Weiterplanen, reduzieren oder erst einmal stoppen? Der geplante Rathaus-Umbau bereitete dem Ferienausschuss mächtig Kopfzerbrechen.
Hallbergmoos – Seit fünf Jahren plant man – und sieht sich mit ständigen steigenden Kosten konfrontiert. In der letzten Sitzung der ausklingenden Amtsperiode verständigte sich das Gremium darauf, trotz Haushaltssperre die Planungen voranzutreiben. Sie beinhalten zusätzliche Maßnahmen für 1,3 Millionen Euro. Damit steigen die Gesamtkosten auf fünf Millionen.
Dementsprechend skeptisch waren die Stimmen im Rat: „Nicht der Ferienausschuss sollte über die Freigabe entscheiden, sondern der neue Gemeinderat“, befand Heinrich Lemer (FW). Angesichts der ausufernden Kosten und der notwendigen Hygienemaßnahmen regte er an, die Rathauserweiterung zunächst auf den Westflügel zu beschränken. „Wir haben bei 1,7 Millionen Euro angefangen. Jetzt sind wir bei 4,7 und später dann, die Preissteigerungen am Bau noch eingerechnet, bei über 5 Millionen.“ Ähnlich äußerte sich Wolfgang Reiland (Einigkeit), der sich an einen Startpreis von 475 000 Euro zu erinnern glaubte: „Das ist ein Zehnfaches der Ausgangskosten und ein Fass ohne Boden“. Reilands Rechnung wies Bürgermeister Harald Reents zurück: „Damals ging es um eine Erweiterung, jetzt um Umbau und Sanierung.“ Lemer bemängelte, dass einige der zusätzlichen Maßnahmen ohne Ratsbeschluss auf der Projektliste stehen. Andreas Niederreiter (Bauamt) erläuterte, dass das einige „Extras“ auf der mängelbehafteten Bausubstanz, andere wiederum – wie Klimatisierung und Medientechnikaufrüstung – auf Zusatzwünschen des Gemeinderats beruhten. Von „Insellösungen“ riet er ab.
Bürgermeister will verhindern, dass die Architekten abspringen
Reents machte deutlich, dass es lediglich darum gehe, die Planer die Ausschreibung vorbereiten zu lassen. Die Architekten könnten, wenn man innerhalb der vereinbarten Zeit nicht vorankomme, abspringen. Drei Monate sei man ohnehin schon im Verzug und vom angepeilten Baustart im Herbst 2020 weit entfernt. Etwa zwei Jahren würden die Arbeiten dauern.
Die notwendigen Mittel, so Reents weiter, würden erst per Nachtragshaushalt im Juni oder Juli durch den neuen Rat freigegeben. Kürzungen seien immer noch möglich. „Ein finanzieller Schaden entsteht nur, wenn wir das Ganze einstampfen.“ Notwendigen Maßnahmen basierten auf Fehlern der Vergangenheit, die man jetzt ausmerzen müsse. Stefan Kronner (SPD) bestätigte dies: Bei der Einweihung vor 18 Jahren sei das Rathaus mit „1000 Mängeln“ behaftet gewesen. „Da liegt der Hund begraben.“ Kronner weiter: „Ich bin froh, dass wir noch nicht mit dem Bau begonnen haben. Das käme einer Operation am offenen Herzen gleich und wäre noch teurer.“
Letztlich lief’s auf einen Kompromiss hinaus: Die Planungen gehen weiter. Die zusätzlichen Kosten (1,3 Mio.) sollen in den Nachtragshaushalt aufgenommen werden. Der Versand der Ausschreibungsunterlagen erfolgt allerdings erst nach Beratungen im neuen Bauausschuss und der Genehmigung des Nachtragshaushalts. Eva Oestereich