Weil‘s Spaß macht

„Hab‘ tatsächlich Freude dran“: Bürgermeister will im Amt bleiben

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Bei der Passionspremiere: Andreas Rödl (2.v.r.) und seine Frau Lena mit Ministerpräsident Markus Söder und Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Im Hintergrund der heutige Bundesinnenminister Alexander Dobrindt.
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Er ist aus der Deckung gekommen. Andreas Rödl (CSU) wird sich um eine weitere Amtszeit als Bürgermeister von Oberammergau bewerben.

9,6 Prozent haben den Unterschied gemacht. Katapultierten 2020 Andreas Rödl (CSU) auf den Stuhl des Bürgermeisters von Oberammergau. Der CSU-Kandidat triumphierte bei den Kommunalwahlen gegen seinen Konkurrenten Ludwig Utschneider (PWG). „So richtig fassen kann ich es noch gar nicht“, sagte der Sieger damals bei der Verkündung des Ergebnisses voller Begeisterung für seine neue Aufgabe. Dass er sie übernehmen durfte, bereute er bis heute an keinem Tag. Weil er in seiner Arbeit aufgeht. „Mir macht’s Spaß“, betont der Rathauschef, „ich hab’ tatsächlich Freude dran.“ Trotz großer Herausforderungen, trotz manchmal zäher Diskussionen, trotz Phasen, in denen er jeden Abend unterwegs ist. Rödl möchte dennoch im Sattel bleiben und stellt sich für eine weitere Amtszeit zur Verfügung.

Seinen Entschluss fasste er vor einigen Wochen. Nachdem er sich mit seiner Familie abgestimmt hatte. Allen voran mit Ehefrau Lena. Die beiden erwarten gerade ihr zweites Kind. „Ich bin nicht alleine entscheidungsbevollmächtigt“, sagt der frühere Polizeihauptmeister mit Augenzwinkern. Damit bezieht er sich aber auch auf die CSU, seine zweite Familie. Der Ortsverband, dem Rödl seit diesem Jahr vorsteht, kürt am Freitagabend (16.5.) offiziell den Bürgermeisterkandidaten für die nächsten Kommunalwahlen.

Ein Netzwerker

Sein Start damals hatte es jedenfalls in sich. Die Corona-Pandemie veränderte die Welt, auch die in Oberammergau. Die Passionsspiele mussten um zwei Jahre verschoben werden. 2022 fuhr sie ein Rekord-Ergebnis ein. Die Gemeinde trug ihren Teil dazu bei. „Wir haben sie von politischer Seite gut mit vorbereitet“, bilanziert der Bürgermeister. „Das war eine der größten Erfolge, die wir verbuchen konnten.“ Schon jetzt laufen die Vorbereitungen für das nächste Gelübdespiel. „Wir müssen präsent sein, damit 2030 läuft.“ Hilfreich sind die persönlichen Kontakte, die der Hobby-Sänger und -Angler, über die Jahre knüpfte. Ob zu Vertriebspartnern im touristischen Bereich oder zu hochrangigen Politikern wie Alexander Dobrindt, Ilse Aigner und vielen weiteren auf allen Ebenen.

Inszenatorisch weiß er das Gelübdespiel in guten Händen, trotz der turbulenten Spielleitersuche im vergangenen Jahr, bei der sich die Gemeinde in der Außenwirkung nicht mit Ruhm bekleckerte. Er vertraut auf die Qualität von Christian Stückl und seinem Team. „Da brauchen wir uns keine Gedanken machen“, stellt Rödl klar. „Das ist eine gesetzte Bank.“ Gleiches gilt für den Kultursommer, bei dem sich beide Seiten – Gemeinde und Passionstheater GmbH – erstmalig auf einen Vier-Jahres-Vertrag einigen konnten.

Gegenkandidat noch offen

An seinem Programm hält Rödl fest. Der Flächennutzungsplan wird überarbeitet, der Hochwasserschutz läuft an, der Skatepark ist beschlossene Sache und kommunaler Wohnungsbau befindet sich in Planung. Derzeit bemüht sich die Gemeinde, ein Einheimischenmodell im Bereich Herrnpoint auf die Bahn zu bringen. „Das ist ein so wichtiges Thema, weil es vielen hilft.“

Alles hat Rödl nicht in der Hand. Etwa die Entwicklungen (Energiekrise, fehlendes Personal et cetera), die am Ende doch zur Schließung des Wellenbergs führten. Jetzt steht ein Grundstücksverkauf im Raum, über den die Oberammergauer beim Ratsentscheid abstimmen. „Egal, wie das ausgeht“, unterstreicht der Rathauschef, „wir werden weiter an einer Lösung arbeiten.“

Kontakt zur Vereinen wichtig

Den basisdemokratischen Weg einzuschlagen, passt zu seiner Art, Politik zu machen. Der Rathauschef spricht selten aus der „Ich“-, meist aus der „Wir“-Perspektive und agiert nach Rödl’schem Ansatz: anderen Menschen zuzuhören und dann zu überlegen, was der beste und mehrheitsfähigste Weg wäre. „Ich bin offen für andere Meinungen.“ Seine Aufgabe als Bürgermeister heißt für ihn, präsent zu sein, sich nicht davor zu scheuen, dorthin zu gehen, wo man vielleicht auch mal geschimpft wird. Das gehört zum Berufsbild. Für ihn bedeutend ist, „dass ich das Gefühl vermittle, dass man zu mir kommen kann“. Deshalb sei ihm auch der Kontakt zu den Vereinen „extrem wichtig“.

An einen Wahlkampf verschwendet Rödl, der auch als stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender bei der Ammer Loisach Energie fungiert, noch keinen Gedanken. Ein Gegenkandidat hat sich bislang nicht aus der Deckung gewagt. Frühestens im Herbst würde er einsteigen, wenn die Liste für den Gemeinderat aufgestellt wird. Lieber konzentriert er sich auf die großen Projekte der Gemeinde. Etwa das neue Feuerwehrhaus, das mit einem sieben- bis achtstelligen Betrag im Haushalt niederschlagen wird, die Rialtobrücke und eben das Schwimmbad.

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