Im November ist Schluss: Schlierseer Hof macht erstmal dicht
Die Zukunft des Schlierseer Hofs nach dem Nein der Bürger zu den Neubauplänen ist weiter offen. Fest steht nun aber: Im November wird erst einmal dicht gemacht. Die Eigentümerfamilie wartet auf Impulse seitens der Gemeinde.
Schliersee - Dienstagabend: Der Schlierseer Gemeinderat berät gerade, ob er das Angebot des Beraters Franz Schmid-Preissler annimmt, abermals in Sachen Tourismus-Konzept tätig zu werden, und fast zeitgleich lässt die Familie de Alwis via Soziale Medien wissen, dass sie den Schlierseer Hof schließt. Im November. „Den Winter über haben wir auf jeden Fall zu“, sagt Junior-Chef Marcel de Alwis. Nach dem verlorenen Bürgerentscheid um die Neubaupläne benötige er erst einmal eine Auszeit. Auf den 26-Jährigen kommt es an, denn Vater Walter (69) will das Haus auf keinen Fall mehr an verantwortlicher Position führen.
Diskussion im Gemeinderat: Tourismus-Berater nochmal holen oder nicht?
Derweil ist die Haltung zu Schmid-Preisslers Offerte im Gemeinderat eher zurückhaltend. Zur Erinnerung: Vor einigen Jahren hatte der Markenentwickler aus St. Quirin (Gmund) der Gemeinde geholfen, ihr touristisches Profil zu schärfen. Den damals entwickelten Slogan „Ein bayerisches Paradies“ verwendet Schliersee noch heute, andere Dinge versandeten etwas, zum Beispiel die „Schlierseer Landküche“, wie etwa Florian Guggenbichler (Die Schlierseer) erinnerte. Er habe nichts dagegen, Schmid-Preissler erneut ins Boot zu holen, „damit mal wieder was vorwärtsgeht“.
Bedingung sei aber, dass die Gäste-Info enger eingebunden wäre. Die müsse ja am Ball bleiben, wie Fraktionskollege Christoph Stöger sagte. Genau das sei – bei allem Engagement der Mitarbeiter – aber nicht passiert. Astrid Leitner (CSU) sah‘s ähnlich. „Da gehört mehr Push rein.“ Sie halte nichts davon, jemanden Externen zu engagieren und zu bezahlen, um die Gäste-Info zu schulen.
Bei der ersten Runde gab‘s „erfrischende neue Ideen“
Wohlgemerkt: Die Verdienste von Schmid-Preissler stellte niemand in Frage. Er habe „erfrischende neue Ideen“ mitgebracht, sagte auch Gerhard Waas (Grüne). Zum jetzigen Zeitpunkt aber halte er ein erneutes Engagement – Schmid-Preissler würde zum selben Stundensatz wie damals arbeiten – nicht für geboten. Dies auch aus finanziellen Gründen. Bevor nicht öffentlich weiter diskutiert wurde, erinnerten Wolfgang Mundel und Gabriele Murrisch (CSU) an den Bürgerentscheid. Letztere bewertete das Ergebnis so, dass die Schlierseer eben nicht auf das Premiumsegment schielen wollen. In diese Richtung aber war das Angebot von Schmid-Preissler gegangen.
Schliersee unentschlossen – Hotelier wartet auf Impulse
Nicht nur diese Diskussion erweckte den Eindruck, dass Schliersee bezüglich seiner touristischen Zukunft unentschlossen ist, auf Schlingerkurs. Und wenn man so will, hat auch das zum Entschluss der Familie de Alwis geführt, den Schlierseer Hof erst einmal zu schließen. Im Nachgang des Bürgerentscheids „ist wenig von Seiten der Gemeinde gekommen“, sagt Marcel de Alwis. „Ich bin gerne bereit mit anzupacken, nicht nur im Bezug auf das Hotel.“ Es brauche aber „positive Impulse von der Gemeinde“.
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Marcel de Alwis will in Schliersee etwas bewirken
Mit Schliersee abgeschlossen hat der junge Hotelier noch nicht. „Ich würde den Leuten – auch denen, die dagegen waren – gerne zeigen, wie schön ein tolles Hotel sein kann“. Im aktuellen Zustand bereite ihm der Schlieerseer Hof aber keine Freude. „Ich möchte wieder Gastgeber sein und den Gästen geben, was sie verdienen.“ Am morgen kalt duschen zu müssen, gehöre nicht dazu. Deshalb: Schließung, Auszeit und schauen, ob sich etwas tut.
Mitarbeiter sind weitervermittelt und dürfen kostenlos wohnen
Die rund 25 ständigen Mitarbeiter seien informiert, sagt Marcel de Alwis. Sie hätten Angebote, in befreundeten Hotels unterzukommen und würden kostenlos im Personalhaus des Schlierseer Hofs, dem früheren Gasthaus Prinzenweg, wohnen können. „Das ist ja wie eine Familie, wir können sie nicht einfach vor die Tür setzen.“
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An der anderen „Baustelle“ der de Alwis, dem Haus Siebzehnrübl, hat sich nicht viel getan. Wie berichtet, liebäugelt die Familie de Alwis mit einer Vermietung ans Landratsamt zur Unterbringung von Flüchtlingen. Man müsse noch weitere Pläne einreichen, so Marcel de Alwis. Von der Schließung einstweilen nicht betroffen ist die „Kuh am See“. Das Haus mit Ferienwohnungen am Schlierseer Südufer lasse sich mit relativ wenig Aufwand weiter betreiben.