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Die Bedenken gegenüber dem neuen Supermarkt an der Hauptstraße waren groß. Dennoch: Bei der Eröffnung am Donnerstag waren (fast) nur lobende Worte zu hören.
Icking – Äußerst kontroverse Debatten im Gemeinderat, große Skepsis in der Bürgerschaft: Leicht tat sich in der Isartal-Gemeinde niemand mit dem Großprojekt Supermarkt, das nun nach etlichen Jahren der Planung und einer langen Bauphase abgeschlossen worden ist. Überdimensioniert, hässlich, am falschen Standort, schimpften die Kritiker. Nun steht das Gebäude mit Scheunenoptik an der Mittenwalder Straße, für geladene Gäste öffnete der neue Supermarkt in Icking am Donnerstagabend das erste Mal seine Türen.
„Was lange währt, wird endlich gut“, fasste Bürgermeisterin Margit Menrad die über viele Jahre mühsame Entwicklung des Marktes am Donnerstag vor Ort zusammen. Zum sogenannten Pre-Opening kamen neben dem Bad Reichenhaller Investor Josef Reichenberger unter anderem Evi und Markus Brandl von der Metzgerei Vinzenz Murr, Bernhard Bauer als Repräsentant der Bäckerei Ihle sowie zahlreiche Gemeinderäte und Vertreter der Ickinger Vereine.
Supermarkt punktet mit Optik
Vor Beginn der Eröffnungsfeierlichkeiten zeigte sich Gemeinderat Dr. Alfred Vogel nach dem zähen und jahrelangen Hin und Her einigermaßen versöhnt und meinte mit Blick auf das prägnante Gebäude mitten im Ort: „Der Supermarkt ist ja jetzt doch deutlich schöner als anfangs gedacht.“ Den kirchlichen Segen spendete dem Objekt die evangelische Pfarrerin Sabine Sommer gemeinsam mit Pater Johannes vom Kloster Schäftlarn.
Doch neben viel Lob waren am Rande des Pre-Opening auch kritische Stimmen zu hören. Vor allem Beatrice Wagner, Vorsitzende der Ortsgruppe des Bund Naturschutz, zeigte sich enttäuscht: „Dieser Markt ist kein bisschen innovativ und leider bei Weitem nicht plastikfrei.“ In Wagners Augen ist die Chance vertan worden, „es besser zu machen“. Zudem sorge sie sich um die kleineren Geschäfte im Rathaus, die es durch das breite Rewe-Sortiment auf 910 Quadratmetern Verkaufsfläche künftig vermutlich schwer haben dürften.
Süleyman Ilgin, Betreiber des benachbarten Feinkostladens „Früchtchen“ blieb hingegen gelassen und meinte mit einem Lächeln: „Konkurrenz belebt doch bekanntlich das Geschäft. Warten wir mal, wie sich Icking jetzt entwickelt.“ So pragmatisch äußerte sich auch Anni Baumgarten (Schreibwaren, Backwaren und Feinkost Baumgarten): „Wir werden sehen, wie sich die Dinge entwickeln.“
Unsere Zeitung hatte mit Blick auf die Supermarkt-Eröffnung bereits vor einigen Tagen mit Ilgin gesprochen. Eine übermächtige Konkurrenz fürchte er nicht, sagte er in dem Gespräch. „Die Leute, die zu meinem Laden fahren, kommen bewusst hierher.“ Sie steuerten das „Früchtchen“ an, weil sie von dem Angebot und der Qualität überzeugt seien. Einige seiner Stammkunden seien in Kochel am See oder München sesshaft.
„Ich sehe die Veränderung als Frequenzerweiterung“, erklärt Ilgin gegenüber unserer Zeitung. Die Kunden, die den neuen Supermarkt besuchen, würden auf diesem Weg auch ihn kennenlernen. „Vieles gibt es im Supermarkt nicht, also schauen sie mal bei mir nach und werden fündig.“ Seine Erfahrungen würden ihm zeigen, dass Supermärkte nicht die Existenz von kleinen Geschäften bedrohen, sondern sie bereichern. Ein Bekannter von Ilgin betrieb seinen Laden in der Nähe eines Discounters. „Als der geschlossen hat, dachte mein Kollege, dass der Zulauf in seinem Geschäft steigen würde“, so der 35-jährige Ilgin. Das Gegenteil sei der Fall gewesen. Jene, die auf ihrer Einkaufsrunde stets bei seinem Bekannten vorbeigeschaut hatten, seien zu einem großen Discounter in der Nähe weitergezogen.
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Im Landhotel Klostermaier, das sich gegenüber des neuen Rewe-Marktes befindet, haben sich in den vergangenen Monaten viele Gäste über die große Baustelle vis-à-vis gewundert. „Unsere Stammgäste kennen auf dieser Fläche bisher nur eine grüne Wiese und den Maibaum“, erklärt Katharina Schmid, Tochter der Inhaberin Karin Schmid. „Dass der Supermarkt unser Geschäft beeinflussen wird, glauben wir nicht“, meint sie. Die Mitarbeiter des Hotel-Restaurants würden sich über die zusätzliche Einkaufsmöglichkeit freuen. Ähnlich sei das mutmaßlich bei ihren Hotelgästen: „Viele unserer Gäste aus dem Ausland waren bisher verwundert, dass es in der Nähe kein Geschäft gibt, in dem man sich einfach schnell mal eine Zahnbürste kaufen kann.“ Bedenken hegen die Schmids nur, was die Parksituation an der B 11 betrifft. „Wir hoffen, dass unsere Gäste nicht auf dem Supermarkt-Parkplatz parken und die Rewe-Kunden nicht bei uns, sodass Konflikte entstehen“, sagt Karin Schmid.
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Der 29-jährige Rewe-Filial-Chef Adrian Bryant setzte bei seiner Pre-Opening-Ansprache am Donnerstag vor allem auf Teamgeist und ein erfolgreiches Miteinander. Als „echtes Rewe-Kind“ freue er sich nach seiner Ausbildung und zuletzt vier Jahren als Marktleiter in Neubiberg vor allem, jetzt wieder in seinen Heimatlandkreis zurückgekehrt zu sein. Bettina Sewald, Leonora Mitreuter

