- VonAndrea Gräpelschließen
Die 35 Jahre alte Wasserwacht-Hütte in Herrsching ist nicht nur altersschwach, sondern mittlerweile auch viel zu klein.
Herrsching – Da stehen die beiden und schauen sich in „ihrer“ Hütte um. Friedrich „Fips“ Huber und Christian Schiller. Der eine Träger der Goldenen Bürgermedaille in Herrsching, der andere Bürgermeister der Ammerseegemeinde. Als die Wasserwacht-Station vor nun schon mehr als 35 Jahren im Seespitz aufgebaut wurde, waren beide maßgeblich daran beteiligt. Fiona Kemp, aktuell Vorsitzende der Ortsgruppe, hatte dafür in der jüngsten Mitgliederversammlung besondere Erwähnung gefunden. Auch deshalb, weil die Hütte nicht nur altersschwach, sondern vor allem viel zu klein geworden ist. Und nachdem der Steg wieder neu aufgebaut ist (wir berichteten), ist das nächste große Ziel, Spenden für eine neue Wachstation zu generieren.
Aktuell befindet sich die Station im Winterschlaf, jedenfalls was den Wachdienst angeht. Für Notfälle auf oder im See stehen die Wasserretter aber natürlich 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr in Rufbereitschaft, auch mit ihrer Schnelleinsatzgruppe (SEG).
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Das „Geschäft“ als ehrenamtlicher Retter kennt kaum jemand so gut wie Fips Huber. Seit mehr als 50 Jahren ist er Mitglied der Ortsgruppe, seit 63 Jahren Mitglied der BRK Bereitschaft. Der 81-Jährige war Bootsführerausbilder und Rettungstaucher. Christian Schiller hat es noch deutlich im Ohr, wie sich Huber beim Wachdienst am Telefon meldete: „Wasserwacht Herrsching, Fips, Grüß Gott.“ Die Betonung lag auf Fips, erzählt Schiller und lacht. Der Bürgermeister selbst hat selbst lange Erfahrung mit dem Wachdienst. Zehn Jahre war er Ortsgruppenleiter. Seit seinem 16. Lebensjahr ist auch er schon Mitglied. Eigentlich ist der 51-Jährige sogar noch länger dabei. „Damals gab es aber eine Altersgrenze“, sagt er. Gemeinsam haben Huber und Schiller auf jeden Fall jede Menge Wasserwacht-Erfahrung – erst am Gemeindesteg, dann am Seespitz.
„Jedes Winkeleisen, jede Latte ist selbst gemacht“, sagt Huber und deutet dann auf den Bogen in der Hütte. „Den haben wir haben per Hand geschnitzt und geschliffen.“ Schiller, der gelernter Elektriker mit Meisterbrief ist, hatte sich damals mit um die Elektrik gekümmert. Bevor sie diese Arbeiten aber machen konnten, musste die Hütte aufgebaut werden. Auch daran waren beide tatkräftig beteiligt. Denn sie waren dabei, als die heutige Wachstation, die damals im Ausstellungspark am Bavariaring in München stand, Brett für Brett ab- und in Mühlfeld ebenso wieder aufgebaut wurde. Jede Latte mit einer Nummer versehen.
Der damalige Ortsgruppenleiter Alfred Müller hatte als stellvertretender Leiter des Hauptzollamtes in München in Erfahrung gebracht, dass die Hütte günstig zu haben war. In einer Zeit, in der vieles per Handschlag erledigt wurde, gab es noch keine umständlichen Genehmigungsverfahren. Und die Breitbrunner Firma Kaindl sprang helfend zur Seite und goss am neuen Standort ein Fundament. Die tatkräftigen Wasserwachtler – „Fips“, Schiller, Müller, Georg Saur und Günther Ratzek – konnten sofort loslegen. Unzählige Stunden kamen dafür an den Wochenenden und nach Feierabend zusammen. 1986 konnte die neue Station eingeweiht werden, knapp 40 Jahre nach der Gründung der Ortsgruppe, die damals aus der BRK Bereitschaft Herrsching erwachsen war. Diese gibt es schon seit 1932.
Der Tisch, der noch heute in der Hütte steht, ist ein Möbelstück der ersten Stunde. „Da hat schon der Schuricke dran gesessen“, scherzt „Fips“. Denn der Tisch stammt aus dem alten Hotel Steigenberger, heute Ammersee-Hotel. Also aus einer Zeit, in der Sänger Rudi Schuricke („Capri Fischer“) in Herrsching lebte. Damals hatte die Wasserwacht aber wesentlich weniger Mitglieder. „Zehn bis zwölf vielleicht“, schätzt Schiller. Und ausgestattet waren sie mit einer Funktechnik, die nur wenige Meter weit reichte.
Beides ist gewachsen – die Mitgliederzahl und die technische Ausstattung. Wenn sich die Jugend zum Training bei schlechtem Wetter rund um den kleinen Tisch versammelt, sei es eine Kunst, 21 Kinder bei Laune zu halten, sagt Fiona Kemp. Der Umkleideraum ist nur wenige Quadratmeter groß. „Wenn sich die Mädchen umziehen, müssen die Jungs raus – und umgekehrt“, erzählt die Vorsitzende und lacht. Neuer ist lediglich der Sanitärbereich. Den haben die Wasserwachtler in Eigenregie vor einigen Jahren repariert. Was nicht bedeutet, dass er geräumig ist. „Wir brauchen dringend eine neue Hütte“, sagt Fiona Kemp.
Der Grundstock für eine neue Wachstation ist schon gelegt, denn die Ortsgruppe Herrsching hat geerbt. Aber nicht genug, um mit der Planung anzufangen. Die nächsten Spenden werden deshalb für den Neubau einer Wachstation gesammelt. Wer helfen möchte, kann dies schon heute über das Spendenkonto bei der Kreissparkasse Starnberg, IBAN: DE87 7025 0150 0430 0331 42, Verwendungszweck: 33030 Spende WW OG Herrsching.