VonSilke Reinbold-Jandretzkischließen
Bei der Kommunalwahl 2026 würde Dr. Anton Hofer mit der Gruppierung „Garmisch+Partenkirchen miteinander“ gerne Fraktionsstärke erreichen.
Eine Initialzündung gab es diesmal nicht, anders als bei seiner ersten Bewerbung. Vielmehr höhlte steter Tropfen den Stein. Die Entscheidung, noch einmal um das Bürgermeisteramt zu kandidieren, sei „im Laufe der letzten Jahre gewachsen“, sagt Dr. Anton Hofer. Er beschreibt, wie regelmäßig ein Gedanke in ihm aufkeimte: Warum in der Ortspolitik etwas in einer gewissen Weise gemacht werde, obwohl es doch Alternativen gebe, in seinen Augen oft bessere Alternativen. Wo es doch gelte, das Bestmögliche herauszuholen: für den Ort, für seine Menschen. „Und das sehe ich regelmäßig nicht.“ Hofer sagt, man müsse dafür kämpfen.
Also stellt er sich, weil er „möchte, dass die Garmisch-Partenkirchner eine Auswahl haben, die von mir aus auch vogelwild ist, aber möglichst breit. Damit man sagen kann: Die Menschen haben die Qual der Wahl“. Hofer, der einst als Sprecher der Bürgerinitiative „Mobilfunk mit Augenmaß/Interessengemeinschaft Törlenstraße“ ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerückt war, wird nach 2020 zum zweiten Mal ins Rennen um das Bürgermeisteramt gehen. 6,43 Prozent hatte er als Polit-Neuling vor sechs Jahren geholt, damals das fünftbeste Ergebnis bei sechs Kandidaten.
„Realistisch, dass Frau Koch abgewählt wird“
Ein Teil der Mitbewerber von damals tritt erneut an. Amtsinhaberin Elisabeth Koch (CSU) ist wie Peter Schimpf (SPD/neu) bereits nominiert, Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen) hat seine Absicht bekundet; zudem warf Daniel Schimmer (Freie Wähler/neu) seinen Hut in den Ring. Martin Sielmann und Michael Bergmann (neu) kündigten an, sich bewerben zu wollen. „Ich trete an, weil ich bereit bin, auch gewählt zu werden“, sagt Hofer. „Und ich halte es für realistisch, dass Frau Koch abgewählt wird.“ Er könne nicht sagen, in welche Richtung das Pendel ausschlage, „aber ich gehe davon aus, dass es keine g‘mahde Wiese für Frau Koch wird“.
Hofer kann offenbar auf einen gewissen Unterstützerkreis zählen. Dem Gemeinderat haftet der Ruf an, nicht pflegeleicht, eher unbequem zu sein, ganz und gar nicht stromlinienförmig. Eine Art, mit der man sich nicht nur Freunde macht, mit der man bisweilen aneckt, auch im Gremium: „Unabhängig von meiner Person ist es wichtig, dass unbequeme Leute drin sind“, sagt der Garmisch-Partenkirchner, der oft die einzige Gegenstimme im Gremium besteuert. Dazu brauche es zum einen ein breites Kreuz, zum anderen die Fähigkeit, „ab und zu auf Durchzug zu schalten“. Trotzdem sieht er, dass sich etwas bewegen lässt. „Es ist ein harter Kampf gegen eine verfestigte Mehrheit, aber es ist möglich.“
Bisweilen werde ihm vorgeworfen, sich auf einem Egotrip zu befinden. Doch Hofer beteuert: „Mir geht's um die Sache.“ Neben den großen Ortsthemen ist ihm im Grundsatz wichtig, das „Rathaus wieder zu öffnen“, damit jeder, der mit seinem Problem komme, das Gefühl habe, „dass ihm geholfen wird“. Transparenz zählt für ihn, Nachvollziehbarkeit.
Für „Garmisch+Partenkirchen miteinander“ sitzt er aktuell als Einzelkämpfer im Gemeinderat. Die Debattenkultur habe unter der „jetzigen Rathausleitung extrem gelitten“, kritisiert er. Hofer geht mit dem Ziel in die Wahl, „auf jeden Fall Fraktionsstärke zu erreichen“. Dafür können zwei, aber auch drei Sitze notwendig werden. „Wir haben mehr Möglichkeiten, Einfluss zu nehmen, wenn wir mit mehr Stimmen in den Ausschüssen vertreten sind.“ Im November soll die Aufstellungsversammlung der Gruppierung über die Bühne gehen. Hofer kündigt eine Liste mit bekannten und neuen Gesichtern an. „Das wird eine bunte Mischung.“ Man werde versuchen, alle Ortsteile zu repräsentieren.
Hofer, der mittlerweile einen Doktortitel in Politik- und Verwaltungswissenschaften trägt, aber seine fünf Studienabschlüsse am liebsten gar nicht erwähnt wissen will, kann auf einen scharfen Intellekt setzen – das wird schnell deutlich. Beruflich hat Hofer mehrere Standbeine; er ist nach eigenen Angaben als beratender Ingenieur selbständig, betreibt aber etwa auch eine kleine Brennerei. Nun soll, geht es nach ihm aus dem Ehrenamt Lokalpolitik mehr werden.
