oberbayerischen Grainau ist bei Ausflüglern und Touristen sehr beliebt. In Bayern sind derzeit Faschingsferien. Medienberichten zufolge hatte es in den vergangenen Jahren immer wieder Diskussionen um Menschen gegeben, die trotz entsprechender Warnungen das Eis des zugefrorenen Sees betreten hatten. Der See selbst befindet sich nach Angaben der Deutschen Presseagentur (dpa) in Privatbesitz.

Auch die Wasserwacht Bayern hatte in der laufenden Wintersaison davor gewarnt, zugefrorene Seen zu betreten, wenn diese nicht von offizieller Stelle freigegeben sind. „Es besteht Lebensgefahr, wenn man sich auf diese Eisflächen begibt“, warnte der Landesvorsitzende Thomas Huber. „Bricht man ein, so erleidet man innerhalb weniger Minuten einen Kälteschock, der zum Ertrinken führen kann.“ (mw)

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