- VonWolfgang Schörnerschließen
94 junge Frauen und Männer haben am Freitagnachmittag in Penzberg ihre Abiturzeugnisse erhalten. Zwei Mal war sogar eine glatte Eins dabei. 14 Gymnasiasten schafften einen Notenschnitt von 1,0 bis 1,5. Der Gesamtdurchschnitt des Abiturjahrgangs lag bei 2,18.
Penzberg – Für das Penzberger Gymnasium war es eine Premiere: Erstmals zogen Schüler, Lehrer und Eltern in das Roche-Casinogebäude, um die Abi-Zeugnisse zu verleihen. Die Stadthalle wäre zu klein und in der Turnhalle die Leihgebühr für die Stühle zu hoch gewesen, hieß es. Bei Roche kam die Schule nun kostenlos unter.
Kleiner Seitenhieb wegen Erweiterungsbau: „Hat uns sehr getroffen“
Apropos Platzproblem: Einen Seitenhieb verteilte Schulleiter Matthias Langensteiner am Anfang in Richtung Landkreis. Dass der Erweiterungsbau auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, „hat uns sehr getroffen“. Er habe aber die Hoffnung, sagte der Direktor zu den Abiturienten, „dass er zumindest steht, wenn eure Kinder eingeschult sind“. Wobei seine Kritik nicht persönlich auf den stellvertretenden Landrat Wolfgang Taffertshofer (BfL) zielte, der den Landkreis bei der Feier vertrat. Er sei ein großer Unterstützer, sagte Langensteiner. Was dieser schmunzelnd aufnahm. Es sei ihm sehr sympathisch, antwortete Taffertshofer, dass Penzberg eine Stadt mit Menschen sei, die „mit klaren Worten und hohem Engagement für ihre Interessen eintreten“. Er werde das Anliegen in die Gremien tragen. „Wir wissen, dass Handlungsbedarf besteht, aber es ist nicht so einfach.“
„Wir müssen eine Autobahn draus machen“
Ansonsten standen bei der Feier natürlich die Abiturienten im Mittelpunkt. Eine Rede voller Anekdoten und mit viel Witz hielten die Abiturienten Nepomuk Einberger und Jan Röntgen. Sie ließen acht Schuljahre Revue passieren, was in einem Lehrer-Zitat gipfelte: „Das Gehirn ist die Wiese, der Lehrer trampelt den Weg und wir müssen eine Autobahn draus machen.“
Viele Worte, gar kein Sinn? Künstliche Intelligenz für die Abi-Rede
Schulleiter Langensteiner erzählte er habe in der Abi-Zeitung gelesen, dass er bei der Lehrerbewertung „Viele Worte, gar keinen Sinn“ auf den zweiten Platz gewählt worden sei. Deshalb habe er sich für seine Rede bei ChatGPT Hilfe geholt, um einen Teil der Schuld abwälzen zu können. Die Aufgabe: eine Rede zum Abitur über die Bedeutung künstlicher Intelligenz für die Zukunft. Allerdings strotzte das Ergebnis, aus dem Langensteiner kurz zitierte, von Floskeln. Interessant sei aber, sagte Langensteiner, dass ChatGPT die Kontrolle der künstlichen Intelligenz in den Mittelpunkt gestellt habe. Auch in der Schule, sagte er, stehe Kontrolle im Mittelpunkt, durch Lehrer und Eltern. Verlasse man die Schule, können einem ein Gefühl von Kontrollverlust und Ohnmacht beschleichen. Die Welt verändere sich rasant, künstliche Intelligenz werde dabei eine Hauptrolle spielen, so Langensteiner. Zugleich nahm er davor aber die Angst. KI mache den Menschen nicht überflüssig, es würden neue Jobprofile entstehen, und den zwischenmenschlichen Kontakt könne KI nicht ersetzen, sagte er. Die Abiturienten sieht Langensteiner gut gerüstet. Sie hätten sich zu mündigen Bürgern entwickelt, soziale Kompetenz und Empathie bewiesen und auch gelernt, Spaß zu haben. Er bescheinigte ihnen, ein „ausgezeichneter Jahrgang“ zu sein. „Man konnte sich auf euer Wort verlassen.“
„Lebenslanges Lernen ist keine Phrase
Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) sagte, „lebenslanges Lernen“ sei keine Phrase, sondern die Aufgabe, sich stets neu zu erfinden, beweglich zu bleiben und Neuem gegenüber offen zu sein. Vize-Landrat Taffertshofer empfahl den Abiturienten, sich die Freude und Begeisterung für künftige Aufgaben zu erhalten. Und Elternbeirat Harry Dobrzanski rief dazu auf, an Gemeinschaft und Demokratie teilzuhaben. „Die Welt wartet auf Sie, nicht als Konsument, sondern als Gemeinschaftswesen.“
Nach der Zeugnisvergabe gab es Sekt. Das Landratsamt, berichtete Langensteiner, habe gesagt, dass die Eltern ihn diesmal selbst zahlen sollen. Der Förderverein sprang ein. Er spendierte den Abi-Sekt.