Landwirtschaftsminister Cem Özdemir hat sich auf dem Stroblhof ein Bild von der Kombi-Haltung gemacht. Ex-Kreisbäuerin Marlene Hupfer forderte eine Aufwertung dieser Haltungsform im Handel.
Holzkirchen – Gemütlich liegen sie in der Sonne, unbeeindruckt von dem Menschen-Tross. Dabei stehen sie im Mittelpunkt: Weil die 30 Kühe von Max und Hanna Müller auf dem Stroblhof in Kombinationshaltung leben, besuchte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) samt Entourage den Demeter-Hof in Asberg. Er folgte damit einer Einladung von Karl Bär (Grüne), Bundestagsabgeordneter für den Stimmkreis Bad Tölz-Wolfratshausen-Miesbach. „Den Hof zu sehen, lässt das Herz eines Ministers höher schlagen“, so Özdemir.
Bei der Kombihaltung werden Kühe im Stall gehalten, bekommen aber an mindestens 120 Tagen im Jahr für zwei Stunden freien Auslauf. Dies kann durch Weidehaltung geschehen oder in einem Laufstall. Die Rinder der Müllers leben von April bis November auf den angrenzenden Weiden. Im Winter können sie auf dem Hof umherlaufen. „Wir sind froh, wenn Frühling ist“, sagt Max Müller und lacht. Das mache deutlich weniger Arbeit im Stall.
Politisch ist die Kombihaltung umstritten. Im Koalitionsvertrag der Ampelregierung wurde festgehalten, die Anbindehaltung – bei der die Tiere nur im Stall angebunden leben – in den nächsten zehn Jahren abzuschaffen. Viele Landwirte sorgten sich infolgedessen auch um die Kombihaltung.
Es sind hauptsächlich Tierschutzgründe, die gegen die reine Anbindehaltung sprechen. Eine durchgehende Haltung im Freien ist für viele Bauern allerdings nicht machbar, oft spricht die Lage des Hofs dagegen. Stephanie Stiller (Öko-Modellregion Miesbacher Oberland) sagte deshalb: „Die Kombihaltung ist eine wichtige Haltungsform.“ Özdemir verband die Kombihaltung mit seiner Initiative, bis nächstes Jahr eine verbindliche Tierhaltungskennzeichnung einzuführen. „Das ist eine Win-Win-Situation für alle: Den Tieren und dem Klima geht es besser, und die Verbraucher wissen, was sie kaufen.“ Auf die Frage, wann die Kennzeichnung komme, blieb er vage: „Die kriegen sie, keine Sorge.“
Marlene Hupfauer, bis vor Kurzem Kreisbäuerin, verlangte konkretere Zusagen: „Man muss jetzt richtig Gas geben mit der Kombihaltung“, forderte sie. Die Kombihaltung solle als Haltungsform 3 (Tiere haben Zugang zu frischer Luft und erhalten nur gentechnikfreies Futter) gelten. Hupfauer nahm damit auf die Tierhaltungskategorien Bezug, die von Unternehmen wie Lidl oder Aldi eingeführt wurden. Bislang wird etwa Milch aus Kombihaltung in Haltungsform 2 („StallhaltungPlus“) geführt.
Özdemir dämpfte die Erwartungen. Man fange erst einmal mit der Pflicht zur Tierhaltungskennzeichnung an. Zur Begründung verwies er unter anderem auf das „schwierige Erbe“ der Vorgängerregierung und die Inflation. Viele sagten ohnehin, man könne sich Ökolandwirtschaft in der aktuellen Lage nicht mehr leisten.
Mittelfristig gebe es aber gute Ideen, wozu er auf Nachfrage etwa eine CO2-Ampel für Lebensmittel und andere Produkte zählte. „Die Kollegen im Kabinett fürchten meine Ideen schon“, sagte er schmunzelnd. Die Kühe beeindruckt auch das nicht. Ungestört kauen sie weiter, als Özdemir eine von ihnen beim Namen ruft.
Von Andreas Wolkenstein
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