Höhere Personalkosten

Preisexplosion in Altenheimen bei München: Senioren zahlen plötzlich fast 1300 Euro mehr im Monat

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Die Unterbringung in Altenheimen ist teuer, einen Großteil der Kosten tragen die Betroffenen selbst. Die Caritas München hat ab Juni eine drastische Preiserhöhung angekündigt. Deutlich höher, als bei anderen Anbietern.

Gauting/München - Die Nachricht dürfte ein Schock gewesen sein: Ab 1. Juni erhöht die Caritas ihre Entgelte in Altenheimen in München und Oberbayern. Doch nicht um einen geringen Betrag. Im Marienstift Gauting (Landkreis Starnberg) geht es beispielsweise um bis zu 1283,72 Euro mehr im Monat, die Privatleute selbst schultern müssen.

Wie kann es sein, dass die Entgelte dermaßen drastisch angehoben werden? Und was passiert mit den Menschen, die die hohen Summen nicht von ihrer Rente bezahlen können? Unsere Redaktion hat die Caritas mit den Fragen konfrontiert – und auch überprüft, warum es sich in anderen Altenheimen im Münchner Umland deutlich günstiger lebt.

Caritas München erhöht Entgelte in Altenheimen deutlich

Zur Übersicht – folgende Entgelte verlangt das Marienstift Gauting ab 1. Juni 2024 im Vergleich zu den bisherigen Preisen. Die Daten gehen aus einem Schreiben der Caritas an eine der Bewohnerinnen des Altenheims hervor, das unserer Redaktion vorliegt. Den Löwenanteil der Kosten macht dabei übrigens der Pflegesatz aus:

PflegegradBisher pro Monat*Ab 1. Juni pro Monat*Erhöhung in Euro*Erhöhung in Prozent
Rüstig1.547,47 € 1.999,81 €452,35 €29,2 %
12.680,33 € 3.500,15 €819,82 €30,6 %
22.954,62 € 4.238,04 €1..283,42 €43,4 %
32.954,52€4.238,24 €1..283,72€43,4 %
42.954,70 €.4.238,12 €1.283,42 €43,4 %
52.954,68€4.238,10 €1..283,42 €43,4 %

*Der angegebene Betrag in Euro bezieht sich auf die Gesamtkosten. Diese setzen sich aus dem Pflegesatz, der Unterkunft und der Verpflegung im Altenheim zusammen. Vom Pflegesatz übernimmt die Pflegekasse zwar einen Teil der Kosten – der übernommene Betrag erhöht sich ab 1. Juni jedoch nicht.

Die Entgelte in Altenheimen der Caritas in und um München steigen ab 1. Juni deutlich an.

Personal- und Sachkosten als Preistreiber in Altenheimen

Auf Anfrage teilt eine Sprecherin der Caritas München mit, dass sich die gestiegenen Kosten aus einer Vielzahl von Faktoren zusammensetzen. „Ein wesentlicher Kostentreiber sind die ansteigenden Personalkosten. Durch die allgemeine Inflation müssen natürlich, wie in allen anderen Arbeitsbereichen, die Gehälter der Mitarbeitenden steigen, hier gibt es einen Anstieg im Tarifvertrag von 11,5 Prozent zu verzeichnen.“ Auch die Sachkosten in den Altenheimen würden steigen, „insbesondere Energie- und Lebensmittelkosten“, sowie die Digitalisierung. Zusätzlich würden die Pflegekassen etwa 300 Euro monatlich auf die Bewohner der Altenheime umwälzen.

Wer den neuen Betrag nicht aus eigener Tasche bezahlen kann, muss laut der Sprecherin zumindest nicht befürchten, aus dem Altenheim hinausgeworfen zu werden: „In Deutschland leben wir in der positiv hervorzuhebenden Situation, dass BewohnerInnen, die den Eigenanteil nicht selber (ganz oder teilweise) finanzieren können, von den örtlichen Sozialhilfeträgern unterstützt werden.“ Dafür müsse zwar gegebenenfalls auch eigenes Vermögen eingesetzt werden – „aber wenn dies nicht ausreichend ist, springt der Sozialhilfeträger ein“. Kinder von Heimbewöhnern seien zudem durch das Angehörigenentlastungsgesetz geschützt und müssten erst ab einem hohen Jahreseinkommen für die Unterbringung ihrer Eltern einspringen.

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Unterbringung in Altenheim des BRK in München deutlich günstiger

Die Kosten in jedem Altenheim der Caritas in München und Oberbayern variieren teilweise: „bezüglich des Alters der Einrichtung und dem Sachverhalt, ob die Einrichtung mit öffentlichen Zuschüssen gefördert wurde bei der Erstellung des Gebäudes“.

Wenn man die Entgeltbeträge der Caritas München mit anderen Anbietern wie dem BRK vergleicht, fallen jedoch deutliche Unterschiede auf: So muss ein Bewohner der Marienstifts Gauting mit Pflegestufe 2 bereits jetzt schon 2.954,62 Euro entrichten, ab 1. Juni dann voraussichtlich 4.238,04 Euro – eine Preissteigerung um rund 43 Prozent. Im BRK-Heim SeniorenWohnen München Pasing-Westkreuz fallen die Kosten hingegen wesentlich geringer aus: Seit der Erhöhung vom 1. März 2024 betragen die monatlichen Kosten bei Pflegegrad 2 für Pflegesatz, Unterkunft und Verpflegung etwa 3.712 Euro – rund 500 Euro weniger pro Monat. Vor allem der berechnete Pflegesatz liegt bei der Caritas weitaus höher. Auch hier führt die Caritas den Preisunterschied darauf zurück, dass das BRK-Heim in Pasing schon deutlich länger am Markt sei als das erst wenige Jahre alte Marienstift in Gauting. Zudem gebe es „Unterschiede im Personalschlüssel“.

Nicht zuletzt befinde sich die Caritas derzeit noch in Verhandlungen mit den Pflegekassen und dem Bezirk Oberbayern. Die ausgeschriebenen Beträge seien also „Maximalwerte“ – und könnten womöglich am Ende doch geringer ausfallen. Bis dahin bleiben die Senioren jedoch im Unklaren darüber, wie viel sie wirklich zahlen müssen.

Rubriklistenbild: © IMAGO / photothek und IMAGO / epd (unten rechts)

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