Erklärungen vor Ort

Landratsamt über Maßnahmen am Grünen Wasserl:„Die Natur wird profitieren“

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Auf dieser Lagerfläche wird die Splitthalle gebaut.
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Um mit „seltsamen Pressemeldungen“ und „völlig falschen Darstellungen“ aufzuräumen, hat das Landratsamt am Freitag zum Ortstermin ans Grüne Wasserl gebeten und Stellung bezogen.

Kreuth – Offiziell waren nur Tal-Bürgermeister und Medienvertreter eingeladen. Doch auch besorgte Bürger, Vertreter der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT), Nachbarsfamilie Pagenberg, die Betreiber des benachbarten Kieswerks und der Grundbesitzer selbst scharten sich um Dr. Thomas Eichacker, Leiter der Umweltabteilung im Landratsamt.

 „Hier lag so viel im Argen“, sagt Eichacker und meinte damit die über viele Jahre erfolgte, stückweise Erweiterung der 6900 Quadratmeter großen Lagerfläche zwischen B 318 und dem Grünen Wasserl, nahe des Ringsees. Ja, das Landratsamt habe die Situation seit den 1980er-Jahren bemängelt, sei aber nie konsequent eingeschritten, räumt Eichacker ein. Mit dem vorliegenden Konzept würde dieser „illegale Zustand“ bereinigt.

Das Konzept: Es besteht aus dem Bau einer 23 mal 14 Meter großen und 6,80 Meter hohen Splitthalle und dem Bau eines Lärmschutzwalls zum Nachbarn. Der bestehende Radweg wird begradigt. Eine neue Zufahrt zum Kieswerk wurde bereits angelegt, auf etwa hundert Quadratmetern musste dafür Abraummaterial in das Gewässer geschoben werden. Auch könnten nun der Status Quo und die Grenzen des Areals festgeschrieben werden, „damit sich die planierte Fläche nicht weiter ins Biotop ausbreiten kann.“

Lesen Sie hier über die Genehmigung.

Vor allem aber hören die Anwesenden folgende Begründung: Erst durch das Gesamtkonzept sei es möglich geworden, eine Fläche zu renaturieren, die fünfmal so groß sei wie die verbaute. Eichacker zeigt auf eine Schuttfläche am Ufer des Bachs, in die Bagger bereits eine Mulde hineinmodelliert haben. Hier war bisher Lagerfläche. Hier soll sich künftig das Grüne Wasserl ausdehnen. „Die Natur wird profitieren“, ist Eichacker überzeugt. 

Gleich mehrere Befreiungen von geltenden Vorschriften – von Landschaftsschutz bis Biotopschutz – hatte das Landratsamt mit seiner Genehmigung erteilt. Von „General-Amnestie“ für die Besitzer ist am Rande bei Zuhörern die Rede.

Lesen Sie hier, wie sich das Landratsamt bereits gerechtfertigt hat.

Dann geht’s um die Splitthalle: „Natürlich wäre uns keine Halle lieber“, räumt Eichacker ein. Doch seien die Einschränkungen sicherlich „überschaubar“. Immer wieder versuchen die Pagenbergs hier einzuhaken, Eichacker blockt ab: „Es gibt kein Recht auf schöne Aussicht.“ Später gelingt es Wolfgang Schneider, dem Architekten der Pagenbergs, immerhin eine Holzlatte in den Boden zu rammen, um die Höhe der Halle zu veranschaulichen.

Der Sinn und Zweck des Hallenbaus wird diskutiert: Josef Bierschneider, Rathauschef in Kreuth, der zusammen mit allen Tal-Kollegen schon 2015 die Errichtung begrüßt hatte, verteidigt den Bau: „Wenn die Gemeinde hier einen Zugriff auf Splitt hat, muss sie nicht selbst woanders Kapazitäten schaffen.“ 300 Tonnen würde allein Kreuth pro Jahr benötigen. Bisher habe man Splitt aus Fischbachau oder München geholt. Für Rottachs Vize-Bürgermeister Josef Lang ist der Fall klar: „Sicher ist es der bequemere Weg, nichts zu machen. Doch mit dem jetzigen Konzept wird endlich Ruhe reingebracht.“

In kleinen Gruppen wird weiterdiskutiert, vor allem über den öffentlichen Nutzen der Halle. Wirklich Ruhe wird nach dieser Aussprache wohl noch nicht herrschen, denn die Pagenbergs haben schon das Gericht bemüht.

gr

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