Verbraucherzentrale warnt

Hot-Chip-Challenge: Mädchen (13, 14) aus Klinik entlassen - Jetzt ermittelt die Polizei

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Die „Hot Chip Challenge“ ging in den Sozialen Medien viral – und findet auch Nachahmer in Bayern.
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Die „Hot Chip Challenge“, ein Social-Media-Trend aus den USA, ist in Bayern angekommen. Der Hersteller wirbt mit dem schärfsten Tortilla-Chip der Welt. In Garmisch-Partenkirchen endete die Kostprobe für zwei junge Mädchen jetzt im Krankenhaus.

Dienstag, 17. Oktober, 14 Uhr:
Die sogenannte „Hot-Chip-Challenge“ beschäftigt die hiesige Polizeiinspektion weiterhin. Nachdem am vergangenen Freitag zwei minderjährige Mädchen aus dem Landkreis den Internet-Trend mitmachen wollten und anschließend in der Notaufnahme des Klinikums Garmisch-Partenkirchen landeten, ist dieser in aller Munde. Hierbei geht es darum, sich beim Verzehr eines sehr scharfen Mais-Chips zu filmen. Genau das taten die 13 und 14-Jährige, bevor sie mit Magenkrämpfen und Atembeschwerden das Klinikum erreichten. Wie die Polizei mitteilt, wurden die beiden noch am Freitag in unauffälligem Gesundheitszustand von dort entlassen.

Die Beamten ermitteln derzeit wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Klar ist, dass es sich bei dem Tortilla-Chip bisher um ein frei verkäufliches Produkt handelt. In einer Schachtel in Sargform ist ein einzelnes Exemplar aufbewahrt. Gewürzt ist dieses mit dem sogenannten „Carolina Reaper“, der wohl schärfsten Chilisorte der Welt. Nun steht die Frage im Raum, ob es sich dabei um ein gesundheitsschädliches Lebensmittel handelt, das vom Markt genommen werden muss. Dies prüft derzeit das Landeslabor des hessischen Umweltministeriums. Ein Ergebnis soll in den nächsten Tagen folgen. Mittlerweile ist auch klar, wie die beiden Mädchen an das Produkt kamen. In einem Snackautomaten im Einkaufszentrum GEP in Garmisch-Partenkirchen soll es erhältlich gewesen sein. Laut Polizei wurde der besagte Automat inzwischen von dort entfernt. (ts)

Erstmeldung Montag, 17. Oktober:

Garmisch-Partenkirchen – Fast schon pechschwarz ist er, der Tortilla-Chip, der in den Sozialen Medien seit Wochen in aller Munde ist. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Hot Chip Challenge heißt das Internet-Phänomen, das sich weltweit größter Beliebtheit erfreut. Wer daran teilnimmt, muss den extrem scharfen Tortilla-Chip essen.

Hot-Chip-Challenge: 14-jähriger Amerikaner stirbt – auch in Bayern Notfälle

Doch gerade für Kinder und Jugendliche kann der Chip zur großen Gefahr werden. Anfang September starb ein 14-jähriger US-Amerikaner, nachdem er an der Hot Chip Challenge teilgenommen hatte. Und auch in Bayern gibt es die ersten unschönen Fälle: Am Freitag landeten zwei junge Mädchen im Alter von 13 und 14 Jahren in der Notaufnahme des örtlichen Klinikums. Sie hatten sich einen der Chips gekauft – und nach dem Konsum erhebliche Atemprobleme erlitten, wie die Polizei mitteilt. Die Beamten ermitteln nun wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung.

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Auch die Verbraucherzentrale Bayern warnt eindringlich vor den Folgen des Konsums. „Personen, die nicht an scharfe Lebensmittel gewöhnt sind – und dazu zählen die meisten Kinder und Jugendliche – empfinden Schärfe in der Regel besonders stark“, erklärt eine Sprecherin. Es könne bei einem Konsum zu teils auch lebensbedrohlichen körperlichen Symptomen kommen.

In den sozialen Netzwerken ging die Hot Chip Challenge viral, weil auch bekannte Influencer sie ausprobierten. Der Hersteller selbst ruft aktiv zur Verbreitung von Videos und Bildern in den Sozialen Medien auf. Erhältlich sind die Chips ganz einfach online oder im Supermarktregal.

Verbraucherzentrale Bayern warnt: Hot Chip fast 1000 Mal schärfer als die empfohlene Stärke

Wer sich den Chip mit dem beigelegten Gummihandschuh in den Mund schiebt, kommt schon nach kurzer Zeit in den „Genuss“ eines intensiven, höllischen Brennens, das rund 20 Minuten anhält. Schuld daran ist der Inhaltsstoff Capsaicin. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung ist ein Hot Chip fast 1000 Mal schärfer als die empfohlene Stärke für einen Erwachsenen.

Doch wie umgehen mit dem Social-Media-Trend, der besonders Kinder und Jugendliche in seinen Bann zieht? „Eltern und Pädagogen sollten die Kinder im digitalen Raum begleiten und wissbegierig dabei sein, anstatt mit erhobenem Zeigefinger“, plädiert Lisa Mutschke vom JFF-Institut für Medienpädagogik. Man müsse dazu mit den Jugendlichen in den direkten Austausch gehen.

„Das kann den Körper extrem angreifen“: Medienpädagogen plädieren für mehr Aufklärungsarbeit

„Oft ist es bei diesen Challenges so, dass sie nicht ungefährlich sind“, sagt Björn Friedrich, Medienpädagoge bei der Münchner Einrichtung Studio im Netz. „Da gibt es ein klar erkennbares Muster.“ Häufig seien es Mutproben, die die Teilnehmer der Challenges bestehen müssten. Dem schließt sich auch Mutschke an. „Grundsätzlich ist das allerdings kein neues Phänomen“, schränkt die Medienpädagogin ein. Schon vor den Sozialen Medien hätte es schließlich immer wieder Mutproben gegeben.

Neu ist allerdings, welche enormen Reichweiten die Mutproben über die Sozialen Medien erzielen. Von über 20 Millionen Aufrufen spricht der Hersteller der Hot Chips. Trotz der Risiken findet die Challenge ungebremst Anklang.

„Gerade in der Jugend entwickeln viele ihre eigene Identität“, erklärt Mutschke. Den Jugendlichen gehe es dann darum, dazuzugehören, Anerkennung zu erfahren und Verbundenheit zu spüren. „Unser Tipp ist immer, sich gut zu überlegen, welche Folgen das haben kann. Das ist kein harmloser Spaß, sondern kann den Körper extrem angreifen“, mahnt Friedrich. „Man muss auch mal den Mut haben, Nein zu sagen und sich diesem Trend entgegenzusetzen.“ (vfi)

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