VonPatrick Staarschließen
Gemeinschaft zählt zu den Markenzeichen von Jugendherbergen. Doch gerade dieses Attribut beißt sich mit den Hygiene-Vorschriften zur Eindämmung des Coronavirus’. Ein riesiges Problem für die Einrichtungen im Landkreis.
Bad Tölz-Wolfratshausen – Für Hotel-Betreiber ist es nicht einfach, einigermaßen unbeschadet durch die Corona-Krise zu kommen. Noch schwieriger ist die Situation für die Jugendherbergen. Halbwegs glimpflich ist bisher lediglich die Einrichtung in Lenggries davongekommen. Die Sport-Jugendherberge in Bad Tölz dagegen hat 90 Prozent ihrer Gäste verloren. Die Einrichtungen in Walchensee und Benediktbeuern bleiben wegen der strengen Hygiene-Vorschriften vorerst geschlossen.
„Lange können wir das finanziell nicht mehr durchhalten“, sagt Schwester Johanna Moßburger, Leiterin der Jugendherberge Miriam in Benediktbeuern. Dieses Haus bietet in 28 Zimmern Platz für 125 Betten. „Alle Zimmer waren mit Schulklassen ausgebucht“, sagt Moßburger. „Aber wir haben alles absagen müssen.“
Die vorsichtige Wiedereröffnung sei für Juni geplant gewesen. Doch dann stellte sich heraus, dass die Hygiene-Vorschriften nicht einzuhalten sind. Viele Zimmer sind ohne Dusche und WC. „Daher können wir auf jedem Stockwerk nur noch zwei statt zehn Familien unterbringen.“ Moßburger hofft, im Juli wieder aufzusperren. „Wir wollten eigentlich mit Elan anfangen, aber es sieht nicht so rosig aus, wie wir das gerne hätten. Wir werden uns vorbereiten und den Auflagen nachkommen. Ob’s klappt, weiß ich nicht.“ Derzeit befänden sich alle sechs Mitarbeiter in Kurzarbeit.
Ähnlich ist die Situation der Jugendherberge in Walchensee. Auch sie kann wegen der Hygiene-Vorschriften momentan nicht öffnen. Leiter Rico Hofmann befindet sich derzeit in Urlaub und war für eine Stellungnahme ebenso wenig erreichbar wie Björn Koalick, Leiter der ebenfalls geschlossenen Jugendherberge „Don Bosco“ in Benediktbeuern.
Alles andere als rosig ist auch die Situation der Tölzer Sport-Jugendherberge, auch wenn sie seit dem 2. Juni wieder geöffnet ist. Zeitweise war Barbara Bielmeier die einzige Person in dem 186-Betten-Haus: „Das war schon sehr gruselig“, sagt die stellvertretende Herbergsleiterin. „Ich bin froh, dass inzwischen wenigstens ein paar Gäste und die Kollegen wieder da sind.“
In den Pfingstferien seien immerhin zehn Prozent der Betten belegt gewesen. „Aber bis in den ersten Bundesländern die Sommerferien beginnen, sieht es sehr mau aus.“ Das Problem sei, dass die Jugendherberge auf Gruppen ausgelegt ist. „In den Ferien wären wir mit Sportvereinen ausgebucht gewesen und danach mit Schulklassen. Aber jetzt überlegen sich viele, ob sie wegfahren.“
Frühstück hinter Glasscheiben
Mehr als 60 Personen könne die Jugendherberge momentan ohnehin kaum aufnehmen, „sonst wird’s mit der Frühstücks-Situation schwierig“. Bisher sei es üblich gewesen, dass sich die Gäste am Buffet selbst bedienen. Doch dies ist aufgrund der Hygiene-Richtlinien nicht mehr erlaubt. Das Frühstück steht nun hinter einer Glasscheibe und muss einzeln mit einem Tablett gereicht werden. „Das geht natürlich viel langsamer, als wenn man sich am Buffet bedient“, sagt Bielmeier. Abgesehen davon sei es bei mehr als 60 Gästen schwierig, die Sicherheits-Abstände im Frühstücksraum einzuhalten. So gut wie alle 17 Mitarbeiter sind derzeit in Kurzarbeit.
Auch in der Lenggrieser Jugendherberge ist bei allen zwölf Mitarbeitern Kurzarbeit angesagt. Und doch ist die Situation etwas besser als in Tölz und Benediktbeuern. Der Grund? „Tölz und Benediktbeuern haben ein wunderbares Umfeld und bespielen eine ganz spezielle Klientel. Wir fahren dagegen zweigleisig“, erläutert Leiter Uwe Dietrich. „Zu uns kommen nicht nur Gruppen, sondern aus der Historie heraus auch viele Familien. Das wirkt sich jetzt positiv aus.“
Renovierungen zahlen sich aus
Zudem sei das Haus erst 2013 renoviert worden. Seither verfügt ein Großteil der Zimmer über Dusche und WC: „Auch das zahlt sich jetzt aus“, sagt Dietrich. 13 der 21 Zimmer seien nutzbar. Unter diesen schwierigen Umständen sei die Auslastung in den vergangenen Wochen „sehr gut“ gewesen. In den kommenden Wochen sehe es jedoch „mau“ aus. Dietrich: „Jetzt sind nicht mehr so viele Familien unterwegs. Ich denke, die Leute warten ab, wie sich die Corona-Zahlen entwickeln.
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