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Mountainbiking boomt. Doch wie startet man am besten? Guido Tschugg, einer der bekanntesten deutschen Mountainbiker, verrät seine wertvollen Tipps. Warum Training und die richtige Ausrüstung so wichtig sind und wie E-Bikes sinnvoll eingesetzt werden können.
Chiemgau – Mountainbiking erfreut sich immer größerer Beliebtheit, und das aus gutem Grund: Es bietet eine perfekte Kombination aus Naturerlebnis, sportlicher Herausforderung und purem Fahrspaß. Doch wie beginnt man am besten mit diesem aufregenden Sport? Wir haben mit einem der bekanntesten deutschen Mountainbiker, Guido Tschugg, gesprochen. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung und zahlreichen Erfolgen auf internationaler Bühne ist Tschugg der ideale Ratgeber für Anfänger. Er gibt wertvolle Tipps für den Einstieg, spricht über die Bedeutung von Training und Ausrüstung und erklärt, warum auch E-Bikes eine interessante Option sein können.
Herr Tschugg, Sie sind von klein auf quasi auf zwei Rädern unterwegs sind. In den letzten Jahren ist Mountainbiking sehr trendig geworden. Was würden Sie denen empfehlen, die damit anfangen wollen?
Guido Tschugg: Am besten fängt man auf so einer kleinen Pumptrack-Strecke oder in einem Bikepark an, die mittlerweile überall in den Gemeinden entstehen. Am besten auch Trainings mitmachen. Das ist ja bei jeder Sportart so, egal ob es Fußball oder Skifahren ist, es geht immer ums Training. Beim Mountainbiken ist das oft so, dass man sich ein Liftticket kauft, geht in einen Bikepark und fährt, ohne zu wissen, was er richtig oder falsch macht. Deswegen empfehle ich, ein bisschen Training mitzumachen, gerade mit Kids. Es gibt auch Kindertrainings, damit sie die Basics lernen: wie sie draufstehen, wie sie das Körpergewicht verlagern, wo der Blick hingeht, die Ellbogen, der Druck auf dem Lenker und so weiter.
Nur mit Training ist es aber wahrscheinlich noch nicht getan?
Tschugg: Wenn die Basics dann gegeben sind, sollte man gescheite Schutzausrüstung kaufen. Also wirklich einen gescheiten Helm, nicht irgendeinen günstigen Helm, weil der Kopf das Wichtigste ist. Schutzausrüstung anziehen und auch ein vernünftiges Radl. Da auch nicht unbedingt sparen. Man muss auch ein bisschen auf das Material schauen.
Da unterscheidet sich Mountainbiking nicht von anderen Sportarten, oder?
Tschugg: Im Endeffekt muss man es ein bisschen mit dem Skifahren vergleichen. Wenn man irgendwelche alten Skis vom Sperrmüll nimmt und sich dann da einklickt, dann ist es ja überhaupt nicht eingestellt auf die Größe des Kindes oder auf die Kraft des Knies. Das heißt, die Bindung löst vielleicht gar nicht aus bei einem Sturz. So ist es beim Radl auch. Wenn die Bremsen nicht richtig gehen oder wenn der in die Pedale tritt und die Kette runterspringt, weil das nicht gescheit eingestellt ist, dann kann man auch bei so einem Fall schon über den Lenker gehen. Das sind unnötige Sachen. Und wie gesagt, Training machen. Es gibt Kidscamps, teilweise auch in Bikeparks, alten Skigebieten, die im Sommer für Mountainbike genutzt werden. Da gibt es eigentlich überall Lehrer, die man buchen kann. Das kostet ein bisschen was, aber das macht Sinn für das erste Mal.
Thema E-Bike: Gibt es ja, glaube ich, im Bereich Mountainbikes auch. Ist das für den Anfang vielleicht sogar kontraproduktiv, wenn man sich vielleicht ein bisschen überschätzt?
Tschugg: Mittlerweile weiß man, dass das Mehrgewicht sogar gut ist für das Bergabfahren oder auf dem Trail, weil es mit dem Schwerpunkt, der viel weiter unten liegt, viel stabiler ist und mehr Traktion hat. Im Downhill-Weltcup zum Beispiel, wo sie ohne Motor fahren, haben sie letztes Jahr teilweise Bleiplatten unten ans Radl gemacht, damit es mehr Gewicht hat und satter auf dem Trail liegt. Daran sieht man, dass das Mehrgewicht nicht unbedingt ein Nachteil ist, wie man immer denkt.
Aber es gibt Nachteile?
Tschugg: Ich sehe es zum Beispiel bei meinen Kindern. Die haben normale Räder und E-Bikes, aber sie fahren mit dem normalen Radl so gut wie nicht und mit dem E-Bike dafür umso mehr. Ein Beispiel: Meine Tochter ist sechs Jahre alt geworden. Ich habe ihr ein E-Bike zum Geburtstag geschenkt. Das war das Highlight an dem Geburtstag. Sie sind den ganzen Nachmittag gefahren. Mit einem normalen Radl wären sie eine Stunde gefahren und hätten dann etwas anderes gemacht.
Ein E-Bike ist also gut für den Einstieg?
Tschugg: Es war ein E-Bike, logisch, man denkt, da muss man nichts machen, aber trotzdem: Koordination, Gleichgewicht halten, man wird nicht durchfahren. Es macht Spaß, weil es immer ein bisschen schiebt. Dementsprechend sage ich, dass ich nicht dagegen bin, wenn ein Kind ein E-Bike bekommt. Klar, es kostet mehr, aber es ist mehr einsetzbar. Sie können in der Schule damit fahren und, wie gesagt, wenn man lernt, wie man damit umgeht, haben Kinder das sowieso viel besser im Griff als zum Beispiel ein Rentner.
E-Bikes geben damit dem breiten Publikum die Möglichkeit, sich wirklich in die Berge zu begeben, wo man mit der eigenen Kondition vielleicht gar nicht hinkönnte. Werden das zu viele Radfahrer auf dem Berg?
Tschugg: Man hört man immer wieder, dass das natürlich passiert, dass irgendwelche Unerfahrenen, irgendwo einen Berg hochfahren und dann einen Trail runterschieben. Aber ich sage mal, wenn einer ein E-Bike 500 oder 600 Höhenmeter irgendwo einen Trail runtergeschoben hat, der macht das nie wieder. Der weiß dann, okay, das war jetzt nichts. Die wird man immer wieder sehen. Das ist wie vor 20 Jahren der Konflikt zwischen Wanderern und Mountainbikern. Das hat sich aber ein bisschen regeneriert, weil die Mountainbiker mittlerweile ihre eigenen Trails haben, die Wanderer ihre eigenen Trails. Wenn man das ein bisschen koordiniert oder steuert, sozusagen auf wirkliche Wege, Bikeparks und Biketrails baut, dann ist das ein gesteuert. Und so ist es mit dem E-Bike, das ergibt sich.
