VonElisa Buhrkeschließen
An Silvester im kommenden Jahr soll es in der Münchner Innenstadt eine kommerzielle Partymeile geben. Das Kollektiv „Mehr Lärm für München“ wendet sich deshalb wütend an die Stadt.
München – Der Beschluss ist etwa eine Woche her, nun regt sich heftige Kritik: In der Münchner Innenstadt soll es zum Jahreswechsel 2025/26 und im darauffolgenden Jahr eine knapp eineinhalb Kilometer lange Silvestermeile geben. Dem Antrag des privaten Veranstalters „G.R.A.L. GmbH“ hatte der Stadtrat am Dienstag, 10. Dezember, im Wirtschaftsausschuss mehrheitlich zugestimmt. Gleich mehreren jungen Kollektiven passt das so gar nicht – sie wenden sich mit einem Brandbrief an den Stadtrat.
„Schlag ins Gesicht“ für Kulturschaffende: Kritik an Silvestermeile in München
„Die Entscheidung, den Odeonsplatz an Silvester 2025 für eine kommerzielle ‚Silvestermeile‘ freizugeben, ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die seit Jahren für unkommerzielle Freiräume kämpfen“, beginnt der Brandbrief der Gruppe „Mehr Lärm für München“, die in der Landeshauptstadt auch die Krachparade organisiert. „Das zeigt wieder einmal, wie in München mit öffentlichen Räumen umgegangen wird: Wer zahlt, bekommt sie“, heißt es weiter.
40 Euro Eintritt soll die Teilnahme an der Silvestermeile auf der Ludwigstraße zwischen Odeonsplatz und Siegestor regulär kosten. Auch im Stadtrat stieß diese profitorientierte Herangehensweise auf Kritik, so sagte Grünen-Stadtrat Beppo Brem gegenüber der Abendzeitung: „Dass öffentliche Flächen nur für Gewinnmaximierung hergegeben werden, kann es auch nicht sein“. Letztendlich stimmte eine Mehrheit dem Antrag jedoch zu. Wohl wegen der angespannten Haushaltslage der Stadt. Auch, weil die Silvestermeile laut Stadtrat Klaus Peter Rupp (SPD) das Potenzial berge, „den Jahreswechsel umweltfreundlicher und gemeinschaftlicher zu gestalten“. Bereits seit 2019 gilt ein Böllerverbot in der Innenstadt.
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Aktivisten schreiben Brandbrief gegen Silvestermeile an Münchner Stadtrat
Die Münchner Kollektive, die den Brandbrief unterzeichnet haben, stört vor allem der in ihren Augen abschätzige Umgang mit nicht-kommerziellen Veranstaltern im Vergleich zu profitorientierten Anbietern. „Rund 100 Raves werden in und um München jedes Jahr aufgelöst – ein klares Zeichen, dass kreative Entfaltungsmöglichkeiten fehlen.“ Einer kommerziellen Partymeile für 40 Euro Eintritt, den sich viele Menschen nicht leisten könnten, stimme der Stadtrat hingegen zu.
Wer hat den Brandbrief unterzeichnet?
Neben „Mehr Lärm für München“ haben folgende Kollektive den Brandbrief gegen die Silvestermeile unterzeichnet: Common Ground Gives, Freiräumen, Kollektiv Bushbash, Kollektivis München, Nighttekk, Isarbass, Love Foundation Munich, Die Städtischen, Cambio und Tanzwut.
Als Beispiel nennt der Brandbrief einen monatelang geplanten Rave bei der Messe Riem, den das Kreisverwaltungsreferat „angeblich wegen Tierschutzbedenken“ kurzfristig abgesagt habe. „Zwei Wochen später war die Bühne frei für Helene Fischer, später wurde das Gelände für Adele betoniert.“ Tierschutz sei offenbar flexibel auslegbar. Laut den Aktivisten interessierten die Stadt vor allem „große Namen und Budgets“.
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