Wintereinbruch in der Alpenwelt Karwendel

Mit Motorsäge und Schneeschaufel: Berghütten versinken im Schnee

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Schneeräumen im Spätsommer: Birgit Müller hat auf der Terrasse der Hochlandhütte alle Hände voll zu tun.
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Der Wintereinbruch hat den Betrieb in den Isartaler Berghütten vorerst abrupt lahm gelegt. Die Wirtsleute hoch droben kämpfen stattdessen mit meterhohem Schnee. Die Bergwacht warnt vor Touren in höheren Lagen

Oberes Isartal – Unglaublich wie schnell sich im Gebirge das Wetter drehen kann: Vor einer Woche noch Sonnenschein im Spätsommer, nun plötzlich Schnee ohne Ende. Das bekommen auch die Wirtsleute auf den Isartaler Berghütten mächtig zu spüren. Von der Außenwelt regelrecht abgeschnitten, ist an einen regulären Betrieb nicht zu denken. Stattdessen greifen sie zur Schneeschaufel und Motorsäge.

Seine Premierensaison in der Brunnstein-Hütte (1560 Höhenmetereter) hatte sich Florian Klotz anders vorgestellt. „Alles mitgenommen, was geht“, drückt es der „Klosenhauser-Flori“ mit einem Augenzwinkern aus. Die unerwarteten Schneefälle im Spätsommer haben das Umfeld der Alpenvereinsunterkunft in eine Winterlandschaft verwandelt. Statt hungrige Gäste zu bewirten, sind nun andere Tugenden gefragt. Am Sonntag bewaffnete sich Klotz mit der Motorsäge, um den Weg hinauf zur Brunnstein-Hütte frei zu schneiden. Nach Rücksprache mit der Sektion soll der Steig wegen Schneebruch-Gefahr zwei Tage gesperrt bleiben. Was einige am Wochenende aber nicht von einer Tour dort abgehalten hat. Hüttenwirt Klotz kann darüber nur den Kopf schütteln. Den Kraftausdruck, den er hierbei verwendet, soll lieber nicht zitiert werden. Heute nun soll Klotz Unterstützung von ein paar Freunden bekommen. Dann wird zusammen angepackt. Schließlich möchte man noch bis 15. Oktober den Betrieb aufrechterhalten. Oberhalb der Hütte sieht‘s anders aus. „Der Klettersteig ist wohl nicht mehr sicher wegen der enormen Schneemengen“, mutmaßt Klotz.

Achtung Schneebruch: So sieht‘s aktuell auf dem Weg hinauf zur Hochland-Hütte aus.

Ordentlich ins Schwitzen gekommen sind auch Birgit und Stefan Müller, die Gastgeber auf der Hochland-Hütte (1623 Höhenmeter). Ein Meter Neuschnee binnen 48 Stunden im September verwundert auch den Hüttenwirt. „Diese Menge ist ungewöhnlich“, sagt der Wallgauer, bevor es mit der Schneefräse weitergeht. Bis 6. Oktober soll die Bergsaison noch laufen. „Jetzt müssen wir einfach abwarten“, erläutert Stefan Müller. Ein Problem: Wenn die Niederschläge die Solaranlage auf dem Dach lahmlegen, gibt‘s in der Unterkunft der Münchner Sektion Hochland keinen Strom mehr. Dann wird‘s richtig ungemütlich am Fuße des Wörner.

Der Klettersteig ist wohl nicht mehr sicher wegen der enormen Schneemengen.

Hüttenwirt Florian Klotz

Kein Spaß ist es auch auf der Dammkar-Hütte (1650 Meter). „Ganz schön weiß bei uns“, vermeldet Hüttenwirtin Andrea Reindl. Seit 40 Jahren setzt die Mittenwalderin – Hausname „Tschulli“ – schon das Erbe ihres Opas und Vaters fort. An solche Wetterkapriolen wie jetzt kann sie sich schemenhaft an einen Sommer in den 1980ern erinnern – wirklich lange her. „Dass es mal in dieser Jahreszeit runterschneit, ist ganz normal“, meint Reindl – aber gleich so. „Viele werden jetzt nicht mehr kommen.“ Zumal die Hütte ob der Lage nun ohnehin im Schatten verschwindet. Am 29. September geht die Saison im Dammkar offiziell zu Ende.

Das aktuelle Wetter in hochalpinen Lagen ist auf alle Fälle „mit Vorsicht zu genießen“, betont der Mittenwalder Bergwachtchef Heinz Pfeffer. Zumal die Lawinengefahr mit jedem Zentimeter Schnee exponentiell steigt. In diesem Zusammenhang verweist der Bereitschaftsleiter auf das Lawinenunglück vom Samstag in Hinterriß, bei dem eine deutsche Wandergruppe verschüttet wurde. Nicht zuletzt deshalb warnt Pfeffer vor Bergtouren – gerade weiter oben. „Das ist höchstgefährlich.“

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