Nach Ankündigung des neuen Gesetzes

Hohe Nachfrage nach Gasheizungen im Kreis Miesbach

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Bei der Arbeit: Alfred Hascher, Geschäftsführer der gleichnamigen Firma Haustechnik, Heizungs-, Gas- und Wasserinstallation in Miesbach, kontrolliert eine Pellets-Heizung.

Energiewende: Nach Bekanntwerden der Regierungspläne beklagen örtliche Betriebe Lieferprobleme.

Landkreis – Die von der Bundesregierung geplante Abkehr von neuen Öl- und Gasheizungen ab 2024 sorgt auch im Kreis Miesbach für Irritationen. Vor allem aber für einen Ansturm auf die Heizungsbauer. Wie es scheint, wollen nicht wenige noch schnell eine Gasheizung anschaffen, bevor es nächstes Jahr nicht mehr geht beziehungsweise die Heizungen dann so konstruiert sein müssen, dass sie mit mindestens 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden können.

Innungs-Obermeister: „Andrang ist gewaltig“

Martin Waldmann, Obermeister der Innung für Sanitär-, Heizungs-, Klimatechnik und Spengler in den Kreisen Miesbach/Bad Tölz-Wolfratshausen, hat beobachtet: Der Andrang auf mit fossilen Brennstoffen betriebene Heizungen ist gewaltig. In den Versorgungsketten gebe es enorme Engpässe. Lieferanten würden auf Bestellungen zum Teil nicht mehr antworten, geschweige denn diese erfüllen können. Nach nachhaltigen Alternativen wie die Wärmepumpe hingegen halte sich die Nachfrage in Grenzen. „Ich gehe davon aus, die Kunden warten ab, bis der Staat sich auf die Förderungen geeinigt hat“, sagt Waldmann.

Alfred Hascher, Geschäftsführer der gleichnamigen Haustechnikfirma in Miesbach, bestätigt: „Ein Ansturm auf Gasheizungen war in den letzten Monaten erkennbar.“ Die Nachfrage sei so hoch, die Wünsche aller Kunden zu erfüllen einfach nicht möglich. „Ich muss vermehrt ,Nein‘ zu Kunden sagen.“ Das liege vor allem an Problemen in der Lieferkette. „Die Lieferanten kennen die Bestände selbst nicht mehr“, sagt Hascher. Es fehlen die nötigen Einzelteile, und zudem seien die Bestellungen zunehmend unvollständig. „Immer wieder eine Herausforderung.“

Grundsätzlich hält Hascher Heizungen, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, für immer noch sinnvoll. Wenn man sich allerdings die Entwicklung in der Politik anschaue, sei eine Kombination aus nachhaltiger Alternative und Gasheizung empfehlenswert.

Kompletter Umstieg auf Wärmepumpen oft nicht machbar

Ähnlicher Auffassung ist Werner Fertl, Inhaber des gleichnamigen Sanitärbetriebs für Gasheizungen in Miesbach. Die Hybridlösung, beispielsweise eine kleine Wärmepumpe in Kombination mit einer Gasheizung, sei eine ertragreiche Alternative. Ganz auf Wärmepumpen umzusteigen, sei in vielen Fällen nicht machbar. Denn abgesehen von den Kosten für die Anlage müsse man auch die Gegebenheiten des Hauses, im Speziellen die Wärmedämmung, beachten. In vielen Fällen sei eine Sanierung notwendig. Auch Fertl stellt fest, die Nachfrage nach Öl- und Gasheizungen sei hoch: „Die Großhändler sind momentan ausverkauft.“

Lena Maierhof von der Energiewende Oberland sagt auf Anfrage, sie glaube nicht, dass es nun zum flächendeckenden Trend in Sachen Gasheizungen kommt. Auch wenn diese Option immer noch die preiswerteste Variante sei, stünde Deutschland kurz vor einem Energieumbruch. Der erfolge schließlich nicht von heute auf morgen. Die nachhaltigen Alternativen seien zwar noch nicht vollends ausgereift, jedoch sei die Gasheizung auch keine Dauerlösung. „Ich würde empfehlen, wenn eine Heizungserneuerung nicht ohnehin ansteht, noch etwas abzuwarten und sich stattdessen schon einmal selbstständig zu informieren beziehungsweise durch kleine Veränderungen Energie effizient einzusparen.“ Die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten, sei derweil nicht die richtige Haltung. „Der Impuls geht in die Richtung, etwas zu machen.“

Rentner unter 80 werden sich Sanierung oft nicht leisten können

Bei Markus Hobel, Geschäftsführer von Hobel Heizung und Sanitär aus Valley, ist die Nachfrage nach Wärmepumpen ebenfalls geringer als die nach Gasheizungen. Lieferproblem erkennt er insbesondere bei Pufferspeichern. „Man weiß nicht genau, woran es liegt.“ Wobei die Probleme in der Versorgungskette für jeden Betrieb anders und abhängig vom Hersteller seien. Auch Hobel würde an Gasheizungen als günstigste Alternative festhalten. Die notwendige Sanierung von Altbauten, um Wärmepumpen betreiben zu können, sei oft keine Option oder viel zu teuer.

Im Blick hat der Heizungsbauer hier insbesondere auch Senioren unter 80. „Mit deren Rente können sie sich keine Sanierung für eine Wärmepumpe leisten.“ Bekanntlich gilt die 65-Prozent-Regelung nicht für Hausbesitzer, die über 80 Jahre alt sind. Mit seiner kritischen Haltung gegenüber dem Gesetzesentwurf ist Hobel nicht allein. Vonseiten seiner Kunden erfahre er viel negative Resonanz, sagt er.

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