VonDieter Dorbyschließen
Der Asiatische Laubholzbockkäfer, die Schäden, das Fällen und die Folgen – drei Stunden hat die Landesanstalt für Landwirtschaft zusammen mit Stadt und Landwirtschaftsamt die Bürger rund um den ALB informiert.
Dabei wurden viele Fragen beantwortet. Eines wurde dabei klar: Spielraum für Ausnahmen gibt es kaum.
Wäre der Anlass nicht so ernst und die Folgen so dramatisch, könnte man den Abend als kleine Biologiestudie für Erwachsene umschreiben. Im Saal des Waitzinger Keller in Miesbach hat Frank Nüßer, der als Arbeitsgruppenleiter bei der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) für den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) zuständig ist, zusammen mit den LfL-Gebietsbetreuern Tanja Bozem und Andreas Kirchmeier sowie seinem Kollegen Christian Webert, der als Bereichsleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen den ALB in den Wäldern betreut, die Krisensituation in der Kreisstadt umfassend dargestellt. Im Mittelpunkt standen nicht nur biologische Hintergründe – zwei Jahre Lebenszeit, sechs bis acht Wochen als Käfer, den Rest als Ei und Larve im Baum – und betroffene Gehölzgattungen, sondern auch die Folgen der Allgemeinverfügung für betroffene Grundstückeigentümer und die Stadt.
Infoabend zum Asiatischen Laubholzbockkäfer: Plädoyer für harte Maßnahmen gegen den ALB
Dabei betonte die für Miesbach zuständige Gebietsbetreuerin Bozem, dass zwar rund 5000 Gehölze entnommen werden sollen, dass dies aber nicht ausschließlich Bäume seien, sondern auch Sträucher. „47 Prozent der 5000 Gehölze haben auf Brusthöhe, also bei 1,30 Meter, maximal fünf Zentimeter Stammdurchmesser“, erklärte Bozem. Die ALB-Larve sei schon in Stämmen mit einem Zentimeter Durchmesser nachgewiesen worden.
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Für viele war wohl die wichtigste Information, wer die Kosten trägt für die Baumentnahmen auf Privatgrund innerhalb des 100 Meter großen Radius der Fällzone um das Finanzamt, wo im August der erste Befall entdeckt worden war. Die Lösung: Man überschreibt per Formblatt, das mit dem Bescheid zugestellt wird, der Stadt das Eigentum an betroffenen Bäumen. Die organisiert dann das Fällen und bekommt die Kosten vom Freistaat ersetzt. 100 000 Euro Budget wurden bereits bewilligt.
Keine Förderung für Entfernung des Wurzelstocks
Doch mit den Fällungen ist es nicht getan, stellten Betroffene fest. Was ist mit den Wurzelstöcken? Wer entfernt sie? Wer bezahlt das? Die Antwort, die Nüßer gab, gefiel nicht: „Da der Käfer den Wurzelstock nicht befällt, gibt es dafür keine Förderung.“ Auch nicht für Ersatzpflanzungen. Die beauftragten Fällfirmen – derzeit läuft die europaweite Ausschreibung, wohl erst Ende Februar kann laut Bürgermeisterin Ingrid Pongratz mit dem Fällen begonnen werden – seien gehalten, möglichst schonend zu arbeiten.
Während die LfL für das offene Land zuständig ist, ist das AELF Ansprechpartner für die Waldbesitzer. Webert forderte diese auf zu kooperieren, „damit wir den Käfer schnell loswerden“. Für Diskussionen und Unverständnis sorgte das Verbringungsverbot, wonach es untersagt ist, innerhalb der 2000 Meter großen Quarantänezone Holz auf eine andere Flurnummer zu bringen.
„Harte Maßnahmen statt verweichlichter Strukturen“
Diese Regelung gebe der EU-Durchführungsbeschluss vor, erklärte Nüßer. Sie solle helfen, dass der ALB nicht über den Transportweg verbreitet werde. Zuwiderhandlungen würden geahndet. Wie gefährlich der ALB ist, zeigt diese Höchstleistung: Die Larve überlebt laut Gebietsbetreuer Kirchmeier sogar -40 Grad Celsius.
Beim Fritz-Freund-Park will das AELF laut Webert versuchen, möglichst viele Bäume zu erhalten – trotz der Gefahr, dass durch das Fällen der unteren Bestände die oberen durch nicht gewöhnten Wind und Sonne bedroht werden.
In Sachen Ausnahmen betonte Nüßer, dass diese nur bei Beständen von „besonderem gesellschaftlichen, kulturellen oder ökologischen Wert“ denkbar seien. Das Problem: Zu Fällungen gebe es keinen gleichwertigen Ersatz. „Wir können nur mit harten Maßnahmen Erfolg haben“, stellte Nüßer fest, „nicht mit verweichlichten Strukturen.“ Das wollte Karl Brutscher nicht akzeptieren. Der Ex-Stadtrat kündigte an, sich bei der EU-Kommission zu beschweren. In seinem Schlusswort warb Nüßer dennoch dafür, LfL und AELF zu unterstützen: „Gemeinsam werden wir es schaffen.“
ddy
Fragen zum ALB
beantwortet die LfL über ihre Hotline, Telefon 0 81 61 / 71 57 30, sowie per Mail an alb@lfl.bayern.de. Infos rund um den Schädling gibt es online auf www.lfl.bayern.de/alb.
