VonSilke Schederschließen
Ihren Besuch im Tölzer Bergwachtzentrum nutzte Landtagspräsidentin Ilse Aigner für einen eindringlichen Appell an die Erholungssuchenden.
Bad Tölz – Prominenter Besuch im Bergwachtzentrum auf der Tölzer Flinthöhe: Landtagspräsidentin Ilse Aigner schaute am Freitag vorbei, um sich zu informieren, wie die ehrenamtlichen Retter in Zeiten von Corona anderen helfen, ohne sich selbst einem zu großen Risiko auszusetzen. Gleichzeitig appellierte Aigner zu Beginn der Pfingstferien an Erholungssuchende, Rücksicht zu nehmen. „Helfen wir alle, damit ehrenamtliche Retter nicht an ihre Grenzen stoßen.“
Zuvor hatte die CSU-Politikerin aus demselben Grund die Wasserwacht in Münsing besucht. Egal ob an den Seen oder auf dem Berg: Sie wolle dafür sensibilisieren, dass jeder Einsatz ein zusätzliches Risiko für die ehrenamtlichen Retter darstelle. Denn kommen die Einsatzkräfte dabei in Kontakt mit Covid 19, müssen sie in eine zweiwöchige Quarantäne – und reißen Lücken in weitere Dienst- und Einsatzpläne.
Aus diesem Grund sind die Teams inzwischen verkleinert worden, sagte Otto Möslang, Landesleiter der Bergwacht Bayern. Außerdem tragen die Bergretter Handschuhe, eine Schutzbrille und eine FFP2-Schutzmaske, wenn sie am Patienten sind. Ein Schlauchschal, der zusätzlich über die Maske gezogen wird, soll den Schutz verdoppeln.
Das sind nur einige Beispiele, wie die Bergwacht trotz Corona handlungsfähig bleiben will. In den vergangenen Wochen und Monaten wurden im Bergwachtzentrum Einsatztaktiken definiert und Abläufe standardisiert. Genau das sei die Aufgabe des Zentrums für Sicherheit und Ausbildung (ZSA), wie das Bergwachtzentrum offiziell heißt, sagte ZSA-Betriebsleiter Tobias Vogl. Theoretisch wurden die Einsatzkräfte bereits durch zahlreiche E-Mails und ein internes Informationssystem geschult. Ab Dienstag darf in der Halle mit ihren weltweit einzigartigen Simulationsmöglichkeiten wieder der Ernstfall trainiert werden.
Ilse Aigner bekam schon am Freitag eine Kostprobe dessen, was auf der Tölzer Flinthöhe alles möglich ist. Ein Team stellte die Rettung eines Mannes aus einem Klettersteig nach. Bei der Demonstration erfuhr Aigner unter anderem, dass zu den coronabedingten Schutzmaßnahmen auch gehört, dass die Retter nicht im Helikopter zum Unglücksort fliegen. „Sie hängen draußen am Haken“, sagte Betriebsleiter Vogl. Auch der Patient wird im Luftbergesack außerhalb des Helikopters transportiert. Für Aigner eine beängstigende Vorstellung. „Die Aussicht ist aber schön“, witzelte Vogl. Außerdem müsse so der Hubschrauber nicht nach jedem Einsatz desinfiziert werden, nannte er den eigentlichen Grund.
Bergwacht fühlt sich gut gerüstet
Im Beisein des Tölzer Bürgermeisters Ingo Mehner und des Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber (beide CSU) erfuhr Aigner auch, dass die Retter dem Verunglückten als erstes eine Maske anlegen, wenn sie ihn erreichen. Muss beatmet werden, enthalten die Beatmungsbeutel inzwischen einen speziellen Filter. Außerdem behält der Patient die Beatmungsmaske bis zum Ende des Einsatzes auf. So kommen die Einsatzkräfte nicht mit dessen Atemluft in Kontakt.
Ob man bei der Bergwacht mit einem erhöhten Besucherandrang und damit steigenden Einsatzzahlen in den Pfingstferien rechne, wollte Ilse Aigner am Ende wissen. „Wir sind gerüstet, was immer auch kommt“, versicherte ZSA-Betriebsleiter Vogl.
Aigner: Nicht nur in Oberbayern ist es schön
In einer Pressemitteilung appellierte die Landtagspräsidentin zusätzlich an die Verantwortung aller: „Wir wollen kein zweites Ischgl werden“, heißt es darin. Im Übrigen seien nicht nur Oberbayern und das Allgäu lohnende Ferienziele für den Urlaub im eigenen Land. Auch das die Oberpfalz, der Bayerische Wald und das Altmühltal seien es wert, erkundet zu werden, um nur einige Beispiele zu nennen. „Wir müssen ja nicht alle gleichzeitig auf denselben Berg kraxeln oder in denselben See springen.“
Lesen Sie auch:
Grenzübertritt: Ist ein Ausflug in die Eng erlaubt?
Verkehrskollaps am Walchensee verhindern: Schilder, Kontrollen und mehr Parkplätze sollen helfen
