Stadtmuseum Weilheim

Knochen und Erde auf dem Schreibtisch: Im geschlossenen Museum ist viel zu tun

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Die Statuen aus dem zweiten Stock des Stadtmuseums müssen noch ins Depot verfrachtet werden. Mittendrin: Museumsleiter Tobias Güthner. Die Grabungen unter Güthners Büro förderten Tierknochen zu Tage
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Die Dauerausstellung des Stadtmuseums ist bis auf Weiteres geschlossen. Langweilig wird es dem Leiter, Tobias Güthner, trotzdem nicht. Im Gegenteil.

Weilheim – Ungewöhnlich und fast ein wenig unheimlich sehen die Ausstellungsräume des Stadtmuseums derzeit aus. Der Strom ist abgeschaltet, durch die abgedunkelten Fenster dringt nur wenig Licht. Als Vorbereitung für den Umbau des historischen Gebäudes wurden die Holzböden zum Teil aufgerissen und große Löcher in die Wände gebohrt. Viele der Exponate sind bereits ausgelagert, anderen stehen noch an ihrem Platz: so der Prunkschrank aus dem 16. Jahrhundert und das große Stadtmodell. Im zweiten Stock warten Statuen auf ihren Umzug ins Depot. Unter ihnen auch der Weilheimer Palmesel-Christus. Zum Schutz vor Staub und Schutz hat man ihn mit einem Tuch bedeckt.

Schon seit über einem Jahr können die Museumsräume nicht mehr besucht werden. Aus Brandschutzgründen musste man die Dauerausstellung schließen. Nur der Sonderausstellungsraum im Erdgeschoss ist weiterhin geöffnet. „Und das soll auch so lange wie möglich so bleiben“, sagt Tobias Güthner, Leiter des Museums.

Künftig noch mehr Stadtgeschichte

Der promovierte Kunsthistoriker hat durch die Teilschließung nicht wirklich weniger zu tun. „Was wegfällt, sind lediglich die Führungen“, sagt er. „Eine Dauerausstellung macht einem Museumsleiter nicht so viel Arbeit.“ Und was macht ein Museumsleiter dann, wenn ein Großteil der Ausstellung geschlossen ist? Wie sich im Gespräch herausstellt, hat Güthner viele Aufgaben. Es ist ein abwechslungsreicher Job – vor allem dann, wenn ein Umbau ansteht. „Genau diese Abwechslung mag ich an meinem Beruf“, so der 48-Jährige.

Güthner arbeitet an der konzeptionellen Neugestaltung des Museums. Mehr Stadtgeschichte soll es in Zukunft geben, und das bis in die Jetztzeit hinein. Dafür recherchiert er in verschiedenen Archiven, verfasst Texte für die Medienstationen, fotografiert und sucht im Internet nach weiteren Exponaten, die die Dauerausstellung ergänzen könnten. Er steht im regen Kontakt mit dem Büro „Studio Neue Museen“, das 2021 den Wettbewerb zur Gestaltung und Innenausstattung des Museums gewonnen hatte. Auch mit den Architekten von „Claus+Forster“ tauscht sich Güthner aus. Das Büro ist für den Umbau und das damit verbundene neue Brandschutzkonzept zuständig.

Kunstsprechstunde mit dem Museumsleiter

Außerdem bietet der Museumsleiter einmal in der Woche eine Kunstsprechstunde an. Immer dienstags von 11 bis 13 Uhr können Interessierte ohne Anmeldung im „ZwischenRaum“ vorbeischauen und sich dort mit Güthner zum Thema „Kunst“ austauschen. Keiner seiner Arbeitstage gleicht somit dem anderen. „In der Regel bin ich vier Tage die Woche im Museum.“ Das auch am Montag, wenn das Museum für die Öffentlichkeit geschlossen ist. „Die Leute meinen immer, da hat man frei. Aber dem ist nicht so.“ Hinter den Kulissen läuft der Betrieb schließlich weiter. Die Einlagerung der Exponate will vorangebracht werden – das übernehmen Güthner und seine Mitarbeiter zum Teil selbst, nur für die größeren und schwereren Kunstgegenstände kommt eine Spezialfirma.

Und während die Ausstellungsräume im Obergeschoss peu à peu immer leerer werden, sieht Güthners Büro noch so aus wie immer. In den Regalen reiht sich ein Kunstband an den nächsten, auf seinem Schreibtisch liegen zahlreiche Dokumente. Ein Blick hinter Güthners Arbeitsplatz lässt am Boden eine große Einlassung erkennen. Im Zuge einer Bodenuntersuchung wurde hier im Dezember vergangenen Jahres ein großes Loch gegraben, das aber mittlerweile wieder versiegelt ist. „Auf meinem Schreibtisch hatte ich damals einen großen Haufen Erde, in der eine Menge Knochen steckten“, erinnert sich Güthner.

Grabungen unter Güthners Büro förderten Tierknochen zu Tage

Eigentlich hatte man menschliche Überreste erwartet, schließlich gab es nahe der Pfarrkirche einmal einen Friedhof. „Bei den Knochen, die man unter meinem Büro gefunden hat, handelt es sich aber um ausgekochte Tierknochen“, sagt Güthner. Deshalb gehe man nun davon aus, dass an dieser Stelle Tiere geschlachtet wurden, und das noch vor Errichtung des Gebäudes im Jahr 1538. Was diese Erkenntnisse für den Umbau bedeuten, steht noch nicht fest. Die geplante Unterkellerung könnte laut Güthner deshalb aufwändiger werden als angenommen. Güthner wartet auf den finalen Bericht der Archäologen.

Bis dieser vorliegt, wird ihm bei seinem Programm nicht langweilig werden. Erst vergangene Woche hatte er sich mit dem Leiter eines anderen bayerischen Museums getroffen. Inhalt des Gesprächs war die passende Belüftung für die Museumsräume. Denn auch um solche bautechnischen Details muss sich der Chef des Stadtmuseums kümmern.

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