Serie „Lebenselixier Wasser“

Einerseits Hochwasser, andererseits Dürre: Wie können wir den zwei Extremen begegnen?

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Wasserthemen aus fünf Landkreisen beschäftigen das Wasserwirtschaftsamt Weilheim mit Korbinian Zanker (r.) an der Spitze. Bernhard Müller ist für den Landkreis Weilheim-Schongau zuständig.
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Hochwassergefahren und Dürre: Diese zwei Themen machen vielen Menschen Sorgen. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim stellt sich beiden Herausforderungen.

Landkreis – Könnte ich in Zeiten des Klimawandels einmal selbst von Hochwasser betroffen sein? Was bedeutet anhaltende Trockenheit für unser Trinkwasser? Das sind Fragen, die viele Menschen beschäftigen. Die zwei Extreme, Trockenheit einerseits und Hochwassergefahren andererseits, sind auch wichtige Themen für das Wasserwirtschaftsamt Weilheim.

Amtsleiter Korbinian Zanker versucht trotz der vielfältigen Aufgaben seiner Behörde, kurz und knapp zusammenzufassen, womit sich diese beschäftigt: den Menschen vor dem Wasser schützen und das Wasser vor dem Menschen schützen. Mit seinem Mitarbeiter Bernhard Müller, zuständig für den Landkreis Weilheim-Schongau, gibt er bei einem Pressegespräch einen Einblick, was das Wasserwirtschaftsamt für Mensch und Natur leistet.

Zuständig für fünf Landkreise

Dabei geht es genauso um die Ammer, an der bald ein Großprojekt startet, wie um den 1959 in Betrieb genommenen Sylvensteinspeicher (Lkr. Bad Tölz-Wolfratshausen), der laut Zanker schon vor Hochwasser-Schäden in Milliardenhöhe bewahrt hat. Insgesamt ist das Amt mit Hauptsitz in Weilheim in fünf Landkreisen tätig.

Wenn – wie 2016 in Polling und Peißenberg – Straßen überflutet werden, Wasser in Häusern schwere Schäden anrichtet, dann wird klar: Auch der Landkreis Weilheim-Schongau ist vor Hochwasser-Ereignissen nicht gefeit. Beim Wasserwirtschaftsamt spielt der Hochwasserschutz schon seit dem Pfingsthochwasser 1999 vermehrt eine Rolle, wie Zanker sagt. Seitdem realisierte die Behörde in den fünf Landkreisen Hochwasserschutz-Maßnahmen für rund 350 Millionen Euro. Doch: „Um wirklich gewappnet zu sein für die zunehmenden intensiven Niederschläge aufgrund der Klimaerwärmung“, muss dem Amt zufolge „noch viel“ getan werden.

Der beste Hochwasserschutz ist, nicht in Überschwemmungsgebiete zu bauen

Mit ihrem Engagement in Sachen „Hochwasserschutz“ macht sich die Behörde nicht immer beliebt. Werden Überschwemmungsgebiete ausgewiesen, die auf Karten an einer blauen Markierung zu erkennen sind, stößt das bisweilen bei Bürgern auf Unverständnis: etwa wenn ein mögliches Baugebiet in einer blauen Fläche liegt.

Dabei bildeten die Karten nur etwas Realistisches ab, rechtfertigen Zanker und Müller das Vorgehen ihres Amtes. Aus dessen Sicht ist der beste Hochwasserschutz, natürliche Überschwemmungsgebiete gar nicht erst zu bebauen. Eine Aufgabe der Behörde ist es auch, Hochwasser-Vorhersagen für das Einzugsgebiet der Isar – zu ihm gehört die Ammer – zu erstellen. Die Prognosen sind für die Bürger jederzeit online einsehbar (unter www.hnd.bayern.de).

Renaturierung ist eine der Hauptaufgaben

Ein Projekt, das rund neun Millionen Euro kosten soll, steht quasi in den Startlöchern: der „Hochwasserschutz Weilheim Süd“. Ab Herbst soll dabei das Ammer-Wehr bei Oderding umgebaut und renaturiert werden. Apropos, Renaturierung: „Da haben wir noch einiges vor“, sagt Zanker. Schließlich habe die Behörde Planungsaufgaben für alle größeren Gewässer im Zuständigkeitsbereich, die noch nicht im geforderten guten ökologischen Zustand sind.

In Sachen „Renaturierung“ hat sich aber schon einiges getan: etwa an der Litzauer Schleife am Lech bei Burggen, wo auch ein Rückzugsbereich für Fische entstanden ist, wie Müller erklärt. Der ökologische Zustand der Lechschleife sei 2018 noch als „mäßig“ eingestuft worden, 2021 aber bereits als „gut“. „Das sind schon tolle Erfolge“, freut sich Zanker.

Etwa drei Millionen Euro kostete das jüngste Großprojekt des Amts im Landkreis: die Instandhaltung der Ammer in Weilheim. Dort wurden Schwemmsande entfernt und es wurde der Uferverbau saniert – auch das für den Hochwasserschutz.

„Aktuell haben wir auch in Weilheim einen niedrigen Grundwasserstand“

Viel beratend tätig ist die Behörde, wenn es um die kleinen Gewässer geht, für die die Kommunen zuständig sind. „Wir empfehlen ein kommunales Sturzflut-Management durch Ingenieurbüros“, sagt Zanker, „mit dem sich mögliche Gefahren erkennen lassen.“ Auch in Sachen „Wasserversorgung“ und „Abwasserentsorgung“ steht das Amt, das auch Ansprechpartner der Landratsämter ist, den Kommunen mit Rat zur Seite.

Obwohl das Trinkwasser laut Zanker in seinem Zuständigkeitsbereich weniger Anlass zur Sorge gibt als etwa in Franken: Vorsorge zu treffen, dass es Wasser in ausreichender Qualität und Menge gibt und Dürrephasen so intensiv zu managen wie Hochwasser, das hält der Behördenleiter für wichtig. „Aktuell haben wir auch in Weilheim einen niedrigen Grundwasserstand“, erklärt er. Die Wasserversorger sollten gut aufgestellt sein.

„Nicht versiegeln, sondern versickern“

Doch sind die Menschen gegenüber Dürre nicht in gewisser Weise machtlos? Zanker nennt auf die Frage Möglichkeiten, um sehr trockenen Perioden zu begegnen: So könnten die Bürger aufgerufen werden, mit Wasser sparsam umzugehen, etwa aufs Autowaschen zu verzichten. Selbst Verbote seien möglich. Zudem könne etwa mit der Methode „Nicht versiegeln, sondern versickern“ etwas getan werden, um Wasser vor Ort zu halten.

Obwohl die Bürger in der Regel wenig Kontakt zum Wasserwirtschaftsamt haben – bei einem aktuellen Thema ist die Behörde gefragter Ansprechpartner: wenn es um den Bau von Grundwasserwärmepumpen geht. Diesbezüglich, so heißt es beim Pressegespräch, erlebe das Amt derzeit einen richtigen Boom.

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