VonAndreas Steppanschließen
Immer mehr Firmen wehren sich dagegen, gut eingearbeitete Mitarbeiter durch Abschiebung zu verlieren. Der Wackersberger Bauunternehmer Erwin Wiegerling wünscht sich, dass seine Angestellten Majid Izadi und Ekene Ndukwe Bleiberecht bekommen, selbst wenn ihre Asylanträge abgelehnt werden.
Wackersberg – Bauunternehmer Erwin Wiegerling ist mit den Mitarbeitern Majid Izadi und Ekene Ndukwe hoch zufrieden. „Majid hat die deutsche Gründlichkeit für sich gepachtet“, sagt der Chef über den 31-jährigen Iraner, den er als Elektrohelfer beschäftigt. Als sehr zuverlässig beschreibt Wiegerling auch den 41-jährigen Nigerianer Ndukwe, angestellt als Bauhelfer, der für Maurer- und Verputzer-Tätigkeiten eingesetzt wird. „Er ist außerdem ein Wunder, weil er immer so viel Freude ausstrahlt und lacht.“
Seit neun Monaten arbeiten die beiden Männer in Wiegerlings Unternehmen, das im ehemaligen „Treibhaus“ (Gemeinde Wackersberg) ansässig ist. Wie lange das so bleibt, ist aber unsicher. Denn beiden könnte die Abschiebung drohen. Bei einem ist über den Asylantrag noch nicht entschieden, der andere hat eine Ablehnung bekommen und dagegen Rechtsmittel eingelegt. Für den Chef wäre der Verlust dieser Mitarbeiter aus unternehmerischer und menschlicher Sicht ein Fiasko.
Deutschlandweit fordern mittlerweile etliche Unternehmer, dass Flüchtlinge, deren Asylantrag abgelehnt wurde, trotzdem in Deutschland bleiben dürfen, wenn sie einen festen Arbeitsplatz haben. Im Südwesten der Republik haben sich zum Beispiel schon über 100 Familienbetriebe, Mittelständler, aber auch einzelne Großkonzerne zur Initiative „Bleiberecht“ zusammengeschlossen. In diesem Zusammenhang ist oft vom „Spurwechsel“ die Rede, also der Möglichkeit, dass ein Migrant vom Asyl- ins Zuwanderungsverfahren über einen Arbeitsplatz wechselt.
Erwin Wiegerling meint: „Dort, wo die Menschen einen festen, unbefristeten Arbeitsvertrag haben, würde ich mich für eine Duldung aussprechen. Und wenn sie sich bewähren und drei bis vier Jahre ihren Beitrag zur Wirtschaft leisten und hier integriert sind – warum sollten sie dann keinen Aufenthaltstitel bekommen? Sie bezahlen hier Steuern und liegen niemandem auf der Tasche.“
Wiegerlings Firma, die auf Altbausanierungen spezialisiert ist, hat insgesamt 60 bis 70 Mitarbeiter, sieben davon sind Flüchtlinge. Majid Izadi und Ekene Ndukwe wurden über die Agentur für Arbeit zur Wackersberger Firma vermittelt. Diese Arbeitskräfte an Land zu ziehen, war dem Chef einige Mühen wert. Er setzt sich auch für ihre Integration ein, indem er sie zu unternehmensinternen Sprachkursen verpflichtet. Am liebsten würde er sie auch zu Fachkräften ausbilden.
„Deutsche Fachkräfte und Hilfskräfte, die gerne auf dem Bau arbeiten wollen, finden wir einfach nicht“, sagt Wiegerling. Wenn sie verfügbar wären, könne er sofort 20 weitere Mitarbeiter anstellen, meint er.
Nur dank Mitarbeitern wie Izadi und Ndukwe könne er bestimmte Aufträge annehmen und expandieren. Ein aktuelles Projekt der Firma Wiegerling ist zum Beispiel der Umbau einer Münchner Siedlung mit 49 Penthouses. „Da können wir nicht nur einen Teil machen, das müssen wir in zwei, drei Jahren fertig stellen. Da brauche ich die Leute jetzt.“ Letztlich hängen laut Wiegerling auch die Arbeitsplätze von heimischen Facharbeitern daran, dass die nötigen Hilfsarbeiter da sind. Dasselbe gelte für die Aufträge an hiesige Handwerksbetriebe.
Für ihren Job nehmen auch Izadi und Ndukwe einiges auf sich. Der Iraner lebt in einer Asylunterkunft im Kreis Miesbach, der Nigerianer im Kreis Starnberg. Nach Bad Tölz oder Wackersberg umziehen dürfen sie nicht. Der Arbeitsweg mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist aber kompliziert. Izadi steht regelmäßig um 3 Uhr, Ndukwe um 2.30 Uhr auf. Um zum „Treibhaus“ zu kommen, muss er erst mit der S-Bahn nach München und von dort mit der BOB nach Bad Tölz fahren. Die Kollegen und der Chef versuchen, das durch Fahrgemeinschaften oder den Einsatz der beiden auf besser erreichbaren Baustellen abzumildern.
Wiegerling sieht seine Angestellten natürlich nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern auch als Menschen, „die mir ans Herz gewachsen sind“. Er empfindet sie als „Bereicherung für ein weltoffenes Miteinander. So möchte ich arbeiten.“ Er habe die Willkommenskultur und die Devise „Wir schaffen das!“ gut gefunden und wie viele andere Unternehmer versucht, etwas Positives daraus zu machen. Das möchte er sich jetzt nicht so einfach nehmen lassen.
