Warngau - Das Thema bewegt: Rund 180 Bürger drängten sich beim Infoabend zur geplanten Asylbewerber-Unterkunft in Warngau im Saal des Gasthofs Zur Post. Eine Experten-Runde stand ihnen am Mittwoch Rede und Antwort. Kritische Töne und Sorgen kamen durchaus zur Sprache, dennoch dominierte Aufbruchsstimmung.
Mitte Dezember soll die Containeranlage direkt neben dem Pfarrhof in Warngau bezugsfertig sein, kündigte Martin Pemler, Verwaltungschef am Landratsamt, an. Bis zu 52 Menschen finden darin in Zwei- und Vier-Bett-Zimmern Platz. Der Mietvertrag mit der Kirche für das Grundstück sei auf drei Jahre angelegt, mit der Option zu verlängern, erklärte Stefan Köck, Leiter der Abteilung Öffentilche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt, betonte aber auch: „Keiner kann sagen, ob diese Container drei, vier oder fünf Jahre stehen bleiben.“
Denn die Zahl der Asylbewerber, die der Landkreis nach dem Königsteiner Schlüssel unterbringen muss, stieg zuletzt sprunghaft: Lag die Zuweisungsquote in den Landkreis im Juni bei 12 Asylbewerbern pro Woche, waren es im August bereits 29 – „Tendenz klar steigend“, so Köck: Denn zugrunde lagen dieser Quote noch die Zahlen vor dem großen Ansturm in München im September.
Eine Aufteilung etwa nach Konfession oder Nationalität, wie CSU-Gemeinderat Engelfried Beilhack nachgefragt hatte, habe – abgesehen von zweifelhaftem Nutzen – daher momentan auch „keine Priorität“; die liege klar auf der Unterbringung selbst. Zumal die Ankunft von Asylbewerbern jedes Mal eine Überraschung sei, betonte Max Niedermeier, ehrenamtlicher Integrationsbeauftragter des Landkreises: „Wir wissen bis zur letzten Stunde nicht, wer da kommt – welche Nationalitäten, welches Geschlecht, welches Alter.“
Eine Bürgerin monierte, weshalb nur in Oberwarngau gleich ein so großer Schwung Asylbewerber untergebracht werde – es gebe ja auch noch andere Ortsteile. „Es ist in der jetzigen Lage nicht mehr zu leisten, dass diese Menschen in Wohnungen unterzubringen“, entgegnete Köck. Auch kleinere Containerstandorte seien keine Option: wegen der hohen Zahl von zugewiesenen Asylbewerbern und wegen der Kosten. „Es sprengt jeglichen Rahmen, wenn wir hier zehn und da zehn und dort zehn unterbringen.“
Ein Vater eines Kindes aus der Warngauer Krippe äußerte sich kritisch zu deren neuen Nachbarn: „Bei 50 Leuten können Sie nicht für die Sicherheit der Kinder sorgen, wenn die mal loslegen.“ Ein Versprechen für 100-prozentige Sicherheit könne zwar niemand geben, erwiderte Paulus Fischer, Ausländersachbearbeiter bei der Polizei in Holzkirchen. Er sehe aber keine besondere Gefahr für Kinder und mahnte zu Besonnenheit: „Das sind normale Menschen, keine Straftäter, die gerade eine zehnjährige Haftstrafe hinter sich haben.“ In der Containeranlage in Holzkirchen, die neben FOS und Gymnasium (in das derzeit die Grundschule I ausgelagert ist) und in der Föchinger Turnhalle, die „Wand an Wand“ mit dem Kindergarten liege, habe es noch nie Probleme gegeben.
Überhaupt, betonte Fischer, kam es bisher im Zuständigkeitsbereich der PI nicht zu Straftaten von Asylbewerbern im öffentlichen Raum – abgesehen von einer geringen Zahl an Ladendiebstählen, was durch klare Ansagen von Polizei und ehrenamtlichen Helfern gelöst wurde. Eine vermeintliche versuchte Vergewaltigung entpuppte sich später als erfunden, erinnerte Fischer. Er wolle nicht verschweigen, dass es in den Containern Auseinandersetzungen gebe – oft unter Einfluss von Alkohol, den die meisten erst in Deutschland kennenlernten. Aber: „Wenn ich 50 Deutsche in einen Container stecke: Ich vespreche Ihnen, da müsste ich öfter vorbeischauen.“ Unter den Asylbewerbern gebe es denselben Anteil an „Leuten, die sich nicht an die Regeln halten“, wie in der übrigen Gesellschaft auch.
Dem Landratsamt sei klar, dass die eigentliche Arbeit erst losgehe, wenn die Unterkunft geschaffen und bezogen ist, so Köck. Den Mitarbeitern seien aber die Hände gebunden, deshalb seien ehrenamtliche Helfer unverzichtbar. Ab dem ersten Tag sei es wichtig, den Menschen Deutsch beizubringen, betonte Niedermeier, „damit sie sich zurechtfinden“. Und hiesige Regeln verstehen können.
Der Helferkreis in Warngau zählt derzeit 13 Aktive, berichtete Sprecherin Andrea Anderssohn; sie kümmern sich um aktuell neun Asylbewerber, nachdem eine Familie aus Syrien inzwischen in eine Wohnung in Miesbach umzog. Vieles – etwa Leitfäden in mehreren Sprachen zum Umgang mit der Nachbarschaft oder mit Mädchen und Frauen in der deutschen Gesellschaft – gebe es inzwischen. „Was wir brauchen, sind Helfer mit Herz und ein bisschen Mut.“ Der Appell verhallte nicht: Bis Mittwoch hatten sich bereits 13 weitere Interessenten gemeldet, am Infoabend selbst kamen nochmal 30 hinzu. Das erste Treffen, bei dem die Aufgaben verteilt werden, steht am Donnerstag, 29. Oktober, um 20 Uhr im Gasthof Zur Post an.
Auch die Grundschule sei auf mögliche schulpflichtige Kinder unter den Asylbewerbern vorbereitet, erklärte Rektorin Teresa Meineke: Es gebe zwei Wochenenstunden extra für sie. "Unsere Kinder sind so sozialkompetent, dass die das schaffen - da braucht man keine Angst haben."
Ehe die Container bezogen werden, soll es für die Bürger einen Tag der offenen Tür geben, versprach Bürgermeister Klaus Thurnhuber. Auf der Gemeinde-Homepage soll eine Übersicht über benötigte Spenden entstehen, sobald die Asylbewerber ankommen. Momentan seien keine Sachspenden gefragt: „Wir haben die Lager voll.“ Die Willkommenskultur hat in Warngau längst begonnen.
Von Katrin Hager