Das Einzelhandelssterben in der Ortsmitte von Hallbergmoos geht weiter. Nach 21 Jahren schließt mit der Bücherstube Stotter ein weiteres Traditionsunternehmen.
Hallbergmoos – Wirtschaftlicher Druck, Online-Handel, die Personalsituation und private Gründe haben Geschäftsinhaberin Claudia Stotter letztlich zu diesem Schritt bewogen. Leicht gemacht hat sich die Buchhändlerin diese Entscheidung beileibe nicht. Denn es steckt viel Herzblut in ihrem Laden an der Theresienstraße: „Hier hat man nicht nur eingekauft. Man hat sich getroffen, ist sich mit Herzlichkeit begegnet. Das macht es so traurig und schwierig für mich, nun aufzuhören“, beschreibt Stotter ihre Gefühlslage.
Seit sie im August 1999 ihren Laden eröffnet hat, gab es immer wieder Höhen und Tiefen. Hallbergmoos hatte damals längst nicht so viele Einwohner wie heute, das unternehmerische Risiko sei dementsprechend groß gewesen, erinnert sie sich. Doch die hat sie dank der Sympathien und Treue ihre Kunden immer wieder überwunden. Bis jetzt. Letzten Endes ist die Geschäftsaufgabe nun unausweichlich.
Der Online-Handel setzte auch Stotter zu
Vier Hauptgründe waren ausschlaggebend. Da sind zum einen wirtschaftliche Aspekte: Der Online-Handel setzte auch Stotter zu. Gerade in jungen Familien, weiß die Buchhändlerin, seien oft beide Elternteile berufstätig, haben wenig Zeit zum Shoppen in Läden zu gehen. Und um ihre Geschäftsräume zukunftsfähig zu machen, hätte die Geschäftsführerin viel Geld in die Hand nehmen müssen: Die abgenutzten Böden und die Heizungsanlage hätte sie komplett erneuern müssen. Angesichts solcher Investitionen waren die Chancen, einen übernahmebereiten Nachfolger zu finden, gering.
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Erschwerend hinzu kommt die veränderte Personalsituation: Ihre beste Mitarbeiterin, Antonia Elshuber, steht in Zukunft nicht mehr zur Verfügung: Sie wohnt schon seit 2019 in Deisenhofen, hat den weiten Weg lange auf sich genommen. Doch nun – nach ihrer Ausbildung zur Handelsfachwirtin – will sie sich beruflich verändern.
Private Beweggründe ebenfalls ausschlaggebend
Und dann gibt es noch private Beweggründe: Mit über 50 Jahren will die viel beschäftigte Geschäftsführerin ein bisschen mehr Zeit mit Familie und Enkeln verbringen, sich auch mal einen Urlaub, Hobbys und Freizeitaktivitäten gönnen. Dafür blieb in den zurückliegenden 21 Jahren nur wenig Zeit.
Leicht fällt Claudia Stotter der Abschied von ihren Stammkunden, den Kindern, die vorbeischauten, um sich Stifte, Schulhefte, hübsche Kleinigkeiten oder eine „Geburtstagskiste“ zu holen, den Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln, die zu Taufe oder Geburtstag in der Bücherstube das passende Geschenk fanden, nicht.
Und mit großem Bedauern beobachtet Stotter, dass der Einzelhandel in der Ortsmitte mehr und mehr ausstirbt. Die Chancen, dass sich ihr Wunsch nach Neuansiedelungen („Ein Café als Treffpunkt fehlt“) erfüllt, stehen wohl eher schlecht. Eva Oestereich