Corona Krise

Hoteliers hoffen auf Ende des Reiseverbots

+
Jürgen Ostermann und seine Frau haben im vergangenen Jahr ihr Hotel Alpenhof in Bad Tölz aufwendig renoviert. 1,4 Millionen wurden in die Zimmer investiert. Seit 17. März ist das Hotel nun wegen der Corona-Krise leer.
  • schließen

Urlaubsreisen sind seit Wochen gestrichen. Das ist besonders bitter für Regionen wie das Tölzer Land, wo viele Menschen vom Tourismus leben.

Bad Tölz/Lenggries Die Hoteliers und Ferienwohnungsvermieter  aus dem Landkreis gehen mit der Krise noch verhältnismäßig gelassen um. Allen gemeinsam ist die Hoffnung, dass bald wieder Normalität einkehrt. Ein Stimmungsbericht.

Anfang 2019 haben Hedwig und Jürgen Ostermann ihr Hotel Alpenhof in Bad Tölz aufwendig renoviert. Nun steht es seit vier Wochen leer. Am 17. März reisten die letzten Urlaubsgäste ab, ein paar Tage später bekam mangels Nachfrage auch kein Geschäftsreisender mehr ein Frühstück serviert. „Wir haben das Haus letztes Jahr völlig umgekrempelt, 27 Zimmer und 27 Bäder neu gemacht, rund 1,4 Millionen Euro investiert“, sagt Ostermann. „Da kann man schon kalte Füße kriegen.“

„Haben rund 1,4 Millionen investiert“ 

Trotz 100 Prozent Ausfall im April bewahrt der Hotelier noch die Ruhe. Die Situation sei „noch nicht ganz brutal“, wohl auch, weil Ende März sowieso „wegen Revision“ ein paar Tage geschlossen war. „Ich bin noch frohen Mutes“, betont Ostermann. „Aber ich brauche eine Perspektive. Wir müssen wissen, wann wir wieder starten können“, hofft er auf positive Signale aus der Politik. Spätestens ab dem 4. Mai will er für Geschäftsreisende, die gut ein Drittel seines Gesamtgeschäfts ausmachen, wieder öffnen.

Karlheinz Leimer vom Tölzer Posthotel Kolberbräu hofft ebenfalls „ganz stark, dass wir im Mai wieder aktiv werden können“. Derzeit nehme die Rezeption vor allem Stornierungen entgegen. Gelegentlich wird mal ein Gutschein verkauft, gültig für drei Jahre, aber letztlich „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, ebenso wie der „To-go-Verkauf“, für den eigens ein „Kolber-Burger“ (Semmel mit gebratenem Lachs und Avocado) kreiert worden ist.

Hotelzimmer als Homeoffice im Kolberbräu 

Zudem bietet der Kolberbräu Hotelzimmer als Homeoffice an, bislang jedoch ohne Erfolg. Ansonsten, sagt der Gastronom, sei ihm vor allem daran gelegen, dass „unsere vier Auszubildenden auch in dieser Zeit eine sinnvolle Tätigkeit haben“. Deshalb bereite der Gastro-Nachwuchs zweimal in der Woche eigenständig ein Menü für alle Mitarbeiter zu, auch für jene, die in Kurzarbeit sind. „So hat das Team ein bisschen Kontakt, trotz Abstand halten beim Essen“, sagt Leimer.

Wenn es dann irgendwann wieder losgehe, wolle man dem Gast „einen hohen Grad an Sicherheit vermitteln“. Dafür habe man eine „aufsehenerregende Lösung“ gefunden, sagt Leimer: Statt eines Mundschutzes sollen seine Kellnerinnen und Kellner eine Art „Gesichtsschild“ tragen. „Das kommt ganz gut an und soll den Gästen signalisieren: Wir machen uns Gedanken.“

Mit „Malerarbeiten und den üblichen Verschönerungsarbeiten“ überbrückt das Arabella Brauneck-Hotel in Lenggries die aufgezwungene ruhige Zeit. Dank der Zwischensaison seien „März und April für uns weniger dramatisch, aber ab Mai sieht das anders aus“, sagt Hotelchef Christoph Seitz, „dann brauchen wir Gäste.“ Sehr viel komplizierter sei die Situation jedoch für manche kleinen Vermieter im Ort. „Das ist zum Teil schon prekär. Einige haben kräftig zu knapsen“, berichtet Seitz von diversen Gesprächen in seiner Funktion als Zweiter Vorsitzender des Tourismusvereins.

Gästen soll bei Wiedereröffnung Signal der Sicherheit vermittelt werden 

Noch ein Monat Pause sei zu verkraften, sagt Veronika Schalch-Seybold, deren fünf Ferienwohnungen und zwei Zimmer im „Gästehaus Zum Jäger“ in Lenggries ebenfalls seit Wochen leer stehen. „Aber ab Mai geht’s bei uns eigentlich richtig los.“ Bis dahin hoffe sie auf Lockerungen, „sonst wird’s brenzlig“. Derweil geht der „Vermieterin mit Leib und Seele“ die Arbeit nicht aus. Reparaturen, die sonst unter Druck dazwischengeschoben werden müssten, können nun in Ruhe erledigt werden. Ums Haus soll ein Freisitz angelegt werden und ein Barfußpfad. „Das sind alles Pläne, die man jetzt umsetzen kann.“

Freude bereiten der Gastgeberin zudem einige Stammgäste. „Manche haben sehr kulant reagiert und bei ihren Stornierungen darauf verzichtet, dass wir ihre Anzahlung zurückzahlen“, berichtet Schalch-Seybold. „Viele wollen später kommen.“

Mit einem Gesichtsschild, wie es hier Karlheinz Leimer trägt, sollen die Kellnerinnen und Kellner im „Kolberbräu“ arbeiten – sobald sie das wieder dürfen.

Nicht viel zu tun ist derweil beim Lenggrieser Bergcamping. „Uns gibt es ja erst seit September 2018. Es ist noch alles neu, da ist nix zu reparieren, wie in manchen älteren Häusern“, sagt Hans Probst, der wie alle „darauf wartet, dass es wieder vorwärts geht“. Dafür wäre jetzt im Frühjahr die richtige Zeit. Nach einer durchwachsenen Wintersaison sei Ostern eigentlich gut belegt gewesen. Doch statt Gästen gab es Stornierungen, mache konnten umgebucht werden, ein paar hätte die angebotenen Gutscheine genommen, so Probst. „Jetzt ist das Problem, dass keiner weiß, wie lange es dauert. Bis Mai? Bis Juni? Alle sind verunsichert.“

So bleibt nur die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Krise. Damit ist nach Stand der Dinge jedoch nicht zu rechnen. „Das ist eine Katastrophe“, kritisiert Kolberbräu-Geschäftsführer Leimer die Lockerungsbemühungen der Bundesregierung. „Das Schlimmste ist diese Hängepartie. Wir haben keine Planungssicherheit. Das ist eine riesen Belastung.“

Lesen Sie auch: 

So kämpfen Gastronomen gegen die Krise an 

Barbesitzer trifft Corona besonders hart 

Corona im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: immer aktuell 

Kommentare