WÜRDIGUNG

„Im Herzen immer ein Kinderdörfler“: Kinderdorf-Leiter Wolfgang Hodbod feierlich in den Ruhestand verabschiedet

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Viele lobende Worte nicht nur von (v.l.) Landrat Olaf von Löwis erhielt Wolfgang Hodbod. Auch Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Gabriele Stark-Angermeier (Caritas-Vorstand ) würdigten die Arbeit des Dorfleiters. „Der bringt ganz schön viel Power mit“ Den ersten und den letzten Schlüssel überreicht Bewegende Worte: „Das Kinderdorf war mein Zuhause“

Wolfgang Hodbod hatte es geahnt und sich eigens drei Steine in die Sakkotasche gesteckt, „damit ich nicht abhebe vor so viel Lob“.

Irschenberg – Denn gelobt wurde der langjähriger Leiter des Caritas-Kinderdorfs in Irschenberg bei seiner Verabschiedung am Donnerstagabend tatsächlich pausenlos. In einer zweistündigen, sehr persönlichen Feier gab es zahlreiche Dankesreden aus berufenem Munde. Geschenke wurden zuhauf überreicht, die Lehrerband spielte auf, gelacht wurde nicht wenig, aber auch Tränen der Rührung flossen.

Hodbod leitete die Geschicke des Kinderdorfs mit rund 300 betreuten Kindern und Jugendlichen sowie 120 Angestellten 32 Jahre lang. Voriges Jahr wurde das 50-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert. Landtagspräsidentin und CSU-Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner gab in ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Fördervereins die Tonart vor, als sie die Anwesenden als „liebe Kinderdorffamilie“ begrüßte. Mit Verweis auf Johann Wolfgang von Goethe sagte sie, Kinder sollten von ihren Eltern zwei Dinge bekommen: Wurzeln und Flügel. „Es ist Ihnen in 32 Jahren gelungen, Hunderten Kindern, die nicht in einer intakten Familie geboren werden konnten, Flügel zu geben, dass sie in ihre Welt fliegen können.“

Nach dem Motto „Not sehen und handeln“ habe der Dorfleiter auch minderjährige unbegleitete Flüchtlinge untergebracht. Dankbar zeigte sich Aigner, dass Hodbod dem Kinderdorf als Vorstandsmitglied des Fördervereins verbunden bleibe.

Das Vorstandsmitglied im Caritasverband der Erzdiözese München und Freising, Gabriele Stark-Angermeier, betonte, dass Hodbod nicht nur lange Zeit die Geschicke des Kinderdorfs, sondern auch der Caritas als katholischer Wohlfahrtsverband geprägt habe. „Es war immer Platz im Kinderdorf“, brachte sie die Arbeit des Heimleiters auf den Punkt. „Im Herzen bleiben Sie immer ein Kinderdörfler.“

Augenzwinkernd an die Ehefrau und die beiden Töchter von Hodbod gewandt, meinte Stark-Angermeier mit Blick auf den Ruhestand Hodbods: „Der bringt ganz schön viel Power mit.“ Da sei es gut, dass er samt Familie demnächst viel im Wohnmobil unterwegs sei.

Vom „Mister Kinderdorf“ sprach Landrat Olaf von Löwis, der dem scheidenden Geschäftsführer schon zuvor einen Kanister Sprit fürs Urlaubsgefährt spendiert hatte, während es von Aigner einen Zuschuss zur Jahresvignette für die österreichischen Autobahnen gab. Hodbod sei aber auch ein „Exportschlager“, weil das Kinderdorf in den Raum Rosenheim und bis nach München ausstrahle. „Kinder brauchen Liebe. Diese Liebe haben Sie den Kindern geschenkt“, sagte von Löwis. Unter dem Beifall der gut 100 Gäste schloss der Landrat. „Ich darf Dank sagen für Ihr großartiges Lebenswerk.“

Bürgermeister Klaus Meixner drückte sich bildlich aus: Hodbod habe als Dorfleiter das Ruder eines großen Segelschiffes übernommen und die Segel hervorragend gesetzt. Die Caritas-Einrichtung sei für Irschenberg „ein Dorf im Dorf“. Und in diesem gastfreundlichen Dorf hätten auch immer wieder gemeindliche Feste gefeiert werden können.

Viel Raum nahmen bei der Verabschiedung Wortbeiträge des Personals ein. Schulleiter Thomas Wimmer bedankte sich bei seinem scheidenden Chef für die „ganz besondere Form der Zusammenarbeit“. Er sprach von den drei magischen Qualitäten Hodbods: Er habe der Schule in entscheidenden Momenten den Rücken gestärkt, es ihr ermöglicht, die notwendigen Entwicklungsschritte selbst zu gehen, sowie stets die Sache in den Vordergrund gestellt. Humorvoll meinte Wimmer, der Kinderdorfleiter habe sich als Führungsperson das Prädikat „Leuchtturm plus“ erworben, und überreichte ihm dazu ein Leuchtturm-Modell.

Andere Mitarbeitende würdigten Hodbod als „supertollen Kollegen“ und hoben dessen Humor hervor. Schwester Henriette Leisgang von den Schwestern der Heiligen Familie – sie gehörte zu den leitenden Mitarbeiterinnen der ersten Stunde der Einrichtung – freute sich über die gelungene Weiterentwicklung des Kinderdorfs und dass Hodbod immer Kontakt zu ihnen gehalten habe. Vom Kinder- und Jugendparlament gab es darüber hinaus ein kleines Apfelbäumchen als bleibendes Denkmal zur Erinnerung an das Wirken des Dorfleiters.

Jeanette Fiozzi-Wimmer, die als damals jüngstes Heimkind mit fünf Jahren Hodbod bei dessen Amtsantritt symbolisch den Hausschlüssel in die Hand gedrückt hatte, überreichte Hodbod nun einen Anhänger für den Zündschlüssel zum Wohnmobil. Mit zehn Monaten war sie ins Kinderdorf gekommen und blieb, bis sie erwachsen war. Vom aktiven Führungspersonal wurde die eine oder andere Eigenheit des Geschäftsführers aufgespießt und mit den passenden Präsenten untermalt. Einen Putzkübel gab es für Hodbods Bedürfnis nach Sauberkeit auf dem Dorfgelände, Gummistiefel für sein im wahren Sinne des Wortes zupackendes Wesen – selbst als der Keller unter Wasser stand –, Sparbüchse und Hightech-Labelmaschine für seinen Sparsamkeits- und Ordnungssinn. Die Extrawurst gab’s obendrauf, weil ihm in der Gemeinschaftsküche Süßspeisen immer zuwider waren und er vom Koch stattdessen Deftiges serviert bekam.

Doch als wichtigstes Geschenk überreichte Bereichsleiterin Veronika Wörndl ihrem langjährigen Chef ein Herz. Ein schlichtes Herz sollte es sein, „es steht für ein aufrichtiges Leben“.

Das Schlusswort in der von Vizechefin Annette Ehnes gekonnt moderierten Abschiedsfeier gehörte Hodbod: „Das Kinderdorf war mehr als Arbeitsplatz – es war mein Zuhause.“ Auch seine Töchter seien dort aufgewachsen und hätten Freundschaften mit anderen Kindern geschlossen.

„Jetzt beginnt meine Zukunft“ sagte Hodbod in Anspielung auf das Kinderdorf-Motto „Wo die Zukunft zuhause ist“. Derweil stand auf der Leinwand zu lesen: „Wolfgang, wir werden Dich vermissen.“ Doch vermutlich müssen die Mitarbeitenden ihren langjährigen Chef gar nicht lange vermissen, denn Hodbod meinte: „Jetzt bin ich ein Ehemaliger des Kinderdorfes. Das ist schön, denn zukünftig werde ich zu all den Festen, Ausflügen und Feiern hier eingeladen und kann mich bedienen lassen.“

Paul Winterer

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