Sie mögen‘s wild, aber eben auch gemütlich und gut organisiert: Die Motorrad-Fahrer, die an diesem Wochenende zum großen Harley-Treffen in den Tölzer Moraltpark strömten, loben das perfekte Ambiente der Biker-Schau.
Bad Tölz – Selbst die Polizei zeigte sich angetan von dem schier gigantischen Aufmarsch von insgesamt über 1500 Motorrädern, die am Wochenende in Bad Tölz zum „Harley Rock’n’Race 2018“ zusammengekommen waren. Da konnten sich Polizei-Hauptkommissar Andreas Schendel und Oberkommissar Hans Krey, die am Samstagnachmittag die „Parade“ durch den Isarwinkel anführten, wesentlich unangenehmere Aufgaben vorstellen. Und Letzterer gab zu: „Das ist schon toll, einmal so viele Harleys zu sehen.“
Lesen Sie auch: „Brot und Spiele“ im Tölzer Moraltpark: Eine ganz starke Show
Was den Beamten ebenfalls aufgefallen ist, bestätigten viele der Fans der amerikanischen Kultmarke: „Im Vergleich zu vielen anderen Harley-Treffen geht es in Tölz absolut gesittet zu. Die Organisation ist nahezu perfekt.“ Neben den Harley-Fahrern aus nah und fern strömten aber auch Biker-Fans in Scharen aufs Festgelände am Moraltpark. „Das sind noch einmal ein paar tausend mehr als im Vorjahr“, sagte Veranstalter Peter Frech strahlend. Zusammen mit Steffi Hörmann und ihrem „Jailhouse“-Team hatte er die große Motorrad-Party mit coolen Bikes und jeder Menge Live-Acts in Sachen Rock’n’Roll und Western & Country-Musik auf die Beine gestellt.
Ein wenig verärgert war lediglich Sebastian Göhsl, Mitorganisator und Assistant Director des Harley-Vereins „Isartal Chapter“ wegen der geringen Beteiligung an der großen „Parade“ – der Ausfahrt durch den Isarwinkel nach Lenggries und über Arzbach zurück zum Festgelände: „Seit Februar war ich mit der Organisation beschäftigt, habe mir wegen der notwendigen Genehmigungen die Hacken bei den verschiedenen Behörden wundgelaufen. Und dann fahren gerade einmal gut 120 Maschinen bei der Parade mit, während 900 weitere Poser nur hier auf dem Platz herumstehen.“
Lesen Sie auch: So viel die Bilanz des „Public Viewing“ in der Tölzer Eichmühle bei der WM aus
In Sachen „Harley-Light-Fahrer“ berichtete auch Frech: „Ich weiß von einigen, die haben ihre schweren Maschinen mit dem Hänger nach Tölz gebracht und sind nur die letzten 500 Meter hierhergefahren.“
Obwohl das Tölzer Event für den Innsbrucker Werner Brandl eine Premiere darstellte, hat es ihm hier sehr gut gefallen: „Warum soll ich da bis an den Faaker See zu Europas größtem Harley-Treffen fahren, wenn’s auch kürzer geht?“ Vor allem gefiel ihm, der eine Harley mit Sonderlackierung im „Pfeidl-Design“ fährt, dass sich „so viele coole Typen“ hier eingefunden hatten. Da gab’s jede Menge zu fachsimpeln und Erfahrungen auszutauschen. Etwa mit dem Heppenheimer Michael Richter, der gigantische 280er-Reifen auf sein Bike montiert hat. Er, seit Mitte der 1980er-Jahre ein eingefleischter Harley-Liebhaber, bekannte: „Das ist ein kleines, gemütliches Treffen hier, sauber und geordnet.“ Natürlich hat es ihm dabei auch das Oberland angetan: „Eine Gegend wie ein Traum zum Touren.“
Lesen Sie auch: Darum gibt es in Bad Tölz kein „Summer Village“ mehr
Ebenfalls zum ersten Mal in Tölz dabei waren auch Michaela und Christian Gumbiller aus Töging: „Eigentlich wollten wir uns schon seit langem einmal das „Jailhouse“ anschauen. Dann haben wir das mit dem Treffen mitbekommen und haben uns so gleich zwei Wünsche auf einmal erfüllt.“ Vor allem wegen der Vielfalt des Angebots zeigten sie sich richtig begeistert: „Auch beim Essen ist für jeden Geschmack etwas dabei, sogar für Vegetarier.“ Nach einem Abstecher ins Tegernseer Tal schwärmten sie: „Die Gegend hier ist einfach wunderschön.“ Sie fanden das Tölzer Event etwa im Vergleich zu Kitzbühel „ziemlich groß und vor allem toll organisiert“.
Da sie sich ziemlich kurzentschlossen zu einem Besuch in Bad Tölz entschlossen hatten, hier dann aber viele Bekannte unter den Harley-Fahrern getroffen hatten, bedauerten sie, dass sie sich schon am Abend wieder Richtung Heimat aufmachen mussten. Deshalb versprachen sie: „Wir kommen nächstes Jahr bestimmt wieder. Und dann bleiben wir auch über Nacht.“
Ewald Scheitterer