- VonAndrea Kästleschließen
Ickinger Bürger verfolgen das Ziel, ihre Gemeinde von Öl und Gas komplett unabhängig zu machen. Zu diesem Zweck wurde jetzt eine Genossenschaft gegründet.
Icking – Die Energiegenossenschaft Icking-Isartal ist zwar noch nicht offiziell eingetragen beim Bayerischen Genossenschaftsverband und befindet sich aus diesem Grund noch immer „in Gründung“. Doch eine Gründungsversammlung konnten die Initiatoren schon abhalten. Im sogenannten Wasserstoff-Haus in Irschenhausen, wo Andreas Seebach an einem ausschließlich durch Wasserstoff mit Energie belieferten Haushalt bastelt, wählten 22 Gründungsmitglieder Karlheinz Seim und Johannes Voit ins Amt der Vorstände – sowie Andreas Seebach zum Aufsichtsratsvorsitzenden den. „Damit sind wir handlungsfähig“, stellte das Trio in einer anschließenden Pressekonferenz fest.
Das Ziel heißt „Dekarbonisierung“
Vorgenommen haben sich die Herren, das wurde schnell klar, jede Menge. Fernziel ist eine komplette „Dekarbonisierung“ der Isartalgemeinde binnen der nächsten fünf bis zehn Jahre – ein ambitioniertes Vorhaben, weil man davon ausgehen darf, dass sich der Stromverbrauch pro Kopf in naher Zukunft verdoppeln oder sogar verdreifachen wird. Schließlich sollen Deutsche zeitnah unter anderem E-Autos fahren und ihre Heizung mittels Wärmepumpen betreiben – dazu braucht’s Strom.
Schwerpunkt auf Photovoltaik-Anlagen
Ein erster Schritt ist, „so viele Dächer wie möglich“ in der Gemeinde mit Photovoltaik-Anlagen zu bestücken. Ein Fünftel aller Ickinger Häuser erzeugt schon eigenen Strom oder verfügt wenigstens über Solarthermie, auch alle kommunalen Liegenschaften haben schon eine PV-Anlage – die anderen Anwesen sollen möglichst bald folgen. Schritt zwei wäre dann, überschüssigen Strom über die Genossenschaft weiter zu verkaufen beziehungsweise Strom über die lokale Genossenschaft beziehen zu können.
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35 Ickinger und Isartal-Bewohner haben sich mit einer Einlage von je 500 Euro bereits eingekauft in die Genossenschaft. Sie haben auf lange Sicht damit auch die Möglichkeit, sich an weiteren grünen Energiekraftwerken zu beteiligen, um die auch Icking nicht herum kommen wird: große PV-Freiflächenanlagen etwa, von denen bereits zwei vorhanden beziehungsweise geplant sind – in Walchstadt und Attenhausen –, außerdem Hackschnitzel-betriebene Quartiers-Kraftwerke, um einzelne Straßenzüge oder auch das komplett vom Öl abhängige Holzen mit Wärme zu versorgen.
Auch Nicht-Genossen werden beraten
Außerdem: „Ohne Windkraft geht es nicht“, was nicht heißen müsse, dass die Gemeinde nun noch ein Windrad bauen müsse. Auch Beteiligungen an schon vorhandenen Windrädern in der Region seien denkbar, sagten Seim und Seebach.
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Im Wasserstoff-Haus herrschte rund um die Gründungsversammlung den ganzen Nachmittag ziemlicher Betrieb. Die Besucher erfuhren unter anderem, dass man sich von den Beteiligten auch beraten lassen kann, wenn man (noch) kein Genosse ist, dass man über die Genossenschaft dann aber wahrscheinlich schneller an die momentan sehr begehrten Solarpaneele kommt und als Mitglied auch Fachfirmen und Handwerker empfohlen bekommt.
Bürgermeisterin Verena Reithmann war vor Ort, zum einen, weil die Kommune Mitglied der Genossenschaft wurde. Zum anderen, um den Initiatoren Mut zu machen: „Die Genossenschaft ist das absolut richtige Vehikel, um private Investitionen voranzutreiben“ – ein „Glücksfall für die Gemeinde“.
Infos Im Internet: e-king-isartal.de
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