Schicksal bewegt viele in der Region

Hilfe für todkranke Mathilda (3): Vater zu Tränen gerührt

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Die dreijährige Mathilda mit ihrem kleinen Bruder Oskar, fotografiert von den Eltern.

Freising - Das Schicksal der Mauerner Familie Ewert, deren Tochter Mathilda an ihrem 3. Geburtstag an Leukämie erkrankt ist, hat viele Menschen in der Region berührt. Ein Teil der finanziellen Sorgen konnte der Familie zumindest genommen werden.

Als Daniel Ewert vergangene Woche in der Tagblatt-Redaktion steht und zum ersten Mal die beiden großen Schecks sieht, versagt ihm die Stimme. Tränen der Erleichterung fließen, der Familienvater flüstert „Danke!“. Die insgesamt rund 6500 Euro verschaffen den Ewerts aus Mauern wieder etwas Luft – in einer Zeit, in der sich eigentlich sämtliche Gedanken und Kräfte auf das Wohl von Tochter Mathilda konzentrieren müssten. Woher das Geld stammt – dazu später mehr.

Rückblick: An ihrem dritten Geburtstag Mitte Mai wacht Mathilda mit starkem Nasenbluten auf. Die Hiobsbotschaft im Krankenhaus lautet: Das Mädchen hat Leukämie. Seither besteht der Alltag der Ewerts aus Chemotherapie, Klinikaufenthalten und Pendelei durch ganz Deutschland. Weil sich die Familie bei Ausbruch der Krankheit im Ostsee-Urlaub befand und Mathilda nicht transportfähig war, spielt sich die Intensivtherapie seither in Greifswald ab.

Vater Daniel, der als Alleinverdiener in München arbeitet, pendelt nun jedes Wochenende 850 Kilometer zu seinen Lieben an die Küste, einfach. Mutter Madeleine ist mit dem fünf Monate alten Sohn Oskar in ein Zimmer nahe der Klinik gezogen. Im Mietshaus daheim in Mauern liegt nur noch eine Matratze: Die übrigen Möbel wurden verkauft, um die Kosten für Fahrten, Zweitwohnung und Behandlung stemmen zu können. Mittlerweile musste die Familie das Haus kündigen, ab Mitte August kommt Daniel Ewert in Dachau unter: Seine Freunde Isabel und Thomas haben ihm eine Herberge angeboten, ihr dreijähriger Jonas opfert sein Kinderzimmer.

Das Mädchen kann nicht einschätzen, dass es todkrank ist. Geht es ihm gut, ist es gut drauf.

Mathilda kämpft sich derweil durch die extrem belastende Chemotherapie. Gerade befindet sie sich in Block 2 von 4. Das bedeutet: Vier Tage am Stück werden Chemikalien über einen Brustkatheter in den kleinen Körper gepumpt, dann folgt eine dreitägige Pause. So wechselt sich das im zweiten Block 33 Tage lang ab. Ein Horror.

Mathilda, die mittlerweile ihre Haare verloren hat, muss vor Übelkeit immer wieder erbrechen, zum Laufen ist sie viel zu schwach. Und kein Tag ist planbar: Ist morgens noch alles okay, kämpft das Mädchen abends mit 40 Grad Fieber. „Sie ist stark, eine Kämpferin“, sagt der Vater und muss wieder weinen. Er hat seiner Tochter erklärt, dass die Haare nachwachsen, sobald ihr Blut wieder heil ist. Und die Dreijährige hat einen großen Vorteil: „Sie kann es nicht einschätzen, dass sie todkrank ist“, sagt Daniel Ewert. „Deswegen ist sie immer gut drauf, wenn es ihr gut geht.“

Der Lichtblick: „Der letzte Befund war fantastisch“, berichtet der Vater. „Es ist nur noch ein Prozent der Zellen vom Krebs befallen, die Therapie schlägt an.“ Geht alles gut, kann Anfang März die Intensiv-Phase enden und Mathilda die Klinik verlassen. Danach muss sie nur noch vierteljährlich zur Knochenmark-Kontrolle unter Vollnarkose.

Unbürokratische Hilfe: Daniel Ewert (M.) bekam 3063 Euro von Andrea und Christian Herrmann (v. r.) sowie 3000 Euro von FT-Redakteur Armin Forster und Redaktionsleiter Helmut Hobmaier (v. l.) überreicht. Weitere 500 Euro steuerte ein Leser aus Haag bei.

Um die Ewerts zu entlasten, hat sich als erstes ein Ehepaar für sie stark gemacht: Christian und Andrea Herrmann haben ihre Kontakte zu Musikern für ein Erdinger Schlager-Event genutzt (wir haben berichtet), dessen Erlöse zum Teil an eine Krebsstiftung und zum anderen an die Ewerts gingen. Stolze 3063 Euro kamen so zusammen – sie wurden nun in der FT-Redaktion an Daniel Ewert übergeben. Nicht nur von den Künstlern, die ohne Gage auftraten, bekamen die Herrmanns dabei Unterstützung: Auch die Veranstaltungstechnik wurde kostenlos zur Verfügung gestellt, die Firma BGP sprang ein. „Wir hören nicht auf“, sagt Christian Herrmann. Er sammelt weiter Geld, verkauft Sonnenbrillen gegen Spenden und plant neue Benefizaktionen. Etwa am 16. Oktober, wenn er die Schlagerstars Nicki, Patrick Himmel, Janis Nikos und Birgit Langer ins Erdinger Stardust holt. Und auch das Tagblatt hat sich zur unbürokratischen Hilfe entschlossen: Vom Aktionskonto „Menschen in Not“ wurden 3000 Euro an die Familie Ewert überwiesen. „Der Fall von Mathildas Familie entspricht dem ureigenen Ziel unserer Leser-Hilfsaktion: Mitbürgern aus dem Landkreis zu helfen, die unverschuldet in Not geraten sind“, sagt Redaktionsleiter Helmut Hobmaier. Und er freut sich über die spontane Hilfsbereitschaft eines großzügigen Lesers aus Haag: Als der nämlich vom Schicksal der Ewerts erfuhr, steuerte er spontan 500 Euro bei.

Daniel Ewert geht diese Welle der Solidarität mit seiner Familie sehr nahe. „Ich möchte einen ganz großen Dank an alle Menschen richten, die an uns denken, mitfühlen und uns unterstützen“, sagt er bei der Scheckübergabe, als er wieder Worte findet. Einen besonderen Dank möchte er dabei nicht nur an die Familie Herrmann und den Großspender aus Haag richten, sondern auch an eine Firma: „Ich bin meinem Arbeitgeber MRI-Service GmbH sehr dafür verbunden, dass ich regelmäßig mehrere Tage am Stück frei nehmen kann, um bei meiner Familie in Greifswald sein zu können.“

Armin Forster

So können Sie die Familie unterstützen:

Aktion „Menschen in Not“,
IBAN DE57 7005 1003 0000 0001 90,
Kennwort: „Mathilda“.

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