Boom vorbei: Bekannter bayerischer Wohnmobil-Hersteller kappt Produktion – Aktie im freien Fall
VonKlaus-Maria Mehr
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Knaus Tabbert zählt zu den führenden Herstellern von Wohnmobilen in Europa und erlebte mit der Pandemie einen regelrechten Boom. Doch nun stehen die Werke still.
Jandelsbrunn – Nichts geht mehr ab Montag, 18. November, im Stammwerk im niederbayerischen Jandelsbrunn von Knaus Tabbert. Der bekannte Hersteller von Wohnmobilen, Caravan und Camper-Vans hat die Produktion eingestellt – mindestens bis Jahresende. Die Nachricht kam dann doch überraschend. Denn seit 2019 hätte es nicht besser laufen können. Der Hersteller verzeichnete einen Umsatzrekord nach dem anderen. Die Marken Knaus und Tabbert sollten inzwischen nicht nur Campingplatz-Liebhabern ein Begriff sein.
Vor und während Corona erlebte Knaus Tabbert einen regelrechten Boom
Spätestens durch die Pandemie erlebte die Wohnmobil-Branche einen nie dagewesenen Boom. Auch Knaus Tabbert profitierte davon. Die Absatzzahlen schossen in die Höhe. Die Wartezeit bei einem Neukauf betrug zwei Jahre für Kunden. Knaus Tabbert wagte daraufhin im Herbst 2020 den Börsengang und baute seine Produktion aus.
Im Herbst 2024 sind die Lager plötzlich überfüllt – Rabbataktionen locken
Doch im Herbst 2024 zeigt sich ein ganz anderes Bild: Die Lager quellen über. Und bei Wohnmobilen bedeutet das ein gigantischer Aufwand an Lagerkapazitäten. Die Dinger sind ja bekanntlich nicht klein. Nicht nur den Werken, auch den Händlern gehen die Stellplätze aus. Mit der Rabattaktion „Champion Deals“ bis 15.12. verspricht Knaus bis zu 8000 Euro Preisnachlass beim Kauf eines Neuwagens. Bei Tabbert locken Nachlässe von bis zu 3000 Euro.
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Händler haben Schwierigkeiten „ihre Lagerbestände zu finanzieren“
Das Unternehmen schreibt selbst in einer Mitteilung: „Das dritte Quartal von Knaus Tabbert war geprägt von Initiativen zur Unterstützung der Handelspartner, von denen einige angesichts gestiegener Zinslast vor der Herausforderung standen, ihre Lagerbestände zu finanzieren.“
Vor dem kompletten Produktionsstopp ab Montag verdichteten sich die Anzeichen, dass es nicht mehr rund läuft. Bereits im August verlängerte das Unternehmen die Werksferien von drei auf fünf Wochen, wie faz.net berichtet. Im Oktober nahm der langjährige CEO Wolfgang Speck dann seinen Hut. Der wichtige Posten des Vorstands für Finanzen ist schon seit Februar unbesetzt.
Und nun also Kurzarbeit. „Der Vorstand der Knaus Tabbert AG hat heute entschieden, die Produktion an den Standorten in Jandelsbrunn und Nagyoroszi, Ungarn, ab 18. November 2024 bis zum Ende des Jahres einzustellen“, teilt das Unterhemen dazu mit. Die Aktionäre reagieren spätestens seitdem panisch. Im Juni 2024 war eine Knaus Tabbert-Aktie noch über 60 Euro wert. Am Donnerstag erreichte sie einen Tiefststand von 12,90 Euro.
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Betriebsrat in Niederbayern zuversichtlich – Nachfrage nach Wohnmobilen ungebrochen
Dennoch versprüht der Betriebsratsvorsitzende des niederbayerischen Werks, Anton Autengruber, Zuversicht. Er sei überzeugt, dass es 2025 wieder aufwärtsgehen werde, sagt er dem Bayerischen Rundfunk. Gleichzeitig verrät er dem Sender, dass die meisten Mitarbeiter schon seit September in Kurzarbeit sind. Verlängerte Ferien bis August, Kurzarbeit seit September – viel produziert wurde wohl demnach schon seit Juli nicht mehr bei Knaus Tabbert. Trotzdem quellen die Lager über. Bei der Konkurrenz haben diese Probleme offenbar noch nicht. Auch die Nachfrage nach mobilen Wohngelegenheiten bleibt ungebrochen. Nur verlagert sie sich laut FAZ mehr in Richtung wachsendem Gebrauchtwagenmarkt und billigere Van-Lösungen.
Ein Lichtblick aus bayerischer Sicht bleibt: Das oberfränkische Werk nahe Bamberg ist von der Kurzarbeit bisher nicht betroffen. Ferner hat Knaus Tabbert offenbar nicht nur in den Ausbau der Produktion investiert, sondern produziert inzwischen auch deutlich günstiger.