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Veronika Ahn-Tauchnitzschließen
Auch wenn längst nicht alle Fragen geklärt sind – beim RVO laufen die Vorbereitungen für das Deutschlandticket. Auch im Landratsamt wird versucht, Voraussetzungen zu schaffen. Am Montag gibt es eine Sondersitzung.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit einem einzigen Ticket für 49 Euro im Monat den gesamten Nahverkehr nutzen – in ganz Deutschland: Hört sich super an, und das ist es für den Nutzer auch. „Wir finden das Ticket gut. Es erleichtert den Zugang zum ÖPNV enorm, weil man einfach fahren kann“, sagt Matthias Schmid, am Tölzer Landratsamt zuständig für das Thema Verkehr. „Wir unterstützen das. Allerdings hätte das Ticket hinsichtlich der Umsetzungsfragen vielleicht noch etwas mehr Zeit gebraucht.“
Tatsächlich macht Schmid seit Tagen nichts anderes, als die Einführung vorzubereiten. „Der Verwaltungsaufwand ist immens. Aber auch MVV und Verkehrsministerium machen nur noch Deutschlandticket“, sagt Schmid. „Gott sei Dank haben wir den MVV-Beitritt noch vorher erledigt.“ Die Thematik ist komplex. Zwar hat der Bund die Einführung des Tickets beschlossen, er kann es aber nicht einfach deutschlandweit einführen, weil die Länder für den ÖPNV zuständig sind. In Bayern kümmert sich der Freistaat um den Schienenpersonennahverkehr, für den Rest – sprich: die Busse – sind die Landkreise zuständig. Damit das alles rechtssicher ist und auch vor den strengen Augen der EU besteht, muss der Landkreis nun eine Allgemeine Vorschrift erlassen. Letztlich gehe es darum, zu sagen, „dass ab 1. Mai im Landkreis das Deutschlandticket gilt“, sagt Schmid.
Landkreis dürfen keine Kosten entstehen
Für die Verkehrsunternehmen, die hier tätig sind, geht es aber auch um die Frage, wer ihr Defizit ausgleicht. Denn vermutlich sind in den meisten Fällen die auf den langfristig vergebenen Buslinien gültigen Tickettarife teurer als das neue Deutschlandticket. „Eigentlich müsste der Landkreis mit Abschluss der allgemeinen Vorschrift das Defizit bei den Bussen bezahlen“, sagt Schmid. „Aber Bund und Länder haben beim Deutschlandticket zugesichert, dass sie das vollständig finanzieren.“
Hört sich perfekt an, ist es aber nicht. Denn die Zusage gilt nur bis zum Jahresende. Was danach kommt, wer danach bezahlt und was das Ticket danach kostet: All das sei offen. Daher wird der Beschluss, den Kreisausschuss und Kreistag an diesem Montag in einer gemeinsamen Sitzung fassen sollen, eine Einschränkung beinhalten: Die Allgemeine Vorschrift wird erlassen unter dem Vorbehalt, dass dem Landkreis durch das Deutschlandticket keine Kosten entstehen. Und „keine“ bedeutet in diesem Fall auch tatsächlich gar keine.
Wie Landkreis an Landes- und Bundesmittel kommt, ist noch unklar
Wie der Landkreis übrigens an die Landes- und Bundesmittel kommt, ist noch offen. „Die Finanzierungsrichtlinien kommen erst im Laufe des Jahres“, sagt Schmid. „Uns ist aber zugesichert worden, dass es die erste Abschlagszahlung bereits Mitte April geben wird.“ Auch für die Verkehrsbetriebe ist die Einführung des Deutschlandtickets eine Herausforderung. „Natürlich knirscht es gerade gewaltig“, sagt Ralf Kreutzer, Niederlassungsleiter beim RVO, auf die Frage, wie weit die Vorbereitungen bereits gediehen sind. „Derzeit“, sagt Kreutzer, „gibt es mehr Fragen als Antworten.“ Momentan gebe es jeden zweiten Tag Besprechungen, bei denen neue Details auftauchen. Unstrittig sei aber, „dass das für die Leute eine tolle Geschichte ist“. Gerade Pendler, die täglich den Nahverkehr nutzen, könnten durch das neue Ticket massiv Geld sparen.
Im Vergleich zum 9-Euro-Ticket, das es im Sommer 2022 gab, werde sich für die Fahrgäste einiges ändern, erklärt Kreutzer. Damals konnte man sich den Fahrschein einfach am Ticketautomaten ziehen, der galt für einen Monat und das war es dann auch schon. Das Deutschland-Ticket indes wird nur digital erhältlich sein – und das auch nur im Abo. Will heißen: Man muss sich eine App herunterladen, die den Erwerb anbietet und, wenn man es nicht dauerhaft nutzen will, darauf achten, das Abo schnell genug zu kündigen. Sonst ist der Monat rum und die nächsten 49 Euro werden abgebucht. Beim Busfahrer könne man das Ticket nicht kaufen, so Kreutzer.
RVO-Leiter erwartet Schub für ÖPNV-Ausbau
Neben der bundesweiten Deutschland-Ticket-App, die bereits heruntergeladen werden kann, wird auch der RVO seine App entsprechend anpassen. Ab Anfang April werde man darin das Deutschland-Ticket-Abo abschließen können, so Kreutzer. Danach kann man dann deutschlandweit einfach in den Bus, die Tram, die S- oder U-Bahn oder den Schienennahverkehr einsteigen, seinen QR-Code und den Ausweis vorzeigen (Name und Postleitzahl müssen beim Abschluss angegeben werden) und kann fahren.
Trotz allen Aufwands ist Kreutzer optimistisch: „Wir sind startklar.“ Er verspricht sich vom neuen Deutschland-Ticket eine „Katalysatorwirkung“ für den ÖPNV-Ausbau. „Da werden Begehrlichkeiten entstehen“, ist er sich sicher. Wer bislang mit dem Auto zur Arbeit pendelt und künftig auf das günstige Ticket umsteigt, der erwarte auch, dass er bis ans Ziel kommt. Sprich: Wünsche nach weiteren Linien oder einem dichteren Takt dürften laut werden. Und hier müsste dann doch wieder der Landkreis investieren – für einen besseren ÖPNV.
Sitzung
Die gemeinsame Sitzung von Kreisausschuss und Kreistag an diesem Montag, 27. März, beginnt um 15 Uhr im großen Sitzungssaal des Landratsamts. Der Kreisausschuss alleine tagt bereits ab 14 Uhr. Auf der Tagesordnung steht der Controllingbericht.
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