Vor 50 Jahren in Deutschland

Emma Salvermoser verunglückte tragisch - Ihr Herz wurde für die erste Herztransplantation gespendet

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Emma Salvermoser

Emma Salvermoser aus Günding verunglückte vor 50 Jahren. Ihr Herz wurde für die erste Herztransplantation in Deutschland gespendet. Die Operation war ein Durchbruch und eine Niederlage zugleich.

Dachau/Günding – Vor 50 Jahren ist Emma Salvermoser aus Günding verunglückt. Sie spendete ihr Herz für die erste Herztransplantation in Deutschland am 13. Februar 1969. Am Tag zuvor war die 39-jährige Gündingerin in ihrem VW Käfer unterwegs, sie wollte ihre älteste Tochter von der Schule abholen und zum sechsten Geburtstag der jüngeren Tochter eine Torte besorgen. Auf der Bundesstraße 471, wenige hundert Meter von ihrem Wohnhaus entfernt, verunglückte sie schwer. Ihr Auto geriet bei Glatteis ins Schleudern und prallte gegen einen Lastwagen. Da ihr die Ärzte im Dachauer Krankenhaus nicht mehr helfen konnten, wurde sie an die Münchner Uni-Klinik in der Nußbaumstraße überwiesen.

Erste Herztransplantation in Deutschland: Es fehlte an geeigneten Spendern

In der Klinik wurde damals schon seit Wochen die Herztransplantation vorbereitet. Der seit Jahren schwer herzleidende Arbeiter Josef Zehner (36) aus Garching hätte nach Einschätzung des Ärzteteams nur noch drei Tage zu leben gehabt. Hunderte von bereitwilligen Empfängern standen auf der Liste, es fehlte aber an geeigneten Spendern. Da wurde die lebensgefährlich verletzte Emma Salvermoser eingeliefert. Die Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen. Professor Zenker sprach morgens um 9 Uhr mit Georg Salvermoser, dem Mann der Verunglückten. laut einem Zeitungsbericht der Dachauer Nachrichten vom 15./16. Februar 1996 berichtete Salvermoser: „Er sagte mir, dass er das Herz meiner Frau braucht, um das Leben eines Mannes zu retten.“ Zwei Jahre zuvor, als Professor Barnard 1967 seine erste Herzverpflanzung durchführte, habe Georg Salvermoser mit seiner Frau schon darüber gesprochen. „Sie meinte, dass sie nach einem Unfall jederzeit ihr Herz spenden würde. Da gab ich meine Einwilligung.“

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Ein 30-köpfiges Ärzteteam mit den Professoren Zenker, Klinner und Privatdozent Sebening schaffte das Wunder der ersten deutschen Herztransplantation in einer Operation von 10 bis 18 Uhr.

Spenderin für erste Herztransplantation in Bayern: Eine weltweite Sensation

Obwohl die Ärzte und die Angehörigen von Spenderin und Empfänger das Verschweigen der Namen der Betroffenen vereinbart hatten, sickerten die Ereignisse und Namen durch. Hunderte von Reportern und Fotografen aus ganz Deutschland stürmten die Wohnungen der Angehörigen von Spenderin und Empfänger. Georg Salvermoser weigerte sich, Fotos von seiner Frau herauszugeben. Schließlich musste die Polizei in Günding das Speditionsgelände räumen. Einige Reporter versuchten ihr Glück woanders, etwa beim Faschingsball im Hörhammersaal. Rudi Gerers Band spielte, als plötzlich etliche Reporter aufgeregt herumfragten, ob jemand ein Foto von Emma Salvermoser habe. Sie sei die Herzspenderin für die erste deutsche Herztransplantation. Es war natürlich die Sensation bundesweit und weltweit.

Die Operation gelang, sie war ein Durchbruch – und eine Niederlage zugleich: Das Herz von Emma Salvermoser schlug nur 27 Stunden in der Brust des 37-jährigen Empfängers. Professor Zenker nannte die Organverpflanzung einen Misserfolg.

Als Emma Salvermoser, geborene Bauer, am 15. Februar 1969 auf dem Dachauer Waldfriedhof beerdigt, erhielten die Trauergäste auf dem Sterbebild ihr Foto.

br

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