Dr. Stefan Zippel informiert Schüler

HIV: Behandelbar, nicht heilbar - Vortrag an Tölzer Schule

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Klärte die Schüler über HIV auf: Dr. Stefan Zippel (li.) bei seinem Vortrag vor den 10. Klassen der Realschule Bad Tölz.

Dr. Stefan Zippel kam zu einem Vortrag über HIV an die Tölzer Realschule. Er appelierte dabei eindringlch gegen Stigmatisierung von Infizierten.

Bad Tölz – Es ist ein Thema, über das nur noch selten gesprochen wird und das noch immer mit gewissen Vorurteilen behaftet ist: Jedes Jahr infizieren sich weltweit mehr als 1,5 Millionen Menschen mit HIV. In Deutschland sind es gut 2000 Personen. Jährlich gibt es zwischen 300 und 400 Aids-Tote. Um auch junge Menschen über diese Krankheit aufzuklären, fand am Dienstag eine Informationsveranstaltung an der Tölzer Realschule statt. Rund 70 Schüler der 10. Klassen hörten sich den Vortrag des Psychologen Dr. Stefan Zippel an. Er ist Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München.

Bad Tölz: Dr. Stefan Zippel hält Vortrag über HIV

„HIV schädigt das Immunsystem“, erklärt Zippel. Unbehandelt führe eine Infektion nach fünf bis acht Jahren zur Krankheit Aids. „Die Übertragung der HI-Viren verläuft über Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit.“ Die meisten Ansteckungen erfolgten durch ungeschützten Geschlechtsverkehr über den Kontakt mit den Schleimhäuten der Geschlechtsorgane. Deshalb rät der Experte den Schülern, unbedingt Kondome zu verwenden. Empfänger von Blutspenden bräuchten sich dagegen keine Sorgen machen. „In Deutschland werden die Proben unter anderem auch auf HIV getestet.“

Doch was passiert bei einer Infektion im Körper genau? Die HI-Viren befallen die sogenannten T-Zellen, welche die Immunabwehr im menschlichen Körper koordinieren. Nach und nach vermehre sich das Virus immer weiter – bis alle T-Zellen infiziert sind. „Am Ende ist das Immunsystem so geschwächt, dass es nicht mehr in der Lage ist, Erreger zu bekämpfen.“ Die Folge: Der Körper wird stark anfällig für Erkrankungen. „Aids-Patienten haben meist unterschiedliche Krankheiten gleichzeitig“, erläutert Zippel. Zum Beispiel Lungenentzündungen oder aber auch Krebs.

Bei einem Verdacht auf eine Infektion sich unbedingt testen lassen

Damit man nach einer HIV-Infektion gar nicht erst an Aids erkrankt, gebe es mittlerweile zahlreiche Medikamente. „In der Regel werden drei Wirkstoffe miteinander kombiniert, die die Vermehrung des Virus im Körper unterdrücken.“ Die Kosten der Therapie werden von der Krankenkasse übernommen. „Je schneller die Behandlung erfolgt, desto eher bleibt das Immunsystem funktionstüchtig“, so der Experte. Auch wenn sich HIV heute erfolgreich behandeln lasse und die Betroffenen ein normales Leben führen können – eine Heilung gibt es bislang nicht. „Die Präparate müssen ein Leben lang eingenommen werden.“

Deshalb sein Appell an die Schüler: Bei einem Verdacht auf eine Infektion sich unbedingt testen lassen. Tests werden beispielsweise beim Gesundheitsamt anonym und kostenlos durchgeführt. Zippel möchte aber auch noch auf eine andere Problematik aufmerksam machen: Die teilweise Stigmatisierung von HIV-Patienten. „Eine infizierte Person, die sich in Behandlung befindet, ist nicht mehr ansteckend“, möchte er klarstellen. „Wer ausgrenzt, hilft der HIV-Ausbreitung.“ Deshalb ruft er dazu auf, solidarisch zu sein und HIV-Infizierte nicht aus der Gesellschaft auszuschließen. (Franziska Selter)

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