In der Kohlstatt

Statt 14 nur noch 8 günstige Wohnungen?

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Hier an der Tölzer Kohlstattstraße soll der Genossenschaftsbau entstehen.

Der Genossenschaftsbau an der Kohlstattstraße verzögert sich. Der Grund sind behördliche Auflagen.

Bad Tölz – Viele Jahre lang hat die Stadt Bad Tölz das Thema Wohnungsbau für Normalverdiener eher stiefmütterlich behandelt. Der freie Markt bediente vor allem das Segment der Besserverdiener. Das rächt sich längst.

Den guten Willen hat die Stadt inzwischen bewiesen und beispielsweise an der Osterleite einen ersten Neubau mit günstigen Wohnungen errichtet. Ein hoffnungsvoll gestartetes zweites Projekt an der Kohlstattstraße in der Nachbarschaft des „Jägerwirts“ wird hingegen seit Längerem von behördlichen Auflagen ausgebremst. Eigentlich sollten dort einmal 14 Wohnungen auf einem städtischen Grundstück entstehen. So war der Plan im Juni 2016. Bürgermeister Josef Janker ließ in der Folge für die rasche Verwirklichung sogar eine stattliche Linde fällen. Sehr zum Ärger der Anlieger, die heftig protestierten. Im Stadtrat wurde jüngst spöttisch angemerkt, dass der Baum getrost noch ein paar Jahre hätte stehen bleiben können.

Im Februar 2018 kaufte die Lenggrieser Baugenossenschaft das rund 800 Quadratmeter große Areal. Die Hoffnungen der Stadt, dass man mit einem einfachen Bauantrag für nunmehr nur noch 12 Wohnungen durchkommen würde, durchkreuzte das Landratsamt. Statt den günstigen Wohnungsbau zu fördern, forderte die Baugenehmigungsbehörde wegen der Wandhöhe ein Bebauungsplanverfahren. Bei allem Verständnis sei das „ein bisschen kleinlich“, kommentierte Bauamtsleiter Christian Fürstberger im Juni 2018.

Wohnbebauung in der Kohlstatt: Überschwemmungsgefahr und Lärmimmissionen

Im Verfahren meldeten sich erneut behördliche Bedenkenträger zu Wort. Zunächst ging es um das Thema Lärmimmissionen. Wegen der Nähe der Umgehungsstraße seien überhöhte Messwerte zu erwarten. Die Lösung, vorgehängte Schallschutz-Fenster, konnte die Stadt vermeiden, indem sie ein Mischgebiet auswies. Damit galten andere Immissionswerte.

In der zweiten Auslegung des Bebauungsplans forderte nun das Wasserwirtschaftsamt Weilheim, dass der Bau wegen Überschwemmungsgefahr auf ein höheres Sockelniveau zu stellen sei. Bürgermeister Josef Janker bedauerte im Juli, dass dies wohl zu einem kleineren Baukörper führen werde. Statt 12 würden wohl nur noch 8 Wohnungen Platz haben.

Damit will sich nun Maria Haubner nicht abfinden. Die Geschäftsführerin der Lenggrieser Baugenossenschaft würde gerne wenigstens zehn Wohnungen realisieren. „Als Genossenschaft sind wir natürlich interessiert, maximal zu bebauen.“ Haubner möchte sich zu der verzwickten Situation nicht äußern und keine Bewertung abgeben. Man sei in Gesprächen mit der Stadt, um die Probleme zu lösen. Sie weist aber schon darauf hin, dass „unsere Miete immer unter dem ortsüblichen Niveau liegt“. Ob die in Tölz einmal angestrebten 8.50 Euro pro Quadratmeter zu halten sind, sei angesichts der schwierigen Situation allerdings die Frage.

Die Lenggrieser Baugenossenschaft unterhält 1036 Wohnungen in 15 Orten. Neben dem Tölzer Langzeitprojekt sind derzeit zwei Wohnungsbauvorhaben akut. In Wiessee entstehen acht Wohnungen, in Bichl sollen nächstes Jahr an der Ludlmühlstraße fünf Wohnungen gebaut werden, berichtet Maria Haubner.

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