Nach Entscheidung des Freistaats

Impfzentrum Hausham: Stimmen zur bevorstehenden Schließung Ende des Jahres

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Das Impfzentrum in Hausham, hier eine Aufnahme vom Juli 2021, wird Ende des Jahres geschlossen.
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Ende des Jahres ist Schluss mit dem Haushamer Impfzentrum. Am Landratsamt sieht man dem Abschied entspannt entgegen. Und auch die Hausärzte fürchten keine Überforderung.

Landkreis – Manchmal sind es die kleinen Geschichten, an denen sich große Veränderungen besonders gut ablesen lassen. Im Fall des Impfzentrums des Landkreises Miesbach ist es dessen Ärztlicher Leiter Dr. Thomas Straßmüller, der eine solche Anekdote erzählen kann. Um die große personelle Vielfalt zu Beginn der Impfkampagne vor knapp zwei Jahren zu illustrieren, berichtet Straßmüller von einem Piloten, den die internationalen Lockdowns am Abheben und damit an der Ausübung seines Berufs gehindert haben. Also habe sich der Mann für einen Job im Haushamer Impfzentrum gemeldet. Doch mit der Zeit kehrte die Normalität von vor der Pandemie zurück. „Jetzt fliegt er wieder“, erzählt Straßmüller. Und das Impfzentrum steht vor der Schließung.

Wie im überregionalen Teil berichtet, hat Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek das Ende dieser Einrichtungen angekündigt. Zum Jahreswechsel ist also auch in Hausham Schluss mit dem Pieks im ehemaligen Autohaus. Eine Entscheidung, die nicht wirklich überraschend kommt, wie Impfzentrumsleiterin Beate Faus vom Landratsamt auf Anfrage mitteilt. „Alle wussten, dass das Impfzentrum keine Dauereinrichtung sein wird, daher sehen wir den Abbau jetzt entspannt“, sagt Faus. Dennoch werde man den dafür vorgesehenen Monat Januar gut beschäftigt sein, um Elektrik und Inneneinrichtung zurückzubauen.

Zahl der Impfungen geht stark zurück

Die gesamten Kosten des Impfzentrums sollen laut Faus direkt auf den Staatshaushalt gebucht werden, der Landkreis sei also nicht in Vorleistung gegangen. Allerdings könne die Endabrechnung erst nach der Abwicklung erfolgen. Den Effekt durch die mit der Schließung des Impfzentrums wegfallende Arbeit sieht Faus derweil als nicht allzu bedeutend ein. „Es war alles sehr gut eingespielt, sodass es keine große Belastung mehr war.“

Das liegt aber natürlich auch an der sinkenden Nachfrage nach den Impfungen. Holten sich jeweils mehr als 40 000 Bürger ihre erste und zweite Dosis im Impfzentrum ab, kamen zum Booster nur noch gut 28 500, zur zweiten Auffrischung gar nur noch rund 3800. Und zur Genesenenimpfung rafften sich lediglich 428 Bürger auf. Alterstechnisch hatten bei den ersten drei Impfungen die 50- bis 59-Jährigen die Nase vorn, erst beim zweiten Booster überholten sie gemäß Stiko-Empfehlung die Ü60-Jährigen. Bei der Genesenenimpfung lagen derweil die Unter-20-Jährigen an der Spitze.

Dass nun wieder allein die Hausärzte und Apotheker für das Impfen zuständig sind, macht Faus keine Sorgen. „Die packen das!“ Über die Corona-Koordinierungsgruppe bestehe hier ja weiter ein enger Austausch. Auch Straßmüller sieht keine Überlastung auf die Praxen zukommen. Anders als in der Anfangsphase kämen ja jetzt nicht mehr alle gleichzeitig zum Impfen. Überhaupt sei die Nachfrage nach dem zweiten Booster sehr überschaubar. „Und wir können auch vielen sagen, dass sie ihn im Moment auch gar nicht brauchen“, sagt Straßmüller. Meist, weil sie vor Kurzem eine Corona-Infektion durchgemacht hätten.

Apotheken warten Nachfrage ab

Den abebbenden Ansturm haben auch die Apotheker mitbekommen. Dr. Fritz Grasberger von der Miesbacher Stadtapotheke hat deshalb sein Impfangebot noch gar nicht gestartet. Und er rechnet auch nicht, dass es die Nachfrage in den kommenden Monaten erfordern wird. Angela Maier von der Bienenapotheke in der Kreisstadt könnte sich jedoch schon vorstellen, dass sich durch die veränderte Infrastruktur nach Schließung des Impfzentrums mehr Leute für eine Impfung bei ihr anmelden. Wegen des aufwendigen Transports und der eingeschränkten Lagerkapazität der Dosen wird aber auch sie erst ab sechs bis zehn Anmeldungen pro Tag tatsächlich eine Bestellung aufgeben.

Auch im Impfzentrum seien die anfänglichen Warteschlangen zuletzt einem eher sporadischen Vorbeischauen gewichen, berichtet Straßmüller. So habe man auch die Zahl der Ärzte von sechs bis acht auf einen pro Schicht reduziert. Trotz der durchaus turbulenten und bewegenden Monate sieht der Ärztliche Leiter der Schließung aber auch mit einem weinenden Auge entgegen. „Hier ist ein unglaublich gutes Team zusammengewachsen, die Stimmung war hervorragend.“ Ob sich diese Strukturen im Fall des Auftretens einer neuen, gefährlicheren Variante des Virus von heute auf morgen reaktivieren lassen, daran hat Straßmüller durchaus Zweifel. So seien viele Helfer in ihren alten oder anderen Jobs zurück und das Gebäude werde ja auch in seinen Ursprungszustand zurückversetzt. „Das ist ein Thema, über das wir uns noch Gedanken machen müssen.“

sg

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