VonThomas Steinhardtschließen
Unabhängig von weiteren Überlegungen zum Thema Zukunft des Fliegerhorsts geraten auf dem Gelände offenbar einige Dinge in Bewegung: Auf einer Fläche genau zwischen Fürstenfeldbruck und Maisach sollen ein oder mehrere Hightech-Unternehmen angesiedelt werden – mit einer ganz speziellen Ausrichtung.
Fürstenfeldbruck – Auf dem Areal, auf dem Maisacher und Brucker Flur zusammenstoßen und ungefähr dort, wo derzeit noch die Driving Academy von BMW angesiedelt ist, soll eine Art Campus auch mit moderner Medizin-Technik Platz finden. Dabei spielt ein Begriff eine Rolle, der esoterisch klingt, es aber nicht ist: „Theranostik.“
Überregionale Strahlkraft
Unter Theranostik versteht man in der Medizin die Verzahnung von Diagnose und Therapie mit Hilfe moderner Technologien. Im Mittelpunkt steht die Erhaltung der Gesundheit und das Erkennen individueller Prädispositionen mittels molekularer Bildgebung.
„Mit der Ansiedlungsanfrage eines Unternehmens aus dem Bereich der Theranostik könnte wirtschaftliche, aber auch wissenschaftliche Strahlkraft für den Landkreis und darüber hinaus geschaffen werden“, heißt es beim Landratsamt. Die Kreisbehörde selbst besitzt zwar keine Planungshoheit. Sie tritt aber als Koordinator zwischen Fürstenfeldbrucker und Maisacher Belangen auf.
Vorbereitungen im Hintergrund
Begonnen hat alles mit einem Antrag, den die Brucker CSU und die Brucker Grünen etwa vor einem Jahr im Stadtrat stellten. Dabei ging es um die Ansiedlung eines Technologie-Zentrums am Fliegerhorst. Seither gab es im Hintergrund etliche Gespräche mit verschiedenen Beteiligten und mit „spannenden Unternehmen“, wie es hinter vorgehaltener Hand heißt. Vom Informations-Besuch in einem Augsburger Technologie-Zentrum wird berichtet und von hochrangigen interessierten Gästen, die das Fliegerhorst-Gelände in Augenschein nahmen, ist die Rede.
Außenbereich?
Planerisch hat das Projekt mit der bevorstehenden Umwandlung des noch militärisch genutzten Areals eher weniger beziehungsweise nur am Rande zu tun. Die Idee besteht darin, die fraglichen Flächen so zusagen nicht in die Konversion einfließen zu lassen, sondern sie unabhängig davon zu entwickeln. Die Regierung von Oberbayern als Genehmigungsbehörde habe bereits Zustimmung signalisiert, wird berichtet.
Im Hintergrund hier steht die Frage, inwiefern es sich bei den teils bereits versiegelten Flächen baurechtlich betrachtet um einen Außenbereich handelt oder nicht. Das Areal ist letztlich praktisch die einzige frühere Fliegerhorst-Fläche, auf der die Gemeinde Maisach planerisch irgendetwas umsetzen kann. Denn der überwiegende Rest des Geländes um die frühere Startbahn weiter Richtung Maisach unterliegt als FFH-Gebiet strengsten Naturschutzauflagen.
Wegweisendes Konzept
Auf dem Gelände, auf dem der Technologie-Kampus entstehen soll, stünden Hallen und Hangars zur Verfügung, hieß es unter anderem. „Seit über einem Jahr feilen der Landkreis sowie die Kommune Maisach und die Stadt Fürstenfeldbruck an einem neuen wegweisenden Konzept für ein Teilgebiet des Fliegerhorstes“, heißt es offiziell beim Landratsamt. „Erste Überlegungen“ in Sachen „Biodrom“ und „Theranostik“, wie es weiter heißt, will man bei einem Pressetermin in der nächsten Woche vorstellen.
Zur Einordnung (Kommentar)
Wenn in einer Lokalredaktion eine Einladung zu einem Pressegespräch eintrudelt, so ist das natürlich immer schön, aber nicht weiter ungewöhnlich und vorab auch nicht berichtenswert. Wenn sich die Lokalredaktion aber im doch eher beschaulichen Fürstenfeldbruck befindet und wenn in der Einladung Wörter vorkommen, die der geneigte und vielseits interessierte Redakteur vorher zugegebenermaßen noch nie gehört hat, dann ist das schon eher interessant. Ein „Biodrom“ und eine Firma aus dem Bereich der „Theranostik“ sollen also auf dem früheren Militärgelände angesiedelt werden – das klingt spannend. Freilich muss man wissen, dass sich seit Jahren ungezählte interessierte Augen auf das frühere und auf das aktuell noch immer vom Militär genutzte Gebiet zwischen Bruck und Maisach richten. Und man muss wissen, dass schon mancherlei Idee die Runde machte, sodass man fast geneigt war, den Eindruck zu bekommen, dass alle Defizite, die die Region hat, dereinst auf dem Fliegerhorst gelöst werden können und zudem noch vieles mehr. Die Idee nun aber klingt relativ konkret. Man wird sehen, ob sie sich umsetzen lässt. (st)
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