VonChristina Jachert-Maierschließen
Banane, Hufeisen, Zickzack: Alles Schnee von gestern. Die extravaganten Entwürfe für ein Hotel am Wiesseer Ufer sind passé, die Familie Strüngmann lässt neu planen. Aktuell feilen zwei Architekturbüros an Plänen.
Bad Wiessee – Das alte Hotel Lederer an der Wiesseer Seepromenade ist verschwunden, nur Nebengebäude stehen noch. Sie sollen nächstes Jahr weichen, auch das frühere Haus des Gastes und das Hotel Wittelsbach sind für den Abriss vorgesehen. Das gesamte Gelände, rund 30 000 Quadratmeter in Bestlage am See, hat der Tegernseer Unternehmer Thomas Strüngmann, Mit-Begründer der Firma Hexal, für seine Kinder gekauft. Ein Leuchtturmprojekt soll entstehen. Kein Klotz am See, sondern ein architektonisches Meisterstück, das sich behutsam zwischen Wasser und Berge schiebt. Ende Februar sollen neue Entwürfe fertig sein, berichtet Sebastian Roth, Sprecher von Strüngmanns Familienbüro Athos.
„Zwei Architekturbüros sind im Feinschliff ihrer Entwurfsarbeit“, teilt Roth mit. Nach einer eingehenden Prüfung werde die Entscheidung für eine der Varianten fallen. Dann folgten die Präsentationen im Gemeinderat und später in der Öffentlichkeit.
Präsentiert wurde schon so einiges. 2014 war es ein 130-Zimmer-Hotel in Form eine Banane, das der von der Gemeinde beauftragte Städteplaner Eberhard von Angerer vorstellte. Im Juni 2016 zeigte Athos ein 220-Zimmer-Haus in Hufeisenform, 2017 ein deutlich kleineres Zickzack-Gebäude mit 120 bis 140 Zimmern. Im Juli 2017 stimmte der Gemeinderat Letzterem zu. Zu diesem Entwurf gehörten fünf Wohn- und Geschäftshäuser als „flankierende Bebauung“. Kritik aus der Bevölkerung gab’s jedoch reichlich, und auch dem Bauherren selbst war der Komplex letztlich zu massiv. Er kippte die Planung und startete eine zweite Ausschreibung.
Die gesamte Planung und Entwicklung, erklärt Roth, erfolge im Einvernehmen und in enger Abstimmung mit den Bürgermeistern und der Verwaltung vor Ort. Der neue Entwurf sehe ein kleineres Hotel mit einer Zimmerzahl von unter 100 vor. Ob wieder fünf Wohn- und Geschäftshäuser zur Planung gehören, sei noch offen. „Aber es wird auf jeden Fall etwas Besonderes werden.“
Die Gemeinde hat ihre Wünsche klar definiert. „Wir wollen ein Gebäude im alpenländischen Stil, das sich in die Landschaft einfügt“, erklärt Robert Huber (SPD) als amtierender Bürgermeister. Nichts Exotisches wie einst die Banane oder später Hufeisen und Zickzack. „Die Extravaganzen kommen nicht an“, weiß Huber. Mit solchen Entwürfen habe die Gemeinde stets Schiffbruch erlitten. Was Strüngmanns Büro jetzt plant, hat Huber noch nicht gesehen. Er geht davon aus, dass sich das bald ändert. „Wir haben zeitlich keinen Druck gemacht“, meint Huber. Aber jetzt sei viel Zeit verstrichen. Schon 2012 hatte die Gemeinde Strüngmann das ehemalige Spielbank-Grundstück verkauft, für günstige 4,7 Millionen Euro. Dies im Vertrauen darauf, dass Strüngmann an der Uferpromenade ein touristisches Juwel entstehen lässt. 2015 konnte Strüngmann nach langem Ringen dann auch das Lederer-Gelände erwerben. Seitdem wartet man auf den großen Wurf. „In diesem Jahr sollten die Dinge jetzt auf die Reihe kommen“, findet Huber. Bis zum Jahresende müsse nicht nur eine Planung für die Bebauung an der Seepromenade vorliegen, sondern auch die Genehmigung. Damit bleibt Athos nicht viel Zeit, einen Entwurf an den Start zu bringen. Die Genehmigungsphase dauert mindestens ein halbes Jahr.
Was die Planung so schwierig macht, ist nicht nur die sensible Lage, sondern vor allem die Beschaffenheit des Untergrunds. „Purer Baatz“, sagt Huber. Wer im Schwemmland bauen will, muss alles auf Betonpfähle setzen. Das macht Neubauten sehr aufwendig und sehr teuer, wie Huber weiß: „Das ist die größte Herausforderung, vor der ein Bauherr stehen kann.“
