VonGerti Reichlschließen
Golfclub verklagt Golfplatz. Diese kuriose Geschichte beschäftigte das Landgericht München. Jetzt ist der Streit beigelegt.
Bad Wiessee/Waakirchen – Darf ein Golfplatz Golfplatz Tegernsee heißen, obwohl er gar nicht am Tegernsee liegt? Eine heikle Frage, mit der sich das Münchner Landgericht beschäftigen musste. Der Tegernseer Golf-Club Bad Wiessee, 1958 gegründet und direkt am Tegernsee gelegen, hatte im Sommer den Golfplatz-Neuling in Piesenkam verklagt. Der Vorwurf: Irreführung und Markenverletzung. Weil es eben besser klingt und für ein besseres Image sorgt, hatte Unternehmer Karl-Heinz Krutz für seine neu eröffnete 18-Loch-Anlage im 300-Einwohner-Dorf Piesenkam den Namen Golfplatz Tegernsee gewählt.
Die Wiesseer regten sich mächtig darüber auf, weil sich viele Golfer, die am Tegernsee auf die Runde gehen wollten, schlichtweg verfuhren, wenn sie im Internet bei Google den Namen Golfclub Tegernsee eingaben. Als ersten Treffer fanden sie den Golfplatz Tegernsee – eben den in Piesenkam und nicht den in Bad Wiessee. Ein Machtwort musste gesprochen werden, um die Verwechslung ein für alle Mal aus dem Weg zu räumen.
„Lösung ist für keinen weiter dramatisch“
Nun ist der Streit beendet. Ohne großen Wirbel darum zu machen, wurde ein Vergleich geschlossen. Und der sieht so aus: Die Piesenkamer müssen sich künftig Golfplatz Waakirchen Tegernsee nennen. Alle Logos sind bereits geändert. Ein bisschen Tegernsee dürfen sie also behalten, wohl auch, weil der Sitz der KG Golfplatz Tegernsee sich in Rottach-Egern befindet und auch der 6-Loch-Kurzplatz am Ledererweg in Tegernsee dazu gehört. Dieser Kompromiss wurde ausgehandelt: „Ausgehandelt ist das richtige Wort“, sagt Andrea Fräsdorf vom Golfplatz in Piesenkam. Viele Spieler hätten von dem Streit in der Zeitung gelesen, berichtet Fräsdorf. „Die meisten konnten es nicht verstehen, warum sich die Wiesseer so darüber aufgeregt haben.“ Der gefundene Kompromiss sei nun aber eine Lösung, „die für keinen weiter dramatisch“ sei.
Ist es wohl tatsächlich nicht. Hanns-Peter Horstmann, Manager des Tegernseer Golf-Clubs Bad Wiessee, bestätigt, dass es zu dem Vergleich vor Gericht gekommen ist und zeigt sich versöhnlich: „Es handelt sich jetzt um eine vernünftige Lösung, mit der wir gut leben können.“ Mehr hat er dazu nicht zu sagen.
Wer nun also am Tegernsee ein paar Bälle schlagen will und bei Google den Namen Golfclub Tegernsee eingibt, findet als ersten Treffer wieder den Tegernseer Golf-Club Bad Wiessee. Gefolgt von Golf Valley, das sich übrigens auch mit fremden Federn schmückt: Dessen Logo enthält das Wort München. Und Valley liegt eigentlich nicht bei München.
gr
