Die Dorfschmiede ist ein historischer Ort: 1671 wurde sie am Rande der Geltinger Kirche St. Benedikt erbaut. Bis auf den Tag des offenen Denkmals liegt sie im Dornröschenschlaf. Schmied Michael Ertlmeier würde das Feuer gerne öfter anschüren - zum Beispiel für Hochzeiten.
Gelting – Hochzeiten sind längst mehr als das Ja-Wort in Standesamt und Kirche. Zum schönsten Tag des Lebens lassen manche Paare etwas in den Himmel schreiben, Eisskulpturen anfertigen oder die Gäste bei einem Flashmob tanzen. Mindestens genauso besonders ist ein Schmiedekurs für die Hochzeitsgesellschaft in der Dorfschmiede in Gelting. Ein kleines Las Vegas ist der Geretsrieder Ortsteil aber nicht. „Und auch kein Gretna Green“, sagt Ute Raach, Geschäftsleitende Beamtin im Rathaus.
Dass die Dorfschmiede in Gelting öfter für Trauungen und Vorführungen angeboten werden soll, berichtete Kulturreferent Hans Ketelhut kürzlich im Stadtrat. Ein paar Brautpaare haben Raach zufolge bereits nach ihrer Trauung in der Kirche St. Benedikt einen Ring oder ein Hufeisen in dem Gebäude angefertigt. „Oft bekommen sie das von Gästen als Geschenk“, sagt sie.
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Der Abstecher in der Dorfschmiede ist aber als begleitendes Ritual gedacht. Als Trauungslocation dient sie nicht. „Es ist kein echter Trauungsort“, erklärt Raach. Ein Standesbeamter kann Paare nur in offiziell zugelassenen Räumen vermählen. Auch die katholische Kirche vollzieht Hochzeiten nur dort, wo auch Taufen stattfinden – am Altar. Für freie Trauungen könnte sich Hans Ketelhut die Dorfschmiede aber durchaus als stimmungsvolle Location vorstellen.
Das denkmalgeschützte Gebäude an der Filialkirche St. Benedikt ist nur am zweiten Sonntag im September zum Tag des offenen Denkmals öffentlich zugänglich. Während des Jahres ist die Dorfschmiede, die 1671 erbaut wurde, nur auf Anfrage bei der Stadt zu besuchen. Die hat das Gebäude samt Originalwerkzeug im Jahr 2001 erworben. Den Schlüssel verwahrt Anita Zwicknagl vom Kulturamt. Bei Interesse arrangiere sie laut Raach alles und vermittle auch den Schmied aus Ascholding, der der Dorfschmiede jedes Jahr zum Tag des offenen Denkmals Leben einhaucht.
Michael Ertlmeier hat das Feuer in der Schmiede sogar schon mal für eine Hochzeit angeschürt, es ist allerdings bereits einige Jahre her. „Das ist eigentlich total schade, weil es eine richtig schöne Sache war“, sagt er. Das Brautpaar habe nach der Trauung zwei Ringe ineinander vernietet, die Bräutigammutter und der Brautvater für den jeweils anderen eine Taube für den Garten angefertigt – ein Symbol für die Zusammengehörigkeit der Familie. „Ich habe alles soweit vorbereitet, damit sich keiner schmutzig machen musste und es nicht so lang dauert.“ Die Stimmung sei emotional gewesen. „Richtig süß.“
Bei der Erinnerung an den schönen Moment in dem historischen Gemäuer gerät er direkt ins Schwärmen – und wird kreativ. Wer sich beim Skifahren kennengelernt hat, könne zwei Ski anfertigen, man könnte Herzerl machen oder eine schöne Erinnerung an eine Bikerhochzeit. „Ich kann das nur empfehlen“, sagt Ertlmeier, der sich freuen würde, wenn aus der Dorfschmiede wieder öfter Hammerschläge und Feuerknistern zu hören wären.
sw