VonBernhard Jepsenschließen
Das Angebot an Gewerbeflächen ist rar in Peißenberg. Ob das umstrittene „Gewerbegebiet-Ost“ jemals erschlossen wird, steht in den Sternen. Mögliche Alternativflächen wie an der Weilheimer respektive Holzerstraße sind planungsrechtlich schwer zu erschließen, wie das Beispiel des Fuhrunternehmens „Lindauer“ zeigt.
Peißenberg – Es ist kein Geheimnis mehr, dass das Fuhrunternehmen „Lindauer“ gerne seinen derzeitigen Betriebsstandort am östlichen Ortseingang ein paar hundert Meter weiter in den Zwickel zwischen Weilheimer Straße, Umfahrung und Reichenbach-Anwesen verlagern möchte. Auch die Gemeinde goutiert die Pläne. Hinter den Kulissen wird schon seit längerem an einer Lösung gefeilt.
„Man will das Unternehmen am Ort halten – und der bisherige Firmenstandort ist nicht optimal“, bestätigt Peißenbergs neuer Bauamtsleiter Bernhard Schregle. Doch planungsrechtlich ist die die Sache kompliziert. Die Gemeinde wollte Baurecht über eine Einbeziehungssatzung schaffen, aber das Landratsamt winkte ab (wir berichteten). Die Regierung von Oberbayern wiederum hatte formal keine Einwände, beurteilte eine Einbeziehungssatzung aber als das „falsche Mittel“, wie Schregle berichtet: „Es darf keine Flucht aus der Bauleitplanung geben.“ Soll heißen: Der Gemeinde wurde angeraten, einen Bebauungsplan aufzulegen. Ein entsprechender Aufstellungsbeschluss soll demnächst gefasst werden. Kritisch beäugt werden die Pläne indes von den Anliegern: „Bei den Nachbarn ist keiner begeistert. Die meisten sind aber schon etwas älter und der Meinung, man kann eh nichts dagegen machen“, sagt Anton Führmann, dem das frei stehende ehemalige Bauernhaus am östlichen Ende der Holzerstraße gehört. Führmann befürchtet, dass nach und nach Fakten geschaffen werden. Denn: Das Fuhrunternehmen stellt bereits einen Teil seiner Fahrzeuge auf dem Grundstück zwischen Weilheimer Straße und Umfahrung ab. „Man nutzt es schon als Betriebsgelände und verleibt es sich ein“, moniert Führmann.
Als das Staatliche Bauamt im vergangenen Sommer den Fahrbahnbelag der Umgehung erneuerte, diente die Fläche noch als Ablagerungsplatz für den angefallenen Asphaltabfall. Führmann glaubte zunächst an eine vorübergehende Nutzung während der Straßensanierung. Doch als die Arbeiten abgeschlossen und die Abraummassen abtransportiert waren, blickte er von seinem Balkon aus auf die Laster des Fuhrunternehmens.
Führmann verständigte das Landratsamt, weil es seiner Meinung nach an den baurechtlichen Voraussetzungen für die Einrichtung eines Betriebsgeländes fehlt: „Das Landratsamt wollte einen Baukontrolleur vorbeischicken“, erzählt Führmann – allerdings verlief die Angelegenheit wohl im Sande: „Die wissen, dass sie umgangen werden, haben aber Beißhemmungen.“ Führmann geht es um eine umwelt- und landschaftsverträgliche Planung. „Derzeit wird das Gelände als Umschlagplatz für Transporter genutzt. Das ist eine Grauzone“, moniert er.
„Da läuft nichts Illegales ab“, versichert hingegen Bauamtsleiter Schregle. Die Gemeinde sei nach wie vor Eigentümerin des Grundstücks. Man habe die Fläche lediglich dem Fuhrunternehmen als „Lagerfläche“ überlassen. Es hätten dort bis auf Planierungen des Oberbodens auch noch keine Erdarbeiten stattgefunden. Die Vorgehensweise sei zudem mit dem Landratsamt abgesprochen. Ob das Fuhrunternehmen tatsächlich seinen Betriebsstandort dauerhaft an die Weilheimer Straße verlegen werde, ist laut Schregle noch offen: „Man steht in Verhandlungen.“ Die Bebauungsplanaufstellung soll übrigens auch nur den Bereich des Grundstücks und ein Teilgebiet in Richtung der Abwasserpumpenstation und der Firma „Prüfbau“ umfassen. Der im Flächennutzungsplan noch als Friedhofserweiterungsfläche ausgewiesene Spitz zwischen Weilheimer- und Holzerstraße bleibt hingegen planerisch unangetastet. „Es ist eine politische Entscheidung, ob und was damit einmal passieren soll“, erklärt Schregle. Das Areal liegt in den Sichtachsen zur Maria-Aich-Kirche und befindet sich damit in einem städtebaulich sensiblen Bereich.
Anton Führmann kann sich als direkter Anlieger eine Nachverdichtung durchaus vorstellen, allerdings mit einer dörflichen Bebauung und nicht mit einem „Gewerbegebiet durch die Hintertür“. Die neue Abraumhalle für den Friedhof zum Beispiel empfindet er als „hässlich und größer als nötig“. „Das gesamte Areal wird nach und nach abgewertet“, befürchtet Führmann.
Text: Bernhard Jepsen
