Heimreise wegen Corona

„Wir haben gekämpft, mitgenommen zu werden“: Jähes Ende für Birgitt Binders Marokko-Urlaub

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Da war die Welt noch in Ordnung: Die wie immer farbenfroh gekleidete Birgitt Binder inmitten bunter Blütenpracht in Marokko.

Eigentlich sollte es ein ganz besonderer Urlaub für Birgitt Binder vom Kulturhaus in Dorfen werden. Jedoch verlief schon der Beginn der Reise alles andere als gut.

Dorfen – „Ich war noch nie in meinem Leben so froh, wieder bayerischen Boden unter den Füßen zu haben“, erzählt Birgitt Binder, die Kulturmanagerin des Jakobmayer in Dorfen, über ihre frühzeitige Heimkehr aus Marokko vergangene Woche. Es sollte ein besonderer Urlaub werden. „Ich wollte immer schon mal noch Marokko“, berichtet Binder, „meine Familie hat mir den Urlaub zum runden Geburtstag geschenkt“.

Am 8. März startete Familie Binder Richtung Nordafrika, die erste Station war Marrakesch. „Das Corona-Virus war schon Thema, aber nicht so, dass wir überlegt hätten, die Reise zu stornieren“, erinnert sich die 60-Jährige. Morgens und abends gab es Wlan im Hotel. „Da haben wir uns die Nachrichten angehört. Als wir in Riad ankamen, merkten wir schon, dass etwas anders ist, einiges wurde abgesagt, und auf dem großen Platz war recht wenig los.“

Zugespitzt habe sich die Lage ab Donnerstag, 12. März. „Plötzlich war in den Nachrichten die Rede von verschiedenen Einreise-Stopps und Grenzschließungen.“ Mittlerweile waren Binder, ihr Mann und die beiden erwachsenen Töchter in Esaouira, einer Hafenstadt am Atlantik, angekommen. Dort trafen sie auf eine Gruppe aufgeregter junger Mädchen aus Deutschland, eine davon war schwanger. „Die waren noch am Vortag eingereist“, erzählt die Dorfenerin und fragt sich: „Wie kann das sein?“ Für Binders war klar: „Wir müssen hier so schnell wie möglich weg. Urlaub war das eh keiner mehr.“

Sorge rund um 

Auch von zuhause waren bereits besorgte Nachrichten eingetroffen. Was Binder besonders freut: „Auch Gäste vom Jakobmayer haben auf Facebook besorgt nachgefragt.“ Also machten sie sich am Samstag, 14. März, ganz in der Früh auf den Weg nach Marrakesch. Ein Unterfangen, von dem Touristen eigentlich abgeraten wird. „Wir mussten durch die Wüste, und da in Marokko erst um 8 Uhr die Sonne aufgeht, war es noch ganz dunkel. Wir haben abgewägt und uns dafür entschieden.“ Am Flughafen herrschte Chaos. „Alle wollten raus.“

Für Familie Binder sah es anfangs auch nicht gut aus. „Wir standen auf einer Warteliste, und beinahe hätten wir einen sehr teuren Flug mit der Lufthansa gebucht.“ Binder moniert, dass sie von der Fluggesellschaft, mit der sie die Reise gebucht hatten, zu keiner Zeit über die Lage, die Heimreisemöglichkeiten oder zumindest Alternativen informiert worden seien. Binders ältere Tochter spricht sehr gut Französisch. „Das war unser Glück. In solchen Situationen musst du dich einfach bemerkbar machen können. Wir haben zum Schluss wirklich gekämpft, mitgenommen zu werden.“

Es machte ein weiterer Schalter auf. Dort trafen sie auf eine junge Deutsche, die kein Geld mehr hatte, um einen Rückflug zu buchen. Eine verzweifelte Mutter sprach am Telefon mit Birgitt Binder. „Natürlich hätte ich ihr Geld geliehen, aber sie wurde von der Air France, wo wir schließlich einen Platz ergatterten, nicht mehr mitgenommen.“ Letztlich konnten die Eltern von zuhause aus einen Flug über Istanbul buchen, weiß Binder.

Wieder zuhause in Dorfen sei der Familie vor allem eines klar geworden: „Wir haben zumindest eine kleine Ahnung davon bekommen, wie es den Flüchtlingen auf ihren Reisen gehen muss. Wir haben uns schon auf einem Boot irgendwo auf dem Meer gesehen. Und wir hatten ja, im Gegensatz zu den Flüchtlingen, zu jeder Zeit ein festes Ziel: unser Zuhause.“ 

Alexandra Anderka

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