VonSusanne Weißschließen
Immer mehr Photovoltaik-Anlagen liefern in Geretsried Solarenergie. Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen sind nicht geplant. Interessante Zahlen zum Thema.
Geretsried – Die Energiekrise hat der Sonnenenergie einen Schub verpasst. In Icking und Greiling sind Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen (PV) entstanden. In anderen Kommunen im Landkreis stehen Solarparks zur Diskussion. Die Stadt Geretsried bereitet sich auf entsprechende Anfragen vor – und war bislang nicht untätig. Unsere Zeitung hat mithilfe von Roswitha Foißner, städtische Energiemanagerin, einige Fakten zusammengetragen.
Photovoltaik-Anlagen liefern in Geretsried Solarenergie
2035
Bis zum Jahr 2035 will die Stadt unabhängig von fossilen Brennstoffen werden. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Sonnenenergie.
56 608
Mit 56 608 Megawattstunden pro Jahr machte die Energiewende Oberland im Jahr 2019 bei der Fortschreibung eines Teil-Energienutzungsplans ein „beachtliches Potenzial für Photovoltaik-Aufdach-Anlagen“ in Geretsried aus. Wie geeignet welches Dach im Stadtgebiet tatsächlich ist, zeigt das Solarkataster des Landkreises.
634
Als eine Art Wettbewerb für Städte und Gemeinden um den beschleunigten Ausbau von PV-Anlagen gibt es die Initiative „Wattbewerb“. Laut diesem Tool gibt es auf Geretsrieder Flur derzeit insgesamt 634 Anlagen.
100
Das sind 100 Anlagen mehr als vor einem Jahr. „Der Zubau ist also ganz ordentlich“, sagt Foißner.
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PV-Freiflächenanlagen waren in Geretsried bislang kein großes Thema. Sie seien aber „grundsätzlich eine gute Möglichkeit, Bodenflächen mit niedrigen Bodenwerten optimal zu nutzen“, erklärt Foißner. Aus diesem Grund betrachte die Stadt beim neuen Flächennutzungsplan auch Bodenwerte, „sodass eine Beurteilung der Flächen bei Anfragen künftig schnell möglich sein wird“.
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Laut Teil-Energienutzungsplan befinden sich über die Hälfte der für Solar geeigneten Dächer auf Wohngebäuden. 40 Prozent machen die Dachflächen von Gewerbebetrieben aus, und 3 Prozent von öffentlichen Gebäuden. Hier geht die Stadt mit gutem Beispiel voran. Bislang sind laut Foißner sechs Liegenschaften mit PV-Anlagen ausgestattet: die Isardamm-Grundschule, das Hallenbad, die Karl-Lederer-Grundschule, das Mehrzweckgebäude Isarau, die X-Träger-Halle am Malvenweg und der Kindergarten Gelting.
3
In der Planung sind drei weitere Anlagen: am Bauhof, die Aussegnungshalle und die Bücherei samt Jugendzentrum Saftladen. Darüber hinaus hat der Stadtrat beschlossen, Kollektoren auf der noch zu bauenden Kindertagesstätte an der Johann-Sebastian-Bach-Straße und im Zuge der Aufstockung der Karl-Lederer-Mittagsbetreuung zu installieren. „Da diese Gebäude alle mit Wärmepumpen beheizt werden, ist der Strom-Eigenverbrauch auch entsprechend hoch“, sagt die Energiemanagerin. Insbesondere an kalten und an sonnigen Tagen im Frühjahr oder im Herbst könne dann mit dem selbst erzeugten Strom auch geheizt werden.
352
Die PV-Anlagen auf den städtischen Liegenschaften erzeugen derzeit 352 Kilowatt-Peak (kWp), also Maximalleistung. Das ergibt grob gerechnet 350 000 kWp im Jahr, so Foißner, „Weitere 120 kWp folgen im Laufe des Jahres.“
30
Theoretisch gibt es in Geretsried insgesamt 30 für Photovoltaik geeignete städtische Gebäude. Neben den bereits installierten und geplanten Anlagen, wäre das Ziel, dass weitere folgen, betont Foißner. Abhängig von Gebäudestatik und Haushaltslage „würden wir gerne die Feuerwehren, das Museum der Stadt Geretsried, das Parkdeck an der Adalbert-Stifter-Straße, die Turnhalle Gelting oder auch das Sozialgebäude in der Jeschkenstraße mit PV-Anlagen ausstatten“, sagt die Energiemanagerin. Auch der nicht denkmalgeschützte Bereich am Rathaus auf dem Dach des Ratsstubensaals würde sich anbieten.
Einen Sonderfall stellen die Kindertagesstätten dar. Sie werden nicht von der Stadt betrieben, deswegen werde geprüft, welche Modelle geeignet wären. „Von der Verpachtung von PV-Anlagen oder Dachfläche bis hin zu Mieterstrom ist hier vieles denkbar“, erläutert Foißner. Generell aber seien die Kindergärten und auch die Schulen besonders geeignet, da dort der höchste Stromverbrauch tagsüber ist.
Anders ist das beispielsweise bei Vereinsheimen. Dächer von Gebäuden, in denen tagsüber kaum Strom verbraucht werde, würden laut Foißner aktuell zurückgestellt. Auch die Ausrichtung der Dächer spielt eine Rolle. „Zeigen sie Richtung Norden, sind sie weniger geeignet als etwa das Wirtschaftsgebäude beim Isarau-Stadion.“ Bei manchen städtischen Gebäuden kommt PV nicht infrage, weil es die Statik nicht hergibt oder diese sanierungsbedürftig sind. Foißner: „Dazu zählt beispielsweise das Kinderhaus an der Grundschule am Isardamm.“
31
Balkonkraftwerke hat die Stadt Wolfratshausen seit Oktober mit dem Förderprogramm Klimaschutz unterstützt. Im Haushalt 2023 wurden weitere 70 000 Euro für Balkonkraftwerke und Batteriespeichersysteme bereitgestellt. In Geretsried gibt es solche finanziellen Anreize nicht. Die Entscheidung obliegt dem Stadtrat. Bislang setzt die Kommune auf Beratung und Information mit Veranstaltungen, Beratungskampagnen und als Stützpunkt der Verbraucherzentrale. „Eine PV-Anlage lohnt sich in der Regel auch ohne Förderung“, so Foißner.
Die Anfragen nach Beratungen hätten sich seit Beginn der Energiekrise deutlich verstärkt, wenngleich man im Moment wieder eher einen kleinen Einbruch verzeichne. „Wir schreiben das dem Preisdeckel für Strom und Gas und dem Frühlingsbeginn zu. Nach einem Anfragestopp im vergangenen Jahr können wir jetzt wieder zeitnah Beratungen anbieten.“
40
40 Balkonkraftwerke sind schätzungsweise in Geretsried im Einsatz. Diese Zahl hat Foißner über das Programm Wattbewerb grob abgeleitet, indem sie die Leistung der Anlagen unter 0,8 kWp seit 2019 zusammengezählt hat. Das würde eine Gesamtleistung von 24 kWp ergeben. Bei einer Leistung von 600 Wp pro Anlage wären es also aktuell 40 Anlagen. Foißner: „Die Tendenz wäre somit stark steigend.“
Infos im Internet
www.geretsried.de/photovoltaik
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