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Die Baubranche verzeichnet einen Rückgang bei Aufträgen. Bauunternehmer ärgern sich über in diesem Kontext auch über die Kommunikation zum Heizungsgesetz.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Hohe Materialkosten und steigende Kreditzinsen machen vielen, die ein Haus bauen oder sanieren möchten, aktuell große Sorgen. Ob privates, kommunales oder staatliches Bauvorhaben: Viele sind zögerlich, treten zurück oder warten ab. Das macht sich in der Baubranche – auch im Tölzer Land – stark bemerkbar.
Thomas Schneider aus Bad Tölz: „Die Nachfrage hat extrem Nachgelassen“
„Die Nachfrage hat extrem nachgelassen“, sagt Thomas Schneider. Er führt die 1929 gegründete Tölzer Baufirma Schneider in dritter Generation. „Als mein Vater das Unternehmen noch geleitet hat, gab es schon ein paar Phasen, in denen mal kurzfristig weniger gebaut worden ist“, erklärt er. „Aber das alles ist kein Vergleich dazu, wie schnell und massiv diese Krise ausgebrochen ist“, so der Ingenieur. „Wir haben deutlich weniger Aufträge und arbeiten aktuell eher kleinere Dinge ab. Das ist natürlich sehr aufwendig, da man alle paar Tage, die Leute für etwas Neues einweisen muss.“
Prekär sei die Lange seit Frühjahr geworden. „Als zu Beginn des Kriegs in der Ukraine die Energiekosten und auch Materialkosten explodiert sind, waren viele Baustellen schon am Laufen und Aufträge vergeben.“ Da habe man die Auswirkungen noch nicht derart akut gespürt. „Aber seit Frühjahr 2023 trifft uns das massiv, auch wenn ja einige Preise, wie beispielsweise bei Stahl, wieder deutlich zurückgegangen sind.“ Ausgelastet sei die Tölzer Baufirma nicht mehr.
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Zinsen und Baukosten gestiegen
Neben den gestiegenen Zinsen und Baukosten ist sich Thomas Schneider sicher, dass auch die Unsicherheit vieler Menschen in die aktuelle Misere hineinspiele. „Es herrscht eine Atmosphäre der Unsicherheit.“ Bei Neubauten geht Schneider davon aus, dass der Einbruch noch eklatanter ist als bei Gebäudesanierungen.
Kilian Willibald: Gewisse Nervosität im Baugewerbe der Region
Hier pflichtet ihm der Lenggrieser Bauunternehmer Kilian Willibald bei: „Wir spüren eine gewisse Nervosität im Baugewerbe in unserer Region.“ Schneider rät dazu, nicht unnötig zu zögern: „Ich würde jedem empfehlen, der sein Haus sanieren will und eine Finanzierung auf die Beine gestellt bekommt, das auch zu machen. Immerhin ist hier Zeit Geld. Bei energetischen Sanierungen bringt Abwarten nichts.“ Klar sei ihm aber auch, dass es einige Menschen gibt, die sich nicht nur aus Unsicherheit gegen eine Sanierung entscheiden, sondern sich ein solches Vorhaben nicht mehr leisten können.
Aber auch bei staatlichen oder kommunalen Aufträgen sehe es nicht anders aus. „Wir brauchen dringend Wohnraum, Kindergärten, Schulen. Das wären prinzipiell super Voraussetzungen für die Baubranche“, so Schneider. „Aber es passiert nichts, das ist wirklich eine schwierige Gemengelage.“ Ein Problem sieht der Bauingenieur auch in der Kommunikation der Politik zum Thema Heizungsgesetz. „Da wurden die Leute bisher nur verunsichert. Es war lange für alle undurchschaubar, und das ist nicht förderlich, um Sicherheit zu schaffen. Das ist Gift für jeden Unternehmergeist.“
Baupreise bereits 2020 gestiegen
Willibald sagt: „Ja, auch wir spüren den Rückgang in der Nachfrage nach Baustoffen und Bauleistungen.“ Bereits seit 2020 seien die Baupreise gestiegen. „Getrieben durch gestiegene Einkaufskosten, beispielsweise für Zement, Energie, Kraftstoffe, Stahl, Bauholz, Lkw, Baumaschinen, Erdölprodukte – aber auch durch politisch getriebene Preise bei Wärmepumpen, PV-Anlagen und Bauholz“, unterstreicht er und ergänzt: „Aber auch durch die Energiewende der Bundesregierung.“
Aufgrund der allseits gestiegenen Preise und der hohen Inflation erhöhte Willibalds Unternehmen im Sommer 2023 Löhne und Gehälter der Mitarbeiter. Diese nun steigenden Löhne für die Herstellung der Bauleistungen und Produkte erhöhen die Preise weiter, erklärt der Lenggrieser.
Zurückhaltung auch bei öffentlichen Auftragsgebern
„Speziell in unserem Transportbeton-Unternehmen, wo wir lediglich Dienstleister für die Lieferung von Transportbeton in die Bauwirtschaft sind, verzeichnen wir wesentlich weniger Nachfrage nach diesem für den Wohnungsbau wichtigsten Baustoff. Wir merken, dass jetzt gerade weniger Häuser im Privatsektor, sprich Wohnhäuser, gebaut werden“, berichtet er. Ähnlich wie Thomas Schneider stellt auch Kilian Willibald fest: „Im Tiefbauunternehmen merken wir eine Zurückhaltung der öffentlichen Auftraggeber bei Planung, Ausschreibung und Vergabe von Baumaßnahmen im kommunalen Bereich.“
Aktuell kommt Thomas Schneider nach eigener Aussage noch über die Runden. „Wir mussten bisher auch keine Mitarbeiter entlassen, aber verleihen teilweise Leute an andere Firmen, die gerade mehr Mitarbeiter brauchen“, sagt er. Doch es gebe auch Zukunftsaussichten. „Einige größere Sachen wurden erst mal nur verschoben.“ Die Hoffnung ruhe nun auf kommendem Jahr. Willibalds Prognose hingegen lautet: „Ich gehe davon aus, dass sich die konjunkturelle Situation im Bausektor unserer Region erst im Jahr 2024 deutlich zum Negativen hin ändern wird. Mit leichtem Optimismus vermute ich, dass diesem Abschwung 2025 oder 2026 wieder eine Erholung folgen wird.“
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