VonFlorian Prommerschließen
Die Energie schlummert tief unter der Alten Au. Nun ist die sündhaft teure Pumpe hinunter gelassen worden, um das Thermalwasser an die Oberfläche zu befördern. Das Herzstück der Geothermie ist bereit zum Pumpen.
Holzkirchen – Mit einem 08/15-Kran wäre man nicht weit gekommen. Für diesen Job hat es einen echten Kraftprotz gebraucht. Und so einer rückte an. Modell: Liebherr LTM 1500. Traglast: bis zu 500 Tonnen. Der Arnold Schwarzenegger unter den mobilen Kränen. Sein Auftrag: Das Herzstück der Holzkirchner Geothermie in eines der Bohrlöcher in der Alten Au versenken. Zunächst die Tauchkreiselpumpe, dann Stückweise das verschraubbare Stahlrohr, durch das das Thermalwasser künftig aufsteigt.
Und so hängt die Pumpe, dem Kraftprotz sei dank, nun also in 550 Meter Tiefe. Bereit, das 155 Grad heiße Wasser an die Oberfläche zu befördern. Dort oben erhitzt es ein Spezialgas, dessen Dampf die Turbine und somit den eigentlichen Goldesel der Anlage antreibt. Durch die Verstromung der Energie im Kraftwerk rechnet die Gemeinde mit sechs Millionen Euro jährlich – verspricht jedenfalls der italienische Turbinenhersteller.
Zunächst soll die Energie aus der Tiefe jedoch die Holzkirchner wärmen. Also diejenigen, die am gemeindlichen Fernwärmenetz angeschlossen sind. Mitte Dezember will man die erste Geothermie-Wärme einspeisen, bekräftigt Albert Götz, Chef der Gemeindewerke und der Geothermie GmbH: „Das ist anvisiert.“ Auf einen genauen Termin will er sich allerdings nicht festnageln lassen.
Robert Wiechmann sitzt im Aufsichtsrat der Gemeindewerke. Das Einsetzten der Pumpe hat er sich freilich nicht entgehen lassen. „Beeindruckend“, schwärmt er. Jener Dezembertag, an dem tatsächlich erstmals Thermalwasser aus der Alten Au sprudelt, dürfte für den Dritten Bürgermeister einem kleinen vorträglichen Weihnachtsgeschenk gleichkommen.
Der Weg dorthin war lang und holprig. Jahre des Bibberns, Planens und Diskutierens liegen dann hinter der Marktgemeinde, die rund 20 Millionen Euro in das Projekt pumpt, und hinter dem Marktgemeinderat, der diese Gelder freigegeben hat. In Euphorie bricht Wiechmann dennoch (noch) nicht aus. „Ich bleibe beschieden, bis das Ding läuft“, sagt er, räumt aber auch ein: „Wir sind am Ende des Tunnels angekommen.“
Derzeit sieht es laut Gemeindewerke-Chef Götz nicht so aus, dass der baldigen Inbetriebnahme noch etwas im Wege steht. Die technischen Anlagen werden demnächst abgenommen. „Das passiert aber noch im Kaltzustand“, erklärt Götz. Erst dann wird die Pumpe angeschmissen. Ab dann läuft sie, rund um die Uhr, so ziemlich das ganze Jahr. Zwangsläufig führe das dazu, sagt Götz, dass einzelne Teile des eine Million Euro teuren, soeben eingesetzten Konstrukts ausgetauscht werden müssen. Verschleiß. Je nach dem ob Pumpe, Rohrstücke oder Frequenzregulierer betroffen sind, werden bis zu „ein paar Hunderttausend“ fällig.
Dass das Geothermie-Projekt Geld kostet, viel Geld, war allen klar. Nur verspricht sich eben auch satte Rendite – und saubere Energie. Und selbst wenn noch der ein oder andere technischen Stolperstein zu überwinden sein sollte, sieht Wiechmann die Entscheidung pro Geothermie daher als die absolut richtige an. „Sie wird wesentlichen positiven Anteil an der Klimabilanz des Landkreises haben“, prophezeit Wiechmann.
fp

