Jetzt trifft es auch den Mittelstand

Inflation, Nebenkosten und hohe Mieten: Immer mehr Menschen brauchen Schuldnerberatung

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Wenn der Geldbeutel leer ist, Rechnungen nicht mehr bezahlt werden können, bieten die Schuldnerberatungen der Caritas und von Herzogsägmühle mit vier Beratungsstellen im Landkreis Hilfe an. Der Landkreis hat die Personaldecke der Beratungsstellen angesichts der Inflation und der stark gestiegenen Energiepreise aufgestockt. Hilfe suchen – am besten sofort
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Immer mehr Menschen leiden in Deutschland unter Armut. Die Schuldnerberatungsstellen im Landkreis fürchten, dass sich der Andrang bei ihnen mit Beginn des neuen Jahres und horrenden Nebenkosten-Abrechnungen drastisch erhöhen dürfte. Der Landkreis hat vorgebaut.

Landkreis – Dass der Landkreis im vergangenen Jahr beschlossen hat, mehr Geld in die Schuldnerberatungen im Landkreis zu stecken, ist kein Luxus: „Wir gehen davon aus, dass der Andrang bei uns jetzt noch deutlich größer ausfallen wird. Es wird uns da noch was ereilen“, so Stefan Schütz, bei Herzogsägmühle zuständig für die Schuldnerberatung. Betroffen sind von finanziellen Nöten nicht immer nur die, die ohnehin kaum etwas haben. Schütz: „Wir stellen fest, dass finanzielle Notlagen immer mehr den klassischen Mittelstand betreffen.“

Auch Thomas Koterba, Geschäftsführer des Caritasverbands Weilheim-Schongau schlägt Alarm. Seit Corona herrscht auch bei der Schuldnerberatung der Caritas, die für den Raum Weilheim und Penzberg zuständig ist, Hochkonjunktur. „Corona hat uns einen regelrechten Schub gegeben“, stellt er fest. Eine traurige Feststellung: „Eine ganze Menge Leute, die vorher nie an so etwas gedacht hätten, kommt jetzt zu uns.“

Hilfe suchen – am besten sofort

Koterba rechnet vor: Eine Familie mit zwei Kindern, beide Eltern arbeiten Vollzeit, ein Häuschen ist abzubezahlen. Und dann das: Einer verliert den Job. „So eine Familie steht vor dem halben Nichts. Und das ist nicht selten“, weiß Koterba aus jahrelanger Erfahrung. Die Corona-Zeit habe die Lage für so manch einen nicht besser gemacht.

Die Menschen hätten mit steigenden Kosten in allen Bereichen zu kämpfen. Ganz abgesehen von der steigenden Inflation, richtet sowohl die Schuldnerberatung der Caritas als auch der Herzogsägmühle ihr Augenmerk auf die Monate Februar und März. Die Nebenkostenabrechnungen trudeln jetzt bei den Mietern ein. „Das schlägt jetzt so richtig durch“, so Koterba. Auch Stefan Schütz weiß, dass die Herausforderungen noch größer werden dürften, „wenn jetzt die Heizkostenabrechnungen aus 2022/23 die Bürger erreichen und die Inflation weiter auf hohem Niveau bleibt“.

Schütz und Koterba freuen sich deshalb, dass durch die Unterstützung des Kreises das Angebot der Schuldnerberatung im Landkreis noch weiter ausgeweitet und vor allem auch ortsnaher angeboten werden kann. Sowohl bei Herzogsägmühle als auch in der Schuldnerberatung der Caritas wurde personell aufgestockt. Schütz: „Damit ist es uns möglich, künftig in jeder Kommune des Landkreises, die über 10 000 Einwohner hat, Beratung vor Ort und möglichst zeitnah anzubieten.“

Beratung jetzt auch in Peißenberg und Peiting

So gibt es jetzt auch in Peißenberg und Peiting die Möglichkeit, die Schuldnerberatung von Herzogsägmühle in Anspruch zu nehmen. Seit November gibt es eine Schuldnerberatung der Caritas auch in Penzberg.

Schütz ruft dazu auf, sich schnellstmöglich Hilfe bei der Schuldnerberatung zu suchen, wenn es brennt, und nicht zu versuchen, die Sache auszusitzen. Er betont die „gute und vertrauensvolle, über mehr als ein Jahrzehnt gewachsene Zusammenarbeit“ mit örtlichen Sozialhilfeträgern, mit dem Jobcenter, dem Landratsamt, Verwaltungen, der Kommunalpolitik und insbesondere auch mit der Schuldner-/Insolvenzberatung der Caritas, dem Caritasverband Weilheim-Schongau. Gemeinsam könnten die Schuldnerberatungen nach Lösungen für die Betroffenen suchen – je schneller, desto besser. Schütz und Koterba rufen dazu auf, die Schuldnerberatung zu kontaktieren und die kostenlose Beratung in Anspruch zu nehmen, „noch möglichst ehe Not eintritt“.

Mehr Geld für mehr Schuldnerberatung im Landkreis 

Der Kreisausschuss hat zusätzliche Mittel für die Schuldnerberatung bewilligt. Im Landkreis übernehmen Herzogsägmühle für den Schongauer und die Caritas für den Weilheimer Raum diese wichtige Aufgabe. Bei den Beratungsterminen, die die beiden Träger anbieten, kommt es mittlerweile allerdings zu immer längeren Wartezeiten für die Betroffenen, wie im Ausschuss berichtet wurde.

Grund sei, dass das vorhandene Personal vollkommen überlastet sei. Bereits 2021 hatte sich die Zahl der Anfragen verdoppelt, 2022 verstärkte sich der Trend. Und in diesem Jahr werde angesichts der Inflation und der stark gestiegenen Energiepreise keine Entspannung abzeichnen, hieß es weiter. „Die Situation draußen brennt, der Bedarf an Beratung steigt immer weiter“, so Peter Steigenberger vom Sozialamt des Landratsamtes.

Daher bewilligte der Kreisausschuss den beiden Trägern jeweils eine zusätzliche Vollzeitstelle, die vorerst bis Ende 2024 befristet werden soll. Die Entscheidung fiel einstimmig. set

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