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Bad Tölz war am Wochenende wieder das Mekka der Harley-Fahrer in Deutschland: 1400 Biker und tausende Schaulustige ließen sich das Spektakel nicht entgehen.
Bad Tölz – Die Tölzer Harley-Davidson-Fans hätten eigentlich allen Grund zur Freude gehabt. Das Wetter hätte am Wochenende kaum besser sein können, 1400 Motorradfahrer und tausende Schaulustige strömten in den Moraltpark, um beim Harley „Rock’n’Race“ dabei zu sein. Erwähnenswerte Zwischenfälle gab es auch keine. Und doch war die Stimmung etwas getrübt. Der Grund: Die Harley-Fahrer durften, wie berichtet, bei ihrer Parade nicht wie geplant über die alte Isarbrücke fahren.
Besonders angefressen war Karlheinz Wedhorn von Isartal-Chapter Bavaria: „Mich ärgert die Sperrung, weil sie ein Schmarrn ist“, sagt der Fotograf, der sich in der Fremde willkommener fühlt als in der Heimatstadt: „In Prag sind wir mit 1200 Maschinen gefahren, da haben sie für uns drei Stunden lang die Altstadt gesperrt.“ „Kein Mensch“ habe sich darüber beschwert, im Gegenteil: „Die Leute haben da mit uns gesprochen und Selfies gemacht.“ In Bad Tölz wäre keine Sperrung von drei Stunden notwendig gewesen – sondern von „höchstens drei Minuten“. Auch die Sicherheitsbedenken sind seiner Meinung nach nur ein vorgeschobenes Argument: „Die Leonhardifahrt ist gefährlicher.“ Wedhorn würde sich mehr Entgegenkommen der Stadt wünschen, „denn sie verdient mit uns ein Heidengeld.“ Allein die Mitglieder des Chapter Fulda hätten beispielsweise 25 Zimmer angemietet.
Die gute Stimmung von Organisatorin Stephanie Hörmann konnte all dies nicht mehr trüben. Speziell am Samstagmittag sei der Moraltpark „randvoll“ mit Gästen gewesen. Nach ihrer Einschätzung sei der Publikums-Zuspruch noch größer gewesen als vor einem Jahr. Auch die Stimmung sei „sehr, sehr gut“ gewesen – beispielsweise bei den Konzerten der vier Bands, die am Samstag spielten. Ein Hingucker war auch die Stuntshow, die im Zwei-Stunden-Rhythmus über die Bühne ging. Ein Stuntman fuhr mal auf dem Vorderrad, mal auf dem Hinterrad, schleuderte nur wenige Zentimeter vor den Füßen der zahlreichen Zuschauer herum und ließ die Reifen qualmen.
Wedhorn möchte dieses Ambiente nicht mehr missen. Erst mit 38 Jahren erwarb er den Motorradführerschein: „Ich verfluche jeden Tag, den ich nicht früher angefangen habe“, sagt der heute 59-Jährige. Er kann sich nicht vorstellen, ein anderes Motorrad als eine Harley Davidson zu fahren, „denn das ist keine Plastik-Maschine, da hat man richtig Blech unter dem Arsch. Deshalb sind die Maschinen auch so brutal schwer.“
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Hinzu komme der Kult-Faktor, der durch Filme wie „Easy-Rider“ befeuert wurde. Nicht zuletzt sei der Zusammenhalt unter den Harley-Fahrern außergewöhnlich: „Man fährt oft alleine zu Hause los, aber man fährt nie alleine rum. Es gibt immer irgendwelche Leute, die man an einer Ampel trifft und mit denen man dann ein Stück mitfährt.“
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„Wir sind eine große Familie“, bestätigt der Lenggrieser Sebastian G., der namentlich nicht genannt werden will. Beim Harley-Fahren gehe es nicht um Raserei, sondern ums entspannte Gleiten und Cruisen. Was ihm zudem gefällt: Bei einem Harley-Treffen müsse man nie befürchten, dass es Schlägereien gibt: „Im Lenggrieser Festzelt gibt’s mehr Randale.“
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