Hochwasserschutz

„Fatal, gefährlich und ausgesprochen unsolidarisch“

  • schließen

Zank um den Hochwasserausgleich: Nachdem Gmunds Bürgermeister die laufenden Planungen am liebsten stoppen wollte, gibt‘s nun Verbalattacken von der Südseite des Sees.

Rottach-Egern/Gmund – Drei Jahre Mega-Baustelle, ein zerstörtes Wegenetz, ein unansehnliches Ufer: für Gmunds Bürgermeister Alfons Besel (FWG) ist das nicht akzeptabel. Dass er die laufende Planung für den Hochwasserausgleich Tegernsee in der aktuellen Form am liebsten kippen würde (wir berichteten), lässt in Rottach-Egern die Alarmglocken schrillen.

„Ich halte das für fatal, gefährlich und ausgesprochen unsolidarisch“, erklärte Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) bei der Sitzung des Gemeinderats. Sie könne die Bedenken zwar in gewisser Weise verstehen, fügte sie hinzu. Aber der Tegernsee habe eben nur einen Auslauf, nämlich in Gmund. Jede technische Lösung des Hochwasserproblems könne also nur dort stattfinden. „Hier muss der Tal-Gedanke eine Rolle spielen“, mahnte Schultes-Jaskolla. Seit 20 Jahren ringe man um eine Lösung. Der Versuch, dieses Projekt jetzt wieder auszuhöhlen, könne dazu führen, dass die Regierung von Oberbayern den Schluss ziehe, am Tegernsee wolle man keinen Hochwasserschutz: „Davor warne ich.“ In den vergangenen zwei Jahrzehnten habe es drei massive Hochwasser-Ereignisse mit massiven Schäden gegeben, erinnerte sie.

Ein Thema, das auch Florian Baier (CSU) bewegt. Er teile die Einschätzung von Schultes-Jaskolla und bitte auch Bürgermeister Christian Köck (CSU) darum, das Projekt in der beschlossenen Form voranzutreiben, so Baier: „Und nicht so, wie der Bürgermeister von Gmund das momentan sieht.“

Köck nickte dazu. Die Aussage Besels habe ihn überrascht, er könne sie auch nicht ganz nachvollziehen. „Der neue Kollege ist ja noch nicht so lange im Amt und ist sich des Umfangs dieser Aussage vielleicht nicht bewusst“, meinte Köck. Er halte es für unbestritten, dass der Hochwasserausgleich dringend nötig sein. „Das haben allein schon die Schäden beim Hochwasser im Jahr 2013 gezeigt.“ Es gehe nicht nur um die Interessen von Mangfall-Anliegern, sondern um den Schutz der Menschen rund um den Tegernsee: „Jeder wartet dringend darauf, dass da was passiert.“

Lesen Sie hierzu: Gmunds Bürgermeister Alfons Besel kritisiert Pläne zum Hochwasserausgleich „Irrsinnige Baustelle wäre eine Katastrophe“

Allerdings, so Köck, könne ein einzelner Bürgermeister die bereits in Gang gesetzten Prozesse mit Sicherheit auch nicht aufhalten. Es handele sich um ein Vorhaben des Freistaats Bayern, zu dessen Finanzierung die Talgemeinden auch nicht herangezogen würden.

Eine fertige Planung liegt für den Hochwasserausgleich ohnehin nicht vor. Dabei scheint die Grundidee einfach: Kurz bevor starker Regen kommt, wird der Tegernsee abgesenkt, damit Platz ist für die Wassermassen. Doch diese Steuerung hinzubekommen, ist außerordentlich schwierig. Wie berichtet, sind bei der Prüfung des Vorentwurfs durch die Regierung von Oberbayern eine Fülle von Problemen zutage getreten. Weitere Untersuchungen sind notwendig.

Noch ein aktueller Aufreger aus dem Tal: Grundstück an der Tegernseer Point kahl rasiert - Landratsamt ermittelt

Gmunds Bürgermeister Besel will eine andere technische Lösung, die Gmund weit weniger belastet als die bisherige Planung. Der Solidaritätsgedanke im Tal sei ihm sehr wichtig, versichert Besel. Dieser müsse aber einen Interessensausgleich beinhalten. Gmund sei Teil der Tourismusdestination. „Auch wenn wir nur Juniorpartner sind.“ Alle Tal-Gemeinden müssten an einem durchgehend attraktiven Tegernseeufer Interesse haben und belastende Maßnahmen scheuen. Die Zusammenarbeit der fünf Tal-Bürgermeister sei insgesamt hervorragend, erklärt Besel. Er wünscht sich ein Treffen mit Vertretern des Wasserwirtschaftsamts im April.  

Kommentare